Das Wetter meint es wieder gut mit uns. Wir starten kurz vor 9 Uhr nachdem wir mit einem (gefühlten) pensionierten Lehrerehepaar über unsere Radtour gesprochen haben.  Der Weg aus der Stadt war wieder problemlos, obwohl das oft nicht so einfach ist. Da wir wieder etwas von der Strecke abgewichen sind, kam die alternative Technik mit IPad wieder zum Einsatz. Es ist für mich schon ungewöhnlich mit roten Kopfhörern angetan über die Strassen zu fahren. Aber die Sprachansage ist effektiver als  das Display, da man in der hellen Sonne so gut wie nichts sehen kann.

 

HeimatgefühleHeimatgefühle

 

Marei aus HamburgUnterwegs trafen wir Marei , eine Globetrotterin aus Hamburg. Mit einem riesigen Rucksack transportierte sie alles, was sie für ihre Versorgung benötigte. Als Frau allein unterwegs mit Übernachtung im Zelt und eigener Versorgung nötigte uns doch viel Respekt ab. Sie war schon 4 Woche auf Schusters Rappen unterwegs und machten einen Rundkurs über Mailand und Padua (?). Ich hätte gerne noch mehr mit ihr gesprochen, wollte aber nicht zu aufdringlich sein. Bei unserer späteren Rast an einer Brücke haben wir sie noch einmal getroffen.

Die Temperaturen stiegen auf 31 Grad bei bedecktem Himmel. Es waren kaum Leute unterwegs, was einerseits ganz schön ist, wenn man aber nach dem Weg fragen will, ist es schwierig jemanden zu finden, der Auskunft geben kann. Wir sind wegen einer Umleitung wieder von der Strecke abgekommen, haben aber aus eigener Erkenntnis wieder auf den rechten Weg gefunden. Manchmal hilft einfach das Bauchgefühl weiter.

In der Stadt war es dann doch anders. Ich hatte über das Internet vorgebucht, aber das Hotel lag so versteckt, dass wir fast eine Stunde gesucht haben, bevor wir nach mehreren Rückfragen fündig wurden.

Ich glaube, dass wir es hier ganz gut getroffen haben, da keine Durchgangsstrasse und auch keine Kirche in der Nähe ist. Gestern war es allerdings so warm (wir wollten wegen der Strassennähe auch keine Fenster aufmachen), dass es mit dem Schlaf nicht so richtig klappte.

Das Mittagessen fiel heute aus Mangel an Möglichkeiten doch sehr spartanisch aus. Auch der Wunsch, ein heimisches Eis zu genießen, wurde nicht erfüllt. Keine Gelaterie hatte auf, da waren wir von gestern doch mehr gewöhnt. Das in der Bar konsumierte Gelato war den Namen nicht wert.

Den Abend haben wir in der dem Hotel angegliederten Restaurant verbracht und uns auf die Empfehlungen des Chefs verlassen. Wir wurden nicht enttäuscht. Mal sehen, was morgen auf der Hotelrechnung auftaucht.

Auf nach Parma

Das Essen gestern Abend war gut. Die Vorspeise mit Salami und verschiedenen Schinkenarten plus Melone war schon gut. Danach gab als Hauptgang Tagliatelle mit Bolognaise. Dazu passte das heimische Bier und wir konnten draußen bei angenehmen Temperaturen unser  Essen genießen. Während die am Nachbartisch sitzenden Italiener bereits die Jacke überzogen und den Schal herausholten, saßen wir noch im kurzärmligen Hemd.

Wir konnten auf Zimmerrechnung essen und trinken und brauchten uns über die vorhandenen Barschaften keine Gedanken machen. Das Frühstück am anderen Morgen war schon bemerkenswert. Da wir erst gegen 8.00 Uhr auftauchten, war das Büffet von anderen Radreisenden schon ziemlich abgeräumt. Nachgelegt wurde nicht. Spitze waren aber für uns Deutsche der bestellte Kaffee. Der Löffel wäre sicher steckengeblieben, wenn wir ihn losgelassen hätten. Trotz reichlicher Milchauffüllung konnte Jupp ihn nicht trinken und musste auf Milch ausweichen. Saft war auch nicht mehr da. Aber so kommt es manchmal. Nicht ärgern, nur wundern muss die Devise sein, den aufregen lohnt sich bei dieser Situation nicht, wenn man die Gewohnheiten nicht kennt.

Unser nächstes Ziel sollte Parma werden. Eine nur kurze Strecke von ca. 35 Kilometern, da die Wettervorhersage Gewitter ab der Mittagszeit versprach. Ich hatte mitten in der Stadt ein Studio gebucht, dass allerdings kein Frühstück beinhaltete. Die Option der kostenlosen Stornierung haben wir dann mittags in Anspruch genommen, da das Wetter hielt, die Verkehrsführung in Parma für Radfahrer lebensgefährlich war und wir einfach weiterkommen wollten.

 

Rastplatz auf dem RadwegRastplatz auf dem Radweg

Nach einer schönen Fahrt abseits der Hauptverkehrsstrassen machten wir uns dann gegen 15.00 Uhr auf die Suche nach einer Unterkunft. In Sissa waren im Bikelineführer verschiedene Adressen angeben, Booking.com hatte nichts anzubieten. Als wir dann ankamen, wussten wir auch warum. Die angegebenen Adressen waren alle aus den benachbarten Städten, wieder eine Erfahrung mehr, worauf man achten muss, wenn ein Zielort ausgewählt wird.

Wir haben Einheimische gefragt, wohin wir fahren sollten. Es war ein herrliches Radebrechen und wir haben dabei viel gelacht. Letztendlich wussten wir aber wo wir hin sollten. Von aussen sah die Villa wirklich respektabel aus, was sich von innen nicht so bestätigte. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Wir wollten nicht mehr weiterfahren und haben daher zugesagt. Der Preis lag gerade noch unter unserem gesetzten Limit. Aber – geneigte(r) Leserin/Leser – macht euch selbst ein Bild von der Ausstattung, die wohl aus den 60er Jahren zu stammen scheint. Zum Essen müssen wir mit dem Rad ins Dorf, denn zu Fuß würde es zuviel Zeit kosten. Bin mal gespannt, ob es etwas anderes als Pizza gibt. Zu Trinken müssen wir auch noch etwas besorgen. Vielleicht gibt es noch eine Einkaufsquelle.

Hilfestellung beim InternetzugangUnsere Gastgeber sind jedenfalls sehr geschäftstüchtig und hilfsbereit, ohne Nachfrage haben sie uns den Internetzugang verschafft. Vielleicht schaffen wir es noch, eine Flasche Wein zu kaufen. Im Innenhof kann man jeden Falls sehr schön sitzen, das Rauschen der umliegenden Bäume und das italiensche Palaver bei den laufenden Renovierungsarbeiten gibt das richtige Flair.

 


Über die Autorin/den Autor:  Als sportliche Rentner sind Jupp (67 Jahre) und Herbert (65) schon seit Jahren mit dem Fahrrad auch auf längeren Strecken unterwegs. Wir haben Spaß daran, durch die Lande zu fahren, fremde Leute kennenzulernen und neue Erfahren zu machen. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: