3:1 gegen Kasachstan, 2.3 gegen Argentinien und 1:3 gegen Italien – das ist die Bilanz der ersten Grand-Prix-Runde in Italien. Zugegeben, gerade mit Blick auf die mögliche Qualifikation für die Finalrunde hatten wir uns ein besseres Abschneiden gewünscht. Vor allem die Niederlage gegen Argentinien war eine Überraschung – und das nicht im positiven Sinne. Aber das macht Sport und seinen Reiz aus: Wenn das eigentlich bessere Team keinen guten, der Außenseiter dafür aber einen sehr guten Tage erwischt, kann es zu Überraschungsergebnissen kommen. Für uns bedeutet das, in der nächsten Runde in Polen gegen den Gastgeber, Japan und erneut Kasachstan möglichst viele (klare) Siege zu schaffen, um weiterhin die Chance zu haben, Ende August in Japan im Grand-Prix-Finale zu stehen.

Leider hatten der Ausgang der ersten Runde und die Weiterreise eine große Gemeinsamkeit – beides beinhaltete eine negative Überraschung für uns. Der Plan war, am Montagmorgen aus Italien – über Frankfurt – nach Warschau zu fliegen. Inklusive anschließenden Bustransfers sollten wir am frühen Nachmittag im Hotel eintreffen und so den Rest des Tages zu Regeneration nutzen können. Soweit die Theorie. Bereits am Flughafen in Verona deutete sich an, dass die Praxis ganz anders aussehen würde. Die Maschine nach Frankfurt war überbucht, es sollte zunächst nur ein Teil des Teams mitfliegen können. Dazu die üblichen Gepäckdiskussionen sowie Probleme wegen des Anschlussfluges. Nach mehr als zwei Stunden an Diskussionen hatten wir zumindest erreicht, dass das gesamte Team mitfliegen durfte und unser Gepäck direkt nach Warschau durchgecheckt werden sollte. Doch kaum saßen wir in der Maschine, wartete das nächste Hindernis. Das Flugzeug hatte „technische Probleme“, und so dauerte es über eine Stunde länger, bis wir abfliegen konnten. In Frankfurt eilten wir entsprechend hektisch durch die Terminals, um erst die neuen Bordkarten zu bekommen und dann auf die letzte Minute den Flieger nach Warschau zu erreichen. Dort saßen wir erschöpft in den Sitzen und durften beobachten, wie unsere Koffer zum Flugzeug gebracht wurden – um kurz vor dem Start wieder weggefahren zu werden. In Warschau angekommen war der erste Gang somit zum „Lost and Found“-Schalter, wo das Service-Personal erst nach mehrfachem Nachfragen wirklich realisierte, dass ich nicht einen oder zwei, sondern 25 große Koffer als fehlend melden wollte. In den nächsten Stunden mussten zahllose Anträge ausgefüllt, Telefonate und Diskussionen geführt werden oder man wartete einfach auf die nächste Maschine aus Frankfurt, in der Hoffnung, dass dort die vermissten Gepäckstücke dabei sein würden. Fünf Stunden später als geplant verließen wir dann mit einem Hauptteil des nachgelieferten Gepäcks den Flughafen Richtung Hotel.

Statt am frühen Nachmittag, trafen wir so erst gegen 21 Uhr in unserer Unterkunft ein. Der Rest des Abends bestand dann darin, für all diejenigen, deren Gepäck noch nicht geliefert worden war, das Nötigste zu organisieren – von der Zahnbürste, über den Schlafanzug bis bin zu neuer Kleidung für den nächsten Tag. Wahrscheinlich freute sich niemand so sehr wie ich, als am nächsten Mittag das letzte fehlende Gepäckstück nachgeliefert wurde und ich eine außergewöhnliche Bilanz schließen konnte: 12 Stunden Reisezeit, 25 Gepäckstücke vermisst und erst nach rund 36 Stunden das Equipment wieder vollständig zusammen. Wenn man jetzt bedenkt, dass diese Reise „nur“ von Italien nach Polen ging, mag ich gar nicht daran zu denken, was uns alles beim nächsten Flug nach Thailand erwarten könnte.


Über die Autorin/den Autor:  Der Halveraner Matthias Willnat betreut die Deutsche Volleyball-Frauen-Nationalmannschaft als Teammanager auf dem Weg zur Europameisterschaft, die im September im eigenen Land stattfindet. Für come-on.de führt Willnat ein Tagebuch der Ereignisse. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: