01.09.2013

Niatia!

Heute ist Sonntag, das heißt: Ab in die Kirche! Also machten wir uns fast pünktlich um 10:00 Uhr (afrikanischer Zeit, also eher halb 11) auf den Weg zu einem im Dorf stattfindenden Gottesdienst. Natürlich in unserer besten und saubersten Kleidung. Nach der gestrigen Erfahrung in der Kirche, die wir auf unserer Wanderung gesehen hatten, war die Vorfreude natürlich riesig.

Die erste Hälfte des Gottesdienstes war auch sehr interessant. Zwar sprang niemand durch die Gegend, doch zumindest wurde viel gesungen und zu einigen Liedern gab es sogar eine kleine Choreographie. Doch nach etwa einer halben Stunde fing unsere Gastmutter an zu predigen. Und hörte für mindestens 45 Minuten auch nicht mehr damit auf! Da wir von ihren Worten nicht ein Einziges verstanden und Dennis nicht alles übersetzen konnte, zog es sich sehr in die Länge  und die Augen wurden schwer.

Die einzige Ablenkung war der Kameramann, der den gesamten Gottesdienst filmte und uns regelrecht verfolgte. Das Video wurde auf einer Leinwand vorne in der Kirche gezeigt, sodass auch im hinteren Bereich Jeder sehen konnte, was geschah. Dabei zoomte er besonders gerne an uns heran, sodass unsere Gesichter die Leinwand füllten. Wir versuchten, uns so gut wie möglich hinter den weiter vorne sitzenden Personen zu verstecken.

Nach einigen weiteren Predigten oder Reden auf Kikuyu unterbrach eine Art Auktion die Messe. Mitten in der Kirche wurden viele Arten von Obst und Gemüse und sogar lebendige Hühner versteigert. Außerdem wurden Kinder aus der Sonntagsschule nach vorne gerufen und gaben dem Priester Geld. Dieser verkündete den Betrag laut, was für uns sehr befremdlich war, da wir dachten, es handle sich um Spenden. Rose erklärte uns jedoch später, dass die Kinder während der Woche Geld für die Gemeinde sammeln.

Nach diesem Teil kam jeder nach vorne, um eine Spende in einen Kasten zu tun. Auf dem Weg zurück zu unserem Platz verließen wir die Kirche vorzeitig (nach drei Stunden), da wir einen guten Eindruck gewonnen hatten und unsere Geschwister außerdem Hunger hatten.

Nach dem Lunch waren wir alle sehr müde von dem langen Gottesdienst und so schliefen wir für eine Weile, bevor wir Mädchen – teilweise unter Beobachtung unserer Geschwister und deren Freunde – unsere dreckige Kleidung in einer Schüssel wuschen. Dies funktionierte unerwarteterweise recht gut, sodass nun alles zum Trocknen im Garten hängt.

Am frühen Abend machten wir uns noch auf zum Haus der Jungs, wo ihre Schwester Rose zusammen mit einer Freundin versuchte, unsere Haare zu flechten. Zu Beginn gab es einige Schwierigkeiten, da unsere Haare anscheinend zu weich für die typischen Rastas sind. Bei den Kenianern halten diese nämlich ohne jegliche Hilfsmittel wie Spangen. Nach etwas Rumprobieren gelang es den beiden Mädchen aber letztendlich sehr gut und wir fühlten uns ein Stück mehr als  Kenianer. Die Jungs hatten sehr viel Spaß an der Aktion und machten fleißig Fotos 🙂 Wir lockten mit unserem Gelächter auch noch viele weitere Kinder an, die gespannt beim Flechten zusahen.

Wieder zuhause sprachen wir noch lange mit unserem Vater über Kulturunterschiede zwischen Deutschland und Kenia. Nun verstanden wir auch besser, warum die Kinder uns erzählten, dass Geld das Wichtigste für sie ist: Wir wussten, dass du ohne Geld  in Kenia kein Essen hast, kein Dach über dem Kopf, keine Schulbildung für deine Kinder – nichts. Der Vater stammt jedoch selbst aus einer armen Familie und hatte durch ein privates Stipendium das Glück eine gute Bildung zu erfahren. Deswegen weiß er, wie wichtig eine gute Bildung und somit ein guter Job zum Geldverdienen ist. Hier beginnt morgen nämlich die Schule.

Also: Genießt eure letzten Ferientage!

Liebe Grüße,

Maike und Katharina


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