Der erste Monat ist seit Montag vorbei und wenn ich zurückdenke, sind die
4 Wochen wie im Flug vergangen. Unzählige Erfahrungen, die teils schockierend,
teils auch so beeindruckend waren, dass man manchmal gar nicht glauben konnte,
dass das alles für ein Jahr nun mein Alltag sein wird.

An der Kilolo Secondary School bin ich gut angekommen und konnte mich schon
im Unterrichten üben. Seit Montag habe ich die Form 1 übernommen und unterrichte dort
eins der unbeliebtesten Fächer : Mathematik. Los geht’s mit Geometrie, das dürfte ich
wohl hinkriegen! 😉

Was mich an meiner Schule jeden Tag aufs Neue schockiert, ist die hier noch vorhandene
Prügelstrafe. Ich hatte vor meiner Reise und auch noch, als ich das erste Mal gesehen
habe, wie ein Schüler geschlagen wurde, das Gefühl, dass ich damit relativ gut
umgehen kann. Seitdem ich mich aber im Lehrerzimmer regelmäßiger aufhalte, habe
ich Situationen erlebt, bei denen ich einfach nur noch aufstehen und gehen konnte:
So harte Schläge, dass Pullis reißen oder die Stöcke durchbrechen(!), weinende
Mädchen und Jungen die humpelnd den Raum verlassen. Und dabei Lehrer, denen man
ansieht, dass sie offentsichtlich ihre „Macht“, „Autorität“ oder was auch immer
ganz schön genießen. Schön zu sehen ist allerdings, dass nicht jeder Lehrer
die Prügelstrafe befürwortet und ohne Stock in die Klassenräume geht. Bei denen
merkt man direkt, dass sie eine ganz andere – eine viel natürlichere – Art von
Autorität besitzen.

Pünktlich zum „Monatstag“ bin ich an meiner Schule „Productions Manager“ des
ersten Newsletters der Schule geworden. Klingt super cool, meine Aufgabe besteht
aber eigentlich nur daraus, die eingereichten Texte abzutippen, in Form zu bringen
und ausdrucken. Trotzdem ein ganz intressanter Zusatzjob, den ich jetzt gerne
bei den nächsten Ausgaben von „A Spill of Knowledge“ übernehmen werde.

Die 2. Woche, in der ich hier war, bestand einzig und allein aus einem Sprachkurs in Iringa:
Grammatik und Vokabeln pauken. Klingt nervig, allerdings hat man jeden Tag, wenn
man die Haustür verlässt, die Motivation sich direkt wieder dran zu setzen. Englisch
sprechen hier nur die wenigsten, und ich habe das Gefühl, man wird das „Blöder-Touri“-
Image erst los, wenn man ein einigermaßen gutes Kisuaheli spricht.

An das Essen hier habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Unter der Woche gibt es
ausschließlich Ugali zu Mittag und Abend, mit Bohnen und einer Art Spinat.
Wenn es mal Reis gibt, steht uns allen ein dickes Grinsen im Gesicht.
Ein Jahr lang wird das jetzt von Montag bis Freitag gegessen, aber wenn ich daran
denke, dass für die meisten Tansanier das ganze Leben lang nur Ugali auf dem Teller
liegt, wag ich es gar nicht, mich lautstark zu beklagen. Schmeckt ja auch nicht
schlecht…es schmeckt halt nach gar nix.

Auch die ersten tansanischen Kontakte sind bereits geknüpft: Ein Piki-Fahrer mit dem
Namen Deus bringt mich öfter mal mit dem Motorrad zur Schule (für umgerechnet 1€) und
hat mir angeboten, dass er mir in dieser Woche Motorrad fahren beibringt.
Fahrschule und Sicherheitskontrollen im Verkehr gibt es hier eigentlich gar nicht;
wenn ich mir Deus‘ Piki angucke, frage ich mich, wie lang dieser Schrotthaufen eigentlich
noch fahren kann.

Was in diesem ersten Monat wohl so ziemlich das nervigste bisher war, war die Tatsache,
dass wir im Amani Center von Sonntag bis nächsten Dienstag (9 Tage) kein fließend Wasser
hatten. Die Hausmamas haben uns jeden Tag einen Eimer Wasser aus dem Fluss zur Verfügung
gestellt, welcher eigentlich immer dafür draufging das Klo zu spülen. Klamotten waschen
und duschen war in den 9 Tagen nicht drin. Eine ziemlich nervige Zeit, weil man sich
grade hier in Kilolo, wo die Straßen fast nur aus roter Erde bestehen, jeden Tag aufs
Neue einstaubt. Umso mehr feierten wir allerdings, als wir hörten, dass der Klokasten
am Dienstag wieder volllief und wir wieder Wasser hatten.

Alles in allem ist der erste Monat zwar gefüllt von Höhen und ein paar Tiefen gewesen,
allerdings bin ich froh, diesen Schritt hierher gegangen zu sein und würde es schade finden,
wenn ich nur diesen einen Monat hier gewesen wäre. Mit anderen Worten: Ich freue mich,
dass diese Welt hier nun ein Jahr lang mein Zuhause ist.

Mein nächster Eintrag wird wahrscheinlich etwas farbiger gestaltet werden, ich habe ein
paar Fotos gemacht, die ich euch aufkeinenfall vorenthalten möchte.

Bis dahin, euer „Mr. Bendikti“, „Mr. Beni“ oder „Mzungu“


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