Alle Prüfungen sind endlich vorbei. Zumindest die von allen internationalen Studenten um  mich herum. Hatte ich mich am Anfang noch gefreut, dass ich eine der wenigen Auserwählten für einen rein südafrikanischen Kurs war, so sehr ärgerte es mich im Nachhinein. Die Klausuren der Afrikaner wurden nämlich zwei Wochen später geschrieben. Nichtsdestotrotz hatte ich zwischen meinen beiden letzten Klausuren (meines ganzen Lebens!!) noch 14 Tage frei. Neun davon verbrachte ich mit drei Studentinnen an der Wildcoast und Suncoast im Osten des Landes.

Da unsere Pläne groß und die Zeit knapp war, entschieden wir uns dafür, nach Durban zu fliegen. Kulula Airlines, allein der Name klingt schon sehr vertrauenserweckend. In Durban angekommen holten wir unseren Mietwagen, diesmal ein Nissan Micra, ab und verstauten tatsächlich alle Koffer und Taschen von vier Frauen darin. Das Auto wusste zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht, wohin wir es steuern würden.

Zunächst ging es aber in unser erstes Hostel nach Durban. Dort empfahl unser Gastgeber uns die Markthallen im Stadtzentrum. Es vergingen einige Minuten mit der Fahrt im Kreis, da die Straßenführung in Durban sich doch stark von der in Kapstadt oder Stellenbosch unterscheidet. Schlussendlich parkten wir in einer gruseligen Tiefgarage und huschten von dort aus schnell in die Hallen. Es sah schon vielversprechend aus, ein Mix aus indischen und afrikanischen Geschäften. Auf den ersten Blick bestimmten Kleidung, Perrücken, Gewürze und Schmuck das Bild. Leider aber nur hinter den Glasscheiben, denn der Markt hatte eine halbe Stunde vorher geschlossen. Wirklich schade, denn die Geschäfte versprachen durchaus exotische Einkäufe. Macht nix, Durban hatte mehr zu bieten, ab in die Tiefgarage und los Richtung WM-Stadion.

Das spektakuläre am Moses-Mabhida-Stadion ist der große Bügel, der sich parabelförmig über die Arena zieht. Da wir für die Wanderung zu Fuß auf die Aussichtsplattform des Bogens zu spät waren, fuhren wir mit dem Skycar hinauf, einem gläsernen Aufzug, der auf der Außenseite des Bogens entlang fährt. Oben angekommen genossen wir eine wunderschöne Aussicht über Durban, Strand und Hügel und orientierten uns ein wenig für die kommenden Tage. Nach 15 Minuten wollten wir dann aber auch wieder hinunter, der Aufzug kam gerade passend an und hätte uns mit nach unten nehmen können. Hätte. Wäre er nicht in just diesem Moment kaputt gegangen. Drei Mitarbeiter befanden sich zu der Zeit mit uns auf dem Bogen. Einer versuchte uns zu beruhigen: „Ladies, don’t panic, this doesn’t happen for the first time.“ Beruhigend. (Ich habe übrigens Höhenangst und musste mich eh schon überwinden, in einen gläsernen Aufzug zu steigen.) So steckten wir also auf dem Bogen eines Fußballstadions in 104 Metern Höhe fest. Und das für eine knappe Stunde, bis der zuständige Techniker die Fehlermeldung endlich beseitigt hatte. Nunja, wir hatten eine Tüte Chips und etwas Wasser bei uns und konnten die Zeit so in der Sonne genießen und lernten sogar noch Einheimische besser kennen. Wieder unten angekommen war die Managerin aber so um unser Wohl besorgt, dass sie sich 100 Mal entschuldigte und uns schlussendlich sogar das Eintrittsgeld zurückerstattete. Wäre aber nicht nötig gewesen, eigentlich hatten wir eine schöne Zeit.

Der nächste Tag führte uns nach Petermaritzburg, nur 80 Kilometer von Durban entfernt. Die Fahrtzeit hatten wir jedoch unterschätzt, da die Kraft des Micras überschätzt. Die Art und Weise, mit diesem Auto Berge hochzufahren sollten wir in den kommenden Tagen zu genüge kennenlernen. Die Atmosphäre in Petermaritzburg ist genau wie in Durban schwarzfrikanisch, chaotisch, bunt. Als blonde, weiße Frau ist man schon eine Attraktion und wir waren immerhin zu dritt und hatten den Auftritt so auf unserer Seite. Was uns zuerst hier auffiel – lange Schlangen vor der Bank. Frauen standen 50-70 Meter am Straßenrand entland und warteten. Ein Stück weiter fragten wir einen Polizisten nach dem Weg, plauderten ein wenig und trauten uns dann auch zu fragen, was dort los ist. Es war Anfang des Monats und die staatliche Unterstützung wurde ausgezahlt. Diese beträgt um die 100€ pro Familie und circa 30€ pro Kind. Dabei sei nochmal darauf hingewiesen, dass die Lebenshaltungskosten hier nicht wirklich günstiger sind. Und deshalb standen hunderte Frauen über die Stadt verteilt in Schlangen in der Sonne.

Nach dem Besuch im örtlichen KwaZulu-Natal Museum besuchten wir noch einen indischen Schnellimbiss, der das traditionelle Bunny Chow servierte, ein afrikanisch-indisches Gericht. Das besondere daran – das Curry wird in einem ausgehöhlten Weißbrot serviert, dazu gibt es Salat. Wir bestellten zunächst eine Portion mit Hühnchen für uns vier und fügten hinzu, es bitte „extra extra mild“ zu kochen. Ich probierte nur die Soße, fand sie aber sehr lecker und bestellte daraufhin noch eine vegetarische Portion. Ein Mädchen hielt die Schärfe gar nicht aus, die anderen beiden aßen aus Höflichkeit auf. Außerdem gewöhnungsbedürftig für den verwöhnten deutschen Gaumen: Knochen und Knorpel im Essen. Für ein Curry am Straßenrand für umgerechnet 3€ aber ganz normal. Mein Bohnencurry kostete sogar nur 2,50€ und schmeckte herrlich würzig, scharf, anders.

Weiter ging es an diesem Tag noch zum World’s View und zu den Howick Falls, einem knapp 100 Meter hohen Wasserfall. Zurück in Durban genossen wir die etwas kühlere Seeluft, ein gutes Essen in der Nähe des Strandes und noch einen kurzen Abstecher ins Casino. Danach fielen wir aber auch bald in unsere Betten, denn am nächsten Tag brachen wir in der Frühe Richtung Lesotho auf.


Über die Autorin/den Autor:  Während meines Studiums an der FH Münster mache ich ein Auslandssemester von Juli bis Dezember in Stellenbosch, im schönen Westkap in Südafrika. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: