Wer mich kennt, kennt auch meine Lieblingsfarbe. Vor langer Zeit habe ich mich dazu entschlossen, die Farbe Grün allen anderen Genossen auf der Farbpalette vorzuziehen. Wie passend, dass ich in Ghanas Brong-Ahafo-Region mittig des Landes lebe, denn hier ist alles rundherum grün. Ich kann mich nicht satt daran sehen. Allein schon das PCC-Gelände ist mit seinen Kokospalmen und Bananenstauden sowie Papaya-, Orangen- und Mangobäumen (ich weiß genau, was das bei dem einen oder anderen Leser auslöst) überaus grün. Wenn man aber mal auf der Landstraße unterwegs ist und nicht gerade eine der zahlreichen kleineren Siedlungen passiert, ist alles links und rechts einfach nur grün hoch zehn. Das macht es für mich sehr leicht, für mehrere Stunden im Trotro zu sitzen. Ich schaue einfach nur aus dem Fenster – das ist besser als Fernsehen. A propos, in meinen fast zwei Monaten hier habe ich erst einmal kurz ferngesehen. Und das nur, weil neben mir ein Fernseher lief, als ich in der Gastfamilie in Kumasi zu Abend gegessen habe. Und es fühlte sich echt falsch an! So gerne ich in Deutschland auch Tatort gucke, hier in Ghana vermisse ich in dieser Hinsicht nichts!

Zurück zu den Farben… Neben allem Grünen bin ich ein Fan von der hiesigen roten Erde. Das ist doch mal schöner als das deutsche Braun! In Kombination mit all dem Grün ringsum sieht das einfach nur super aus! Und zum Thema Braun fällt mir noch mehr ein. Letztes Wochenende – ich hatte Besuch von den bezev-Freiwilligen Annika und Selina aus Kumasi – sind wir nach Kintampo gefahren. Dort gibt es mehrere Wasserfälle. In einem davon bzw. unter ihm kann man sogar schwimmen oder auch eine enorm harte Dusche nehmen. Etwas naiv erwarteten wir jedenfalls kristallklares Wasser und starrten für einen Moment sprachlos in die braune Brühe. Dem Spaß im kühlen Nass hat es aber keinen Abbruch getan! 

Ansonsten ist bei mir eigentlich wie immer alles in Ordnung! Mit meiner Arbeit komme ich ganz gut zurecht und mit den Kindern und jungen Leuten, die hier leben, kann man eigentlich nur Spaß haben. Vielleicht ist es an dieser Stelle sinnvoll, einfach einmal meinen Tagesablauf niederzuschreiben. Also: Mein Arbeitstag beginnt um 7.30Uhr mit der sog. Walking Time. Der Sinn dahinter ist, dass viele Bewohner tagsüber wenig Bewegung haben, also wird dieser Mangel dadurch etwas reguliert! Diejenigen, die Bedarf haben, machen während dieser Zeit Bewegungsübungen auf dem sog. Physioground. Um 8Uhr gibt es Frühstück, bei dem ich Michael assistiere. Im Anschluss habe ich eine Pause für mein eigenes Frühstück. Um 9Uhr bereite ich meine Special Attention mit Daniel Kofi vor. Er ist derjenige, über den ich derzeit das Screening schreibe. Danach habe ich dann 30 Minuten Zeit, um ihn auf seine Ressourcen hin zu testen und Hilfebedarfe zu erkennen. Das mache ich mittels verschiedener Spiele, die ich mir vorher ausgedacht habe. Zum Beispiel habe ich mit ihm ein Tastspiel gemacht, indem ich verschiedene Alltagsgegenstände in einem Eimer voller Bohnen versteckt habe. Er sollte sie mit geschlossenen Augen finden und benennen. Um 10 Uhr habe ich Special Attention mit einem anderen Daniel. Mit ihm lerne ich derzeit das Lesen der Uhr. Danach habe ich wieder 30 Minuten Pause, anschließend eine Stunde Zeit im Büro, um die Erkenntnisse über Daniel Kofi im Screening niederzuschreiben. Um 12 begleite ich wieder Michael beim Essen, danach ist dann bis 15 Uhr Pause. Nach zwei Special Attentions mit Moses und Kwaku Chairman ist dann allgemeine Poolzeit für alle. So zwei, drei Mal pro Woche hüpfe ich auch mit ins Wasser. Die Bewohner lieben das und auch ich habe einen Riesenspaß. Gegen 17Uhr ist dann Abendessen und wieder Unterstütze ich Michael. Ist dies beendet, habe ich Feierabend.

Danach koche ich meistens etwas, oder ein anderer Freiwilliger übernimmt dies. Ich gebe mir Mühe, dass das, was ich auf den Tisch bringe, auch etwas ghanaisch schmeckt. Mir schmeckt’s immer gut, aber die Ghanaer, die oft sehr eigen und zu wenigen Variationen mit ihren traditionellen Speisen bereit sind, würden bestimmt die Nase rümpfen. Ein weiterer Aspekt, der wegfallen würd, sollte ich in einer Gastfamilie leben.

Seit einigen Tagen unternehme ich übrigens viel mit einem Ghanaer meines Alters, sein Name ist Kwame Bright. Er arbeitet in Nkoranzas Apotheke und ich habe ihn letztes Wochenende in einem sog. Spot, einer kleinen Bar, kennengelernt. Ich bin sehr dankbar für diesen Kontakt, denn Bright ist sehr interessiert daran, mir die ghanaische Kultur näherzubringen. Eine willkommene Abwechslung in meinem oft holländisch geprägten Alltag.

So viel für heute. Nächsten Samstag werde ich auf einer Beerdigung sein. In Ghana ist dies ein riesiges Ereignis, das neben dem Traueraspekt auch viele Anlässe zur Freude bieten soll. Ich bin sehr gespannt.

Bis dahin! Liebe Grüße aus dem grünen, derzeit wegen eines Stromausfalls eher schwarzen Nkoranza sendet euch Simon

 


Über die Autorin/den Autor:  24 Jahre alt, geboren in Werne 2008 Abitur am Gymnasium St. Christophorus 2008-2010 FSJ/Jahrespraktikum in der Kinderheilstätte Nordkirchen 2010- 2013 Duale Ausbildung zum Heilerziehungspfleger Alle Beiträge der Autorin/des Autors: