Optisch schon Europameister

Kurz vor der Abreise zur ersten Station des Grand Prix nach Italien, lud unsere Trikotsponsor ‚Gerry Weber’ das Team noch zu einem besonderen Termin ein. In einer Filiale in Berlin wurden die Spielerinnen mit einem EM-Outfit ausgestattet, um die Sportkleidung außerhalb des Courts mit einem modischen Dress wechseln zu können. Eine Idee, über die sich die modebewussten Spielerinnen sehr freuten. Aufgrund des sehr vollen Terminkalenders war es aber vorher nicht möglich gewesen das genaue Maß jeder Spielerinnen für das ausgewählte Dress zu nehmen, der Partner hatte somit anhand von Größentabellen das Outfit vorbereitet. Damit folgte das Problem, welches die meisten Spielerinnen beim Kleiderkauf nahezu immer haben: Das wirklich Passende finden ist eine große Herausforderung! Entweder es passt etwas in der Länge, dann aber nicht in der Breite oder umgekehrt! Ergo hatten die Maßschneiderinnen vor Ort viel Arbeit vor sich: Die eine Hose musste ausgetauscht, die Andere gekürzt werden. Die Blusen und Blazer kleiner oder enger und, und, und…

Nach mehr als einer Stunde Anproben und Änderungen waren dann alle Spielerinnen bereit für das Teamfoto – mal nicht in Sportkleidung. Für alle Beteiligten und durchaus positiver, wenn auch ungewohnter Anblick. Die ‚Gefahr‘, die aber besteht wenn jungen Frauen längere Zeit in einem Modehaus unterwegs sind bzw. warten sollen, wurde bei diesem Termin auch zur Realität. So fanden die Spielerinnen in der Filiale das ein oder andere Kleidungsstück, was ebenfalls gut gefiel und am Ende hatte das Team ein Alternative-Outfit, sogar passend in Deutschland-Farben, zusammengestellt. Schwarze Lederjacke, über der weißen Bluse ein gelber Schal, dazu eine rote Jeans. Man(n) musste zugeben, dass die Spielerinnen in Sachen Auswahl und Präsentation auch abseits des Volleyball-Courts eine gute Figur machten. So freute sich der Partner am Ende der Aktion sehr über das Ergebnis: „Optisch sind wir auf jeden Fall schon Europameister!“

Einen Tag später folgte die Abreise nach Italien. Auch wenn man denkt, man hat in den letzten Jahren und bei all den Flügen schon (fast) alles mitgemacht, so erlebt man doch immer wieder neue Dinge – rund um die Flugreisen. So geschehen beim Zwischenstopp von Berlin nach Verona in Frankfurt. Zwischen der Landung und dem nächsten Abflug lagen mehr als 90 Minuten. Eigentlich genug Zeit. Nicht aber, wenn man zum nächsten Gate gefühlt einige Kilometer durch Terminals laufen muss. Dazu waren einige Hinweisschilder fälschlicherweise auch noch spiegelverkehrt angebracht worden. Das Resultat: Einige Richtungswechsel und Denksportaufgaben machten die Gatesuche zu einer kleinen Schnitzeljagd. Am besten kam man aber zurecht, wenn man die Abbildungen der Flugzeuge wieder richtig umwandelte und aus dem ‚Absturz’ des Fliegers wieder einen Start kreierte. So erreichte unser Team nach einem langen Marsch dann noch ‚auf die Minute’ das passenden Gate und dachte wenig später im Flieger sitzend, nun könne die Reise ja endlich ‚normal’ weitergehen. Falsch gedacht! Zwar rollte das Flugzeug zwar pünktlich Richtung Startbahn, anstatt dann aber abzuheben, fuhr der Flieger stolze 20 Minuten mit uns über das Flugfeld. Die passenden Frage der Spielerinnen mit einem großen Grinsen im Gesicht folgte prompt: „Gehen oder fahren wir nun nach Verona!? Fliegen ja offensichtlich nicht mehr!“

In Italien angekommen – und das tatsächlich doch noch fliegend – bereiten wir uns nun in Montichiari auf die ersten drei Spiele des Grand Prix gegen Argentinien, Kasachstan und Gastgeber Italien vor. Danach geht es dann zum zweiten Turnierwochenende nach Polen, wieder mit einem Zwischenstopp am Frankfurter Flughafen. Mal sehen, ob bis dahin die Flugzeuge auf den Wegweisern auch startend zu sehen sind…!?


Über die Autorin/den Autor:  Der Halveraner Matthias Willnat betreut die Deutsche Volleyball-Frauen-Nationalmannschaft als Teammanager auf dem Weg zur Europameisterschaft, die im September im eigenen Land stattfindet. Für come-on.de führt Willnat ein Tagebuch der Ereignisse. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: