Nach dem erfolgreichen Abschluss der European League standen – seit dem Saisonstart am 24. Mai zum ersten Mal – einige freien Tage auf dem Programm. Wobei „frei“ immer einen Sache des Blickwinkels ist, aber dazu später mehr.
Auf jeden Fall gab es für das gesamte Team in der vergangenen Woche etwas Urlaub. Wenn man sich darüber mit Leuten unterhält, die nicht genau mitbekommen haben, wie meine Wochen jüngst ausgesehen haben, sind die Reaktionen sehr ähnlich: „Urlaub? Schön! Was hast Du gebucht? Wohin geht es?“ Meine Antwort darauf ist immer gleich: „Du meinst, Koffer packen, zum Flughafen fahren, Check-In, Sicherheitskontrollen, lange im Flugzeug sitzen, dann ins Hotel, auspacken…und nach wenigen Tagen das ganze Prozedere noch mal von vorne? Stimmt, davon hatte ich bislang zu wenig. Darauf habe ich große Lust!“ Ironie-Modus aus…

Nach der vergangenen Zeit – und bei dem, was noch kommt – kann ich jedenfalls voller Überzeugung sagen: Urlaubsreise – nein, danke! Wenn man so viel unterwegs ist, quasi keine vier Nächte am Stück im selben Bett bzw. Land übernachtet, dann werden ganz alltägliche Dinge zum echten Luxus: Zeit mit Familie und Freunden verbringen, länger schlafen, ohne dass man danach kein Frühstück mehr bekommt, im Schlafanzug auf dem Balkon einen Kaffee trinken, in Ruhe die Zeitung lesen, zu Fuß in die Stadt gehen, mal keine Sport- bzw. Dienstkleidung tragen müssen, die Ruhe und natürliche Umgebung der Heimat genießen – vor allem bei diesem völlig atypischen warmen und sonnigen Wetter in Halver…und, und, und!

So wurden die wenigen freien Tage in der Heimat zu echter Erholung. Wobei so richtig frei die Zeiteinteilung dann doch nicht war. Fast tägliche Telefonate mit dem Bundestrainer, Spielerinnen oder dem Verband über die Organisation der nächsten Phase standen an. Dazu zahlreiche Mails, die beantwortet werden wollten sowie ein Besuchstermin in Halle/Westfalen. Dort organisiere ich mit den Verantwortlichen vor Ort bereits unsere Unterbringung während der EM-Vor- und (hoffentlich) Zwischenrunde. Alles in allem verschlangen diese ganzen Vorbereitungen die Hälfte der „freien“ Zeit. Nicht optimal, aber man ist ja schon mit kleinen Dingen zufrieden.

Die Zeit in der Heimat gehört nun aber schon wieder der Vergangenheit an. Aktuell befinden wir uns schon erneut im Trainingslager in Kienbaum, bevor dann Ende des Monats der Grand Prix startet. Der Grand Prix ist, ähnlich wie die European League, eine Turnierserie – diesmal aber global ausgerichtet, mit den besten Teams der Welt. Dabei spielen wir die Vorrunden in Italien, Polen und Thailand. Sollte hierbei die Qualifikation für die Finalrunde gelingen, geht es Ende August nach Japan. Davor gäbe es dann aber noch einmal wenige freie Tage zum Durchatmen. Fest steht erneut, dass ich sicherlich keine Urlaubsreise buchen werden…


Über die Autorin/den Autor:  Der Halveraner Matthias Willnat betreut die Deutsche Volleyball-Frauen-Nationalmannschaft als Teammanager auf dem Weg zur Europameisterschaft, die im September im eigenen Land stattfindet. Für come-on.de führt Willnat ein Tagebuch der Ereignisse. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: