Seitdem wir hier sind, wurden wir schon des öfteren vom Südafrikaner Tony auf die jeden Sonntag stattfindende Townshipparty eingeladen. Bis jetzt hat es nie gepasst, doch letzter Sonntag bot sich zum Glück mal an.

Die Party findet tagsüber statt, beginnt um 11 Uhr morgens und ist um 20 Uhr zu Ende. Wie geht man nun dorthin? fragten meine Mitbewohnerin und ich uns. Mit so wenig Verlierbarem wie möglich, beschlossen wir. Das heißt kein Handy, kein Portemonnaie, kein Schmuck. Wohnungsschlüssel und etwas Geld in die Hosentasche, genau so wie Taschentücher, denn von einer Freundin wurde uns vorher schon mitgeteilt, dass es dort kein Klopapier gibt. Wertvoller Tip!

Um 11 Uhr wollten wir auch hier aufbrechen, die Fahrt dauert ca. 30, vielleicht aber auch 45 Minuten. Tony war sich da nicht so sicher. Und wir sollten bitte deutsch-pünktlich sein, sagte er. Dementsprechend trafen sich zehn Deutsche um 11 Uhr am Treffpunkt. Wer fehlte? Natürlich die Südafrikaner. Auch, wenn diese Aussage nach plumpen Stereotypen klingt, die Uhr läuft hier wirklich etwas anders.

Die Fahrt Richtung Gugulethu machten wir mit 13 Personen in einem Kleinbus.  Diese sind offiziell für 16 Personen zugelassen, wie ich erfahren habe. Also kein Grund zur Sorge. Ziemlich alt und ungepflegt war der Bus, hatte aber ein neues Radio, Pioneer-Boxen und eine LED-Lichterkette eingebaut. Man muss schließlich Prioritäten setzen. Schlussendlich brauchten wir knapp eine Stunde bis zum Mzolis.

Mzolis war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Es war mitten im Township und zwischen Wellblechhütten, aber dennoch ganz ordentlich aufgebaut. Eigentlich gab es nur ein Wellblechdach, das auf Holzpfeilern steht. Darunter Blechtische und Plastikstühle. Das war alles. Leider stellte es sich auch als Touristenattraktion heraus, weshalb wir nicht nur unter Einheimischen feierten. Zunächst wurde aber auch gegessen. Tony versicherte uns mehrmals, dass unsere Grillplatte in 10 Minuten fertig sei. Wie lange es letztendlich dauerte wussten wir nicht, wir hatten ja keine Uhr dabei. Auswahl gab es nicht,braucht man auch nicht. Fleisch ist Fleisch und das ist die Hauptsache. Schließlich landete eine riesige Blechschüssel mit genau so riesigen Fleischlappen und Wurst auf unserem Tisch. Unser Besteck: Ein Styroporteller und ein Plastiklöffel. Einen Plastiklöffel! Für eine Fleischplatte! Super Idee. Netterweise gab es für mich etwas Chakalaka-Salat und Pap (Maismehl in Wasser gekocht). Aber das wurde traditionell mit der Hand gegessen, weshalb eigentlich niemand etwas anderes als Servietten brauchte.

So langsam füllte sich Mzolis mit vielen, vielen Menschen. Die DJs legten guten, südafrikanischen House auf. Dann wurde einfach um die Tische herum getanzt. Als Deutsche neben Südafrikanern zu tanzen ist übrigens sehr peinlich.

Die Toiletten waren, wie von der Freundin schon angekündigt, sehr einfach. Zwar hatte ich mich schon auf Dixis eingestellt, aber es gab doch tatsächlich richtige Klos mit Wasserspülung. Die Türen konnte man nicht abschließen, sie blieben noch nicht mal zu, wenn sich nicht jemand von außen davor stellte, es gab kein Papier und irgendwo trat Wasser aus, sodass der Boden permament nass war. Das Waschbecken hing nur noch halb an der Wand. Aber hey – es funktionierte alles bis zum Schluss.

Nachdem wir uns noch eine Stunde auf den völlig überfüllten Straßen vorm Mzolis aufgehalten und mit Locals unterhalten hatten, fuhren wir gegen 18 Uhr wieder Richtung Stellenbosch. Insgesamt mit vielen Erfahrungen und Eindrücken reicher, allerdings um ein Smartphone ärmer. Eine Verkehrskontrolle auf dem Weg sollte uns dann auch nicht mehr aufhalten. Unser Fahrer drehte kurzerhand um und fuhr von dort an nur noch über kleine Straßen. Ein beruhigendes Gefühl. Kurz bevor wir in Stellenbosch ankamen, hielten wir noch im Township Kayamandi. Max‘ Schwester Lisa war zu Besuch und deshalb erst wenige Tage in Afrika. Tony kaufte ihr deswegen kurzfristig einen gekochten Ziegenkopf zum Abendessen. Den hat hier schon fast jeder bekommen, den Tony neu kennenlernt. Ich war nie glücklicher, Vegetarier zu sein!

Übrigens: Letztendlich hat mich der Transport nach Gugulethu und zurück, der Eintritt und das Essen insgesamt 7,50€ gekostet. Jede Flasche Cider, die wir uns kauften ungefähr 75cent…


Über die Autorin/den Autor:  Während meines Studiums an der FH Münster mache ich ein Auslandssemester von Juli bis Dezember in Stellenbosch, im schönen Westkap in Südafrika. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: