Es gibt Tage, an denen so viel passiert, dass man eigentlich gar nicht alles in einem einzigen Blogeintrag festhalten kann. Wir versuchen es trotzdem: Ganz früh am Morgen wurden Vicky und Franzi erst einmal liebevoll geweckt, wie es sich eben am Geburtstag gehört. Nach einem deutschen Frühstück, welches wir extra mit Spiegelei, Marmelade und verschiedenen Brotsorten zubereiteten, um Rebecca auch Teile unserer Küche zu zeigen, stand der weniger schöne Abschnitt des Tages auf dem Programm. Denn vorgestern ist leider der schwer erkrankte Vater unserer Gastmutter gestorben und heute sollte die Beerdigungszeremonie abgehalten werden. Dabei war für uns zu beachten, dass wir keine roten Klamotten tragen, da dies die Farbe des Glücks ist. Doch, anders als in Deutschland, sah man bei der Trauerfeier nicht schwarz gekleidete, sondern teilweise sehr bunt angezogene Gäste. Außerdem wurde durchgehend von einer Blaskapelle laute Musik gespielt. In einem garagenähnlichen Gebäude saßen die engsten Verwandten in weißen Gewändern, die sich immer dann vor einem riesigen, geschmückten Altar verbeugten, wenn ein Neuankömmling kam, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Zum Glück wurde uns nicht übel genommen, dass wir mit chinesischen Sitten nicht ganz vertraut waren und Rebecca oder andere Leute der Trauergemeinde zeigten uns verständnisvoll, wie wir uns zu verhalten hatten. In einem sehr feinen Restaurant fand dann ein Essen statt, was vielleicht dem deutschen „Leichenschmaus“ ähnelt. Allerdings waren hier nicht die engsten Verwandten anwesend, sondern nur diejenigen, die den Toten kannten und auch bei der Zeremonie anwesend waren. Es gab so viel gutes Essen, dass auf jedem Tisch die Teller sogar gestapelt werden mussten. Unsere Mittagspause fiel heute leider aus, dafür fuhren wir gegen Nachmittag in ein anderes Gebiet Dalis, wo wir eine Primary School besuchten. Dort wurden wir jedoch ins kalte Wasser geschmissen: Wir bekamen nämlich, anders, als uns Rebecca vorher informiert hatte, jeder eine eigene Klasse zugeteilt, der wir Englisch beibringen mussten. Auch wurde uns gesagt, dass die Kinder diese Sprache bisher noch nicht gelernt hatten und wir bereiteten unseren Unterricht dementsprechend mit den Grundbegriffen der Kommunikation vor. Doch als wir unsere Gruppen erreichten, stellten wir nach den ersten paar Sätzen, die wir an die Tafel schrieben, fest, dass die Schüler sowohl die Zahlen, als auch Früchte und Smalltalk-Floskeln schon nahezu perfekt beherrschten. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als unser Bestes zu geben und die kleine Wiederholungsstunde so interessant wie möglich zu gestalten. Das gelang uns dann auch relativ gut, aber was das wichtigste war: wir hatten Spaß. Und zwar jede Menge. Nach dem Abendessen holten wir Rebeccas Freundin ab, die ebenfalls Lehrerin ist und einem Mädchen gerade Einzelunterricht in Englisch gab. Bevor es dann weiter zu einer Bar ging, wo der Doppelgeburtstag nochmal ordentlich gefeiert werden sollte, unterhielten wir uns eine Weile mit der Schülerin und lernten, genau wie mit Lucy aus der Familie, die wir vor ein paar Tagen besucht hatten, mit ihr lesen. Danach konnte es losgehen: Wir ließen uns in der Kneipe nieder, wo unsere Koordiatorin mit ihrer Freundin regelmäßig „Tee trinken“ geht. Mit Cocktails und ein paar sehr wässrigen Bieren stießen wir auf die Feierlichkeit an. Außerdem hatten wir auf dem Weg schon die Torte abgeholt, die Rebecca für uns vorbereiten lassen hat und diese war wirklich ein Kunstwerk für sich. Der mit Sahne und Obst verzierte Kuchen war beinahe zu schade zum essen, doch der Abend endete damit, dass der komplette Kuchen in unseren Bäuchen verstaut und die halbe Sahne in Vickys und Franzis Gesicht geschmiert war. Der Wunsch, in einer chinesischen Bar mit „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller auch einmal ein deutsches Lied anzustimmen, ging kurzfristig doch nicht in Erfüllung, da alle drei Gitarren, die auf der kleinen Bühne standen, kaputt waren. Der überaus gelungene Tag klang dann damit aus, dass wir alle zu siebt (Rebecca, ihre Freundin und deren Mann eingerechnet) mit einem schicken VW vor unsere Haustür kutschiert wurden, während im Radio ein deutsches Lied von den Wise Guys lief.


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