Nach meinem lang ersehnten dreiwöchigen Urlaub, den ich mit meinen Freunden verbrachte, melde ich mich nun wieder. Ich hoffe, ich kann ungefähr alles, was erwähnenswert ist, in diesem Beitrag unterbringen, denn in drei Wochen kann eine Menge passieren.  Aber da ich dazu neige, auf die Frage „Und was hast du so im Urlaub unternommen und erlebt?“ mich nur noch an Bruchstücke zu erinnern, muss ich mich besonders konzentrieren. Ich werde alles geben!

Ich fange am besten mit dem ungeduldigen Warten am Flughafen an. Ich war wirklich nervös aber glücklicherweise nicht allein, denn mein guter Freund Hannes, der in der Nähe von Accra seinen weltwärts-Dienst leistet, wollte auch die zwei ihm bekannten Nicoles in Empfang nehmen. Der Flug hatte natürlich Verspätung, aber irgendwann am Abend kamen sie dann. Es ist schon merkwürdig, gute Freunde wiederzusehen, von denen man acht Monate lang getrennt war. Irgendwie fehlten mir die Worte, dennoch war es ein schöner Moment. Nachdem dann so einiges ausgetauscht wurde und wir ziemlich lachen mussten, weil Nicole und Nicole erzählten, dass sie aus dem Flugzeug ausgestiegen seien und gedacht hätten, die heiße Luft, die ihnen förmlich entgegenschlug, komme aus der Turbine eines anderen Flugzeugs. Mit etwas Erschrecken hätten sie dann recht schnell realisiert, dass dem nicht so war und dass die kommenden drei Wochen heiß und schwül sein würden.

Und so war es natürlich auch – aber da die Regenzeit schon im Gange war, gab es immer mal wieder Regenphasen, in denen es sogar etwas frisch wurde. Generell hatten wir aber ziemliches Glück mit dem Wetter, da der Regen immer nur dann kam, wenn er uns keinen Strich durch die Rechnung machte oder sogar manchmal willkommen war.

Nach einer Nacht in Accra sind wir am nächsten Tag nach Winneba aufgebrochen, wo Hannes arbeitet und wohnt. Dies war der Tag der ersten Trotrofahrt für die zwei Nicoles. Während der gut zwei Stunden des Eingequetschtseins konnte ich mir so manches Grinsen nicht verkneifen – schließlich weiß ich aus eigener Erfahrung, dass man sich am Anfang nicht immer sofort an diese Unannehmlichkeiten gewöhnen kann. Ich glaube, schon hier tauchte zum ersten Mal der Spruch auf, der mehr oder weniger zum Motto des Urlaubs wurde: “This is Ghana“.

Wir verbrachten zwei Tage und Nächte in Winneba, die wir tagsüber an den zwei Stränden verbrachten, die Winneba zu bieten hat. Wie an so vielen  Orten waren diese wunderschön – wenn nur immer der Müll nicht wäre. Der Royal Beach hat diesbezüglich den Vogel abgeschossen und ich konnte immer nur versichern, dass die Strände, die wir während unseres Urlaubs noch sehen würden, wesentlich sauberer sein würden. (An dieser Stelle denke ich, dass ich das Thema „Ghana und der Müll“ in einem späteren Beitrag thematisieren werde.) Abends wurden wir dann von Hannes‘ Gastmutter „Sister“ bekocht – typisch ghanaisch natürlich. Am ersten Abend gab es Reis, Stew und frittierten Fisch, was allen super schmeckte, uns zehn Tage später jedoch schon fast aus dem Hals hängen würde. Am Abend darauf wurde für uns Fufu gestampft – Ghanas inoffizielles Nationalgericht.

Im Anschluss an Winneba fuhren wir nach Cape Coast, wo wir am ersten Tag das Sklavenfort besuchten. Von Cape Coast machten wir einen Ausflug in den Kakum National Park, um den man bei einem Ghanabesuch eigentlich nicht herumkommt. Hier kann man auf sieben sehr wackeligen Hängebrücken auf Höhe der Baumkronen durch den Regenwald laufen. Nachdem wir dies überlebt hatten, haben wir noch an einer Wanderung teilgenommen, bei der die Führerin uns so einiges über die dort wachsenden Pflanzen und Bäume und deren Einsatz in der traditionellen ghanaischen Medizin erzählte.

Auf dem Rückweg nach Cape Coast machten wir noch spontan am „Hans Cottage Botel“ Halt. Dort gibt es einen großen, künstlich angelegten Teich, in dem Krokodile leben (ich meine in Erinnerung zu haben, dass es ca. 30 sind. Ohne Gewähr!). Diese werden auf Wunsch gefüttert, und man kann sie sogar anfassen. Das habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen. Getraut habe ich mich aber nur, weil die ziemlich entspannte ältere Ghanaerin, die uns begleitete, mit ihrem Bambusstock in der Nähe war. Einige der Krokodile waren schätzungsweise länger als 2,50m. Das, welches meine Freunde und ich angefasst haben, war aber etwas kleiner. Kurz bevor wir uns verabschiedeten, erzählte uns die Dame dann, dass es kürzlich einen Angriff auf eine Touristin gab, bei der ein Krokodil versuchte, die Frau ins Wasser zu ziehen. Erst in letzter Sekunde konnte es dadurch, dass alle Anwesenden laut rufend auf das Tier zugerannt kamen, davon abgehalten werden. Die Frau hat schwere Wunden an Arm, Schulter und am Kopf davongetragen. Wie gut, dass uns das erst am Ende offenbart wurde….

Unser nächstes Reiseziel war Axim, ein kleines Fischerdorf ganz westlich an Ghanas Küste. Die Grenze zur Elfenbeinküste ist von hier aus nicht mehr weit. Von Axim aus haben wir einen Ausflug nach Nzulezu gemacht. Dies ist ein Dorf auf Stelzen auf einem wunderschönen See. Um dorthin zu gelangen, muss man eine gute dreiviertel Stunde über diesen See paddeln. Die Bewohner Nzulezus leben vom Fischfang und ihre Behausungen aus Bambus und Wellblechdächern sind mehr als einfach. Als wir dort ankamen, fühlten wir uns direkt sehr unbehaglich, da das Ganze einem Zoobesuch gleichkam. Die Bewohner ignorierten uns geradezu, und als unser Führer uns mitteilte, dass täglich ca. 40 Touristen herkommen, konnte ich dies auch sehr gut verstehen. Die Menschen leben ihr Leben und werden hierbei von reichen Leuten aus dem fernen Ausland bestaunt. Mir war es etwas peinlich, dass ich hierzu gehörte, sodass ich sehr erleichtert war, als wir wieder im Boot saßen. 

Die weiteren Tage in Axim verbrachten wir damit, dass wir einen Tagesausflug zu einem funktionierenden Geldautomaten machen mussten, sowie mit einer kleinen Wanderung auf eine bewaldete Anhöhe, von der aus man die Mündung des großen Ankobra River ins Meer hätte sehen sollen – wäre nicht alles zugewuchert gewesen. Durch ein kleines Loch im Blätterwerk konnte man jedoch in etwa erahnen, wie diese Mündung aussah. Die restliche Zeit verbrachten wir am Strand, da dies die vorerst letzte Etappe am Meer sein würde.

Nach einer sehr beschwerlichen Reise nach Kumasi, wo wir die Nacht bei einer deutschen Freiwilligen verbrachten, fuhren wir endlich in mein Zuhause: Nkoranza. Dort verbrachten wir vier Tage, in denen ich meinen Freunden PCC zeigte, wir einen Ausflug zum Affenreservat von Buabeng-Fiema machten und auf den heiligen Felsen von Oforikrom herumkraxelten.

 Am Ostersonntag fuhren wir dann nach Begoro in der Eastern Region. Das Wanderparadies, welches wir uns vorstellten, entpuppte sich als ein verschlafenes Nest in den Bergen. Als wir unser Hotel erreichten, war unser aller Laune erst mal im Keller. Denn auf dem Gelände des Hotels fand eine Beerdigungsfeier statt – wie immer mit Musik, die ganz Afrika zu beschallen versuchte. Da eine Beerdigung in Ghana meist drei Tage dauert, sahen wir uns schon fast auf der Suche nach einer anderen Unterkunft. Zum Glück war dies aber bereits der letzte Tag der Feier, sodass unsere Gemüter sich wieder beruhigten.

Anders als erwartet, war diese Etappe wirklich sehr schön. Wir machten einen Ausflug zum Paragliding-Festival in der Nähe von Nkawkaw und hätten uns um ein Haar selbst in die Liste der Starter eingetragen. Dafür hätten wir aber am nächsten Tag wiederkommen müssen, um dann den ganzen Tag darauf zu warten, dass man hoffentlich irgendwann fliegen kann. Diesen Tag verbrachten wir dann stattdessen mit einer Wanderung zu einem Wasserfall, der ohne einheimische Hilfe für uns nicht auffindbar gewesen wäre. Wir mussten durch mannshohe Gräser einen Hang hinabsteigen und über umgestürzte Baumstämme klettern, um diesen nahezu unberührten idyllischen Wasserfall zu erreichen. Das war, glaube ich, der ruhigste Ort, an dem ich je in Ghana war. Nach der anstrengenden Wanderung kühlten wir uns direkt ab, um dann einige Zeit einfach dazusitzen und die Idylle zu genießen. Auf halbem Weg zurück gönnten wir uns ein Taxi, dessen älterer Fahrer äußerst heiratswillig war, was eine der Nicoles deutlich zu spüren bekam und mich sehr erheiterte. Sein Auto war übrigens ein technisches Wunder, da dieses Wrack eigentlich gar nicht mehr hätte fahren können dürfen. Da war einfach alles kaputt, was kaputt sein kann. Aber wie durch ein Wunder kamen wir dort an, wo wir hin wollten. Man sieht hier ja wirklich viele Klapperkisten, aber diese musste wohl die Königin der Klapperkisten sein.

Nun brach schon der letzte Abschnitt unseres Urlaubs an. Wir verbrachten die letzten zwei Tage und Nächte in Kokrobite, einem weiteren kleinen Fischerdorf an der Küste – diesmal in Greater Accra. Hier machten wir einen letzten Ausflug, der allerdings sehr enttäuschend war. Wir fuhren zu einem Affenwald, indem man zuschauen konnte, wie die scheuen wildlebenden Affen mit Bananen gefüttert wurden. Zum Programm gehörte auch eine Bootstour, die über einen Fluss führte, der parallel zum Meer verläuft und zusammen damit eine schmale Landzunge oder „Strandzunge“ entstehen lässt, die viele Kilometer bis Accra führt. Die Idee dahinter war wirklich nicht schlecht, aber der Führer, ein bekiffter und übelgelaunter Rasta, machte das Ganze für uns zu keinem Vergnügen. Wir kamen uns eher vor, als seien wir störend statt willkommene Gäste, und zur Krönung mussten wir auch noch richtig viel Geld dafür bezahlen. Zum Glück war dies die einzige derartige Enttäuschung, sodass unsere Launen darunter nicht zu leiden hatten. In Kokrobite verbrachten wir nochmals eine sehr entspannte Zeit und konnten somit unseren Urlaub angemessen ausklingen lassen. Ich danke Nicole, Nicole, Hannes und allen anderen, die wir in diesen drei Wochen getroffen oder kennengelernt haben, für die schöne Zeit!

 Seitdem der Urlaub vorbei ist, sind schon wieder zwei Wochen vergangen, in denen ich mich schnell wieder in meinen Arbeitsalltag einfinden konnte. In PCC ist eigentlich alles beim Alten. Die hier etwas längeren Osterferien gehen morgen zuende und der Alltag kehrt wieder ein. Seitdem ist abgesehen von einer diesmal kurzen und weniger intensiven Malariaerkrankung nichts wirklich Nennenswertes passiert.

Ich freue mich jedoch sehr auf Anfang Juni, denn dann wird etwas Nennenswertes passieren. Und zwar bekomme ich wieder Besuch! Meine lieben Eltern und mein älterer Bruder Florian nehmen diese lange Reise auf sich, um mich endlich wieder in die Arme schließen zu können. Und um Ghana kennenzulernen, so ganz nebenbei ;-).

So, ich muss mich jetzt an meinen Neunmonats-Weltwärtsbericht machen, der nun fällig wird. Wenn ich ihn fertig habe, werde ich ihn auch hier im Blog veröffentlichen.

Liebe Grüße nach Deutschland, besonders an meine Mutter! Alles Gute zum Muttertag!

Simon

 

 


Über die Autorin/den Autor:  24 Jahre alt, geboren in Werne 2008 Abitur am Gymnasium St. Christophorus 2008-2010 FSJ/Jahrespraktikum in der Kinderheilstätte Nordkirchen 2010- 2013 Duale Ausbildung zum Heilerziehungspfleger Alle Beiträge der Autorin/des Autors: