Huch! Das ging schnell! Die erste Hälfte des Semesters ist geschafft! In Deutschland freue ich mich irgendwie mehr darüber. Für mein Semester in Südafrika heißt das allerdings, dass schon fast die Hälfte meiner Zeit hier abgelaufen ist. Und die verging wie im Flug.

Der südafrikanische Student wird für das Bestehen eines halben Semesters schon mit einer Woche Ferien belohnt. Schon vor 3 Monaten bekam ich die Empfehlung eines einheimischen Freundes, diese Woche für einen Roadtrip auf der Garden Route zu nutzen. Mag man als stolzer Werner Bürger bei der direkten Übersetzung vielleicht daran denken, dass dies eine Straße ist, an der die wunderschönsten Vorgärten Südafrikas liegen, irrt man. Zum Glück. Als Garden Route wird die Küstenregion zwischen Hermanus im Western Cape und Port Elizabeth im Eastern Cape bezeichnet.

Die 2500km, die unser Mietwagen hinterher anzeigt, und neun Tage planen wir mit insgesamt fünf Studenten. Um alle Orte detailliert zu beschreiben fehlt mir hier die Geduld. Deshalb im Folgenden unsere grobe Route und ein paar Eindrücke aus dem schönsten Land der Welt.

 

Stellenbosch – Hermanus

Natürlich starten wir in unserem Wohnort. Nach einigem Hin und Her mit verschiedenen Autovermietungen haben wir endlich einen neuwertigen Toyota Corolla mit großem Kofferraum ergattert. Bombenwetter, Musik an, Fenster runter. Wie viel besser kann ein Roadtrip starten? Schon nach den ersten 30km halten wir an der Straße, um die Aussicht über Gordon’s Bay zu genießen. Wir sehen den ersten Seehund aus der Ferne. Nach einigen wundervollen Kilometern auf der Küstenstraße kommen wir nachmittags in Hermanus an. Unser erstes Hostel kann sich wirklich sehen lassen. Großes Zimmer, Pool, Billard, Bar und ein kleines Lagerfeuer. Das beeindruckt zwar für ca. 9,50€ die Nacht, interessiert aber im ersten Moment kaum, denn wir wollten Wale sehen. Hermanus ist die Walhauptstadt und hat seinen gesamten Tourismus darauf ausgerichtet. Wir haben kaum das Auto an der Küste geparkt, schon sehen wir die erste Flosse aus dem Meer ragen. Viel näher heran traut sich Free Willy aber nicht (obwohl wir hier nicht von Orcas, sondern vom Southern Right Whale sprechen).

 

Hermanus – Swellendam

Die nächste Station nach Hermanus ist zunächst Cape Agulhas, der südlichste Punkt Südafrikas (nein – nicht das Kap der Guten Hoffnung 😉 ). Der Grund aus dem wir dorthin gefahren sind: Dort gewesen zu sein. Denn wirklich spektakulär ist der Ort nicht. Deshalb aussteigen, Foto machen, einsteigen, weiterfahren.

Swellendam ist ein sehr schönes Örtchen, doch leider ist dort der Hund begraben. Ein Großteil des Ortes besteht aus Ferienhäusern, die um diese Jahreszeit noch leer stehen. Wir wohnen in einer Adventure Lodge. Sehr schön, grün und ruhig gelegen; das Abenteuer finden wir leider nicht. Für fünf Studenten nicht wirklich das richtige an einem Samstag Abend, dennoch haben wir unseren Spaß in der lokalen Kneipe. Außerdem gehen wir nachmittags in den sehr schönen Wäldern wandern und haben ein sehr gutes Abendessen , weswegen wir so oder so gut schlafen können.

 

Swellendam – Knysna

Unser nächstes Mittagessen genießen wir in Mossel Bay in einer eher alternativen Strandbar namens Kaai 4, mitten im Industriehafen. Hier wird den ganzen Tag gebraait, der hungrige Student sucht sich nur das Fleisch aus und es wird zubereitet. Für  mich gibt es ein überbackenes Tomatenbrot. Hört sich langweilig an, aber das Brot ist selbst gemacht, das Aroma durch das Holzfeuer sehr würzig und warum auch immer gibt es Blumenkohl  und Süßkartoffelbrei dazu. Inklusive Getränk bezahle ich ungefähr 2,50€. Und das direkt am Meer. Unglaublich.

Unsere Betten für diese Nacht stehen in einem Backpackers in der Lagunenstadt Knysna. Auch in Knysna ist um diese Jahreszeit nicht allzuviel los. Nach einen sehr guten Dinner in einem sehr guten Fischrestaurant fallen wir bald in unsere Betten. In diesem Ort hätte ich gern noch etwas mehr Zeit verbracht, denn er hat landschaftlich sehr viel zu bieten. Leider lässt unsere Zeitplanung das nicht zu. Man ist ja immer noch deutsch genug.

 

Knysna – Port Elizabeth

Auf unserem Weg zum Ziel der Garden Route fahren wir wieder mal an den schönsten Stränden entlang. Die Jungs spielen in Plettenberg Bay am Strand Fußball, ich genieße einen Kaffee und einen kleinen Moment Ruhe in einem kleinen, versteckten Café. Unser nächster Halt sind Jeffreys Bay und Paradise Beach. In einer dortigen Tapas Bar gibt es zwar keine Tapas, dafür aber Austern. Und meine Cannelloni mit Ricotta und Spinat stellen sich als Mikrowellen-Essen heraus. Der Koch hat sich noch nicht mal die Mühe gemacht, die Plastikverpackung zu entfernen. Vegetarier sind halt nicht die größte Zielgruppe südafrikanischer Restaurants.

PE selbst ist keine schöne Stadt. Auch, wenn unser nächstes Hostel sogar Balkon mit Meerblick hat, dominiert die Autobahn das Stadtbild. Abends gehen wir in die Stanley Street, eine kleine Ansammlung von Restarants und Bars an einem Hang mit toller Aussicht über PE bei Nacht. Wir lernen Südafrikaner und dank ihnen lokale Getränke kennen und verbringen einen tollen Abend.

 

Addo Elephant National Park

Endlich lassen sich alle afrikanischen Klischees in die Realität umsetzen. Eine Lodge mit Reetdach, eine Fahrt auf eigene Faust durch den Nationalpark, Elefanten, Springbocks, Kudus, Paviane, Erdmännchen und Büffel. Immerhin haben wir 2 der Big Five gesehen, wobei ich demnächst einen Antrag darauf stellen werde, die Big Five zu Big Six zu erweitern, da die Spinnen, die mit uns in der Lodge übernachtet haben, wirklich groß genug sind, um mit Büffel und Elefant mithalten zu können.

Addo stellt auch unser Bergfest dar. Nun treten wir den Rückweg an. Zunächst bleiben wir aber noch eine Nacht in PE und gehen wieder in die Stanley Street. Da für den Rückweg noch gar nichts geplant ist, überlegen wir am nächsten Morgen spontan, wohin es gehen soll. Das Wetter ist unglaublich, über 20 Grad, blauer Himmel. Wir entschließen und dazu, dieses Wetter am Strand auszunutzen. Nachmittags geht es dann weiter.

 

Tsitsikamma – Oudtshoorn

Der Tsitsikamma National Park ist einer der schönsten, die ich bis jetzt gesehen habe. Eine traumhafte Kanutour auf dem Stormsriver in einer Felsschlucht ist das Highlight der Reise. Zumindest für mich, denn meine Begleiter springen nur 1 Stunde später von der höchsten Bungee-Brücke der Welt 216 Meter in die Tiefe. Als geübter Angsthase schaue ich dabei aber lieber nur zu.

Abends erreichen wir Oudtshoorn, die Straußenstadt. Am nächsten Morgen gibt es deshalb Straußen-Rührei zum Frühstück und wir fahren auf eine Straußenfarm. Dort reite ich tatsächlich auf einem Strauß. Zumindest ca. 20 Meter, denn die Tiere sind unglaublich schnell und ich lande etwas unsanft auf dem Boden. Eigentlich wollen wir noch den ganzen letzten Tag in Oudtshoorn verbringen, doch einer meiner Begleiter bekommt die Magen-Darm-Grippe, die momentan hier herumgeht, weshalb wir auf direktem Weg nach Hause fahren. Dieser Weg führt uns durch die Kleine Karoo, eine Halbwüste, mit unglaublich tollem, weitläufigem Panorama.

 

Mein Fazit nach dieser Reise – Das mache ich nochmal! Da ich nun realisiert habe, dass meine wertvolle Zeit hier viel zu schnell vorbei sein wird, wird die Uni in Zukunft etwas vernachlässigt, um noch mehr vom Land zu sehen als eh schon geplant. Dadurch lerne ich eh viel mehr als an meinem Schreibtisch.

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Über die Autorin/den Autor:  Während meines Studiums an der FH Münster mache ich ein Auslandssemester von Juli bis Dezember in Stellenbosch, im schönen Westkap in Südafrika. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: