Momentan bemerke ich, dass ich zum Studieren in Afrika bin und nicht um Urlaub zu machen. Auch, wenn ich nur wenige Stunden in der Uni sitze, muss ich doch einiges vor- und nachbereiten. Was wirklich schade ist, wenn man bedenkt, dass man am Schreibtisch sitzt obwohl man so viele andere Dinge tun könnte.

Am meisten beanspruchen dabei aber die interkulturellen Gruppenarbeiten. Zwar hat mein Professor in Deutschland das schon erwähnt, aber die Praxis stellt man sich ja doch anders vor. Dass vor allem eine Gruppenarbeit bei mir nur schleppend vorwärts kommt, liegt wohl am unterschiedlichen Notensystem. In Südafrika bekommt man für eine gute, durchschnittliche bis überdurchschnittliche Leistung nämlich ca. 65% als Note, was nicht schlecht ist. Doch für einen in Münster geprägten Deutschen sind 65% fast nur die Hälfte der zu erreichenden Punkte, die Häfte sind 50%, 50% heißt durchgefallen. Will man also nur knapp bestehen? Natürlich  nicht. Zumindest aus deutscher Sicht, weshalb es deutliche Unterschiede in Anspruch und Motivation gibt. Doch bis wir diesen Unterschied festgestellt haben, hat es eine Zeit gedauert. So langsam haben wir uns eingearbeitet und wir Deutschen versuchen, mal nicht ganz so deutsch zu sein.

Eine andere Form von Unterricht in einem meiner Kurse verdanken wir der Kursgröße von sechs Studenten. Unsere Dozentin nutzt diesen Vorteil, um uns Stellenbosch aus ihrer Sicht näherzubringen. Das bedeutet, dass wir uns jeden Dienstag in einem anderen, wunderschönen Café von Stellenbosch wiederfinden, zuerst ein wenig über die Geschichte der Lokalität reden und dann unseren eigentlichen Themen nachgehen. Dazu ist unsere Dozentin unglaublich liebenswert, bringt uns manchmal afrikanisch Spezialitäten mit, heute war es unglaublich süßes, gedrehtes Gebäck namens Koeksisters (wörtlich übersetzt:  Kuchenschwestern) und Milktarts, und erzählt uns viel über mögliche Ausflugsziele. So gibt sie uns wertvolles Südafrika-Wissen für die kommenden Tage mit auf den Weg, an denen ich hoffentlich nicht mehr so viel Zeit am Schreibtisch verbringen muss.


Über die Autorin/den Autor:  Während meines Studiums an der FH Münster mache ich ein Auslandssemester von Juli bis Dezember in Stellenbosch, im schönen Westkap in Südafrika. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: