Am vergangenen Freitag war ich zum ersten Mal in einem Township. Ein südafrikanischer Freund hat uns eingeladen, dort im Township-Theatre einem Poetry-Slam beizuwohnen. Schon die Fahrt in einem südafrikanischen Taxibus, der normalerweise 13 Personen fasst, war unglaublich witzig. Eng neben- und voreinander ging es relativ schnell durch Stellenbosch und ins Township hinein. Sicherheitsgurte gibt es keine, aber um durch das Auto geschleudert zu werden ist eh nicht genug Platz vorhanden. Dafür war die Fahrt kostenlos.

Im Township Kayamandi selbst sieht es aus wie auf jeder Postkarte. Bunte Wellblechhütten, manche mit Sicherheitstür aus Edelstahl, spielende Kinder davor, Männer versammeln sich zum Braai (Afrikaans für Grillen). Ich wusste nicht wirklich, wie ich mir ein Township-Theater vorstellen sollte. Wir waren aber doch überrascht, als wir in ein ganz normal gemauertes und verputztes Gebäude inmitten der Wellblechhütten eintraten. Innen eine kleine Bühne, bunt angemalte Tische, Stühle und umgedrehte Kisten als Sitzplätze. Gedichte, Lieder, Texte und kleine Theaterstücke wurden vorgetragen. Dies entweder auf Englisch oder Afrikaans. Alle Themen wurden abgedeckt, ob moderne Musik, Liebe, Politisches, Spirituelles oder alles zusammen. Eine Zeile einer jungen Afrikanerin ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben:

„We are a rainbow nation. But a rainbow doesn’t contain black.“

Es wird noch dauern, bis die Auswirkungen der Apartheid vollständig verschwunden sind.

Ein weiterer Aufruf der Moderatorin an das Publikum war, dass jeder die Hand heben sollte, der mehr als eine Sprache spricht. Niemand hob seine Hand nicht. Die zweite Aufforderung war, seine Sitznachbarn in einer anderen Sprache zu grüßen. Hallo’s auf isiXhosa, Afrikaans, Zulu, Englisch, Französisch, Vietnamesisch, Schwedisch und Deutsch flogen durch den Raum. Diesen Moment habe ich bewundert da ich glaube, dass es in Deutschland nicht so vielfältig wäre.

In einer kurzen Pause gab es auch hier ein Braai. Der Fleischkonsum in Südafrika ist unglaublich. Jeder Deutsche Fleischesser wird hier als Vegetarier angesehen; wohl ein Resultat der niedrigen Fleischpreise. Umso mehr hat es mich gefreut, dass es tatsächlich auch vegetarische Würstchen zu kaufen gab. Nach drei Stunden Poetry sind wir mit dem Taxibus dann wieder heim.

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Über die Autorin/den Autor:  Während meines Studiums an der FH Münster mache ich ein Auslandssemester von Juli bis Dezember in Stellenbosch, im schönen Westkap in Südafrika. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: