Nach vier intensiven Wochen mit zwölf Spielen in vier verschiedenen Ländern stand am Wochenende der Abschluss der European League (EL) an. Im „Final Four“ erwarteten uns in Varna/Bulgarien zwei echte Endspiele. Im Halbfinale war Gastgeber Bulgarien der Gegner. Mit einer starken Leistung gewannen wir das Match ebenso klar wie verdient mit 3:0 und realisierten damit gleichzeitig das erste Saisonziel. Denn: Die beiden Endspiel-Teilnehmer sind automatisch für das Welt-Turnier (Grand Prix) 2014 qualifiziert. Im Finale wartete dann ein alter Bekannter – Belgien. Gegen den Nachbarn hatten wir in der Vorrunde bereits viermal gespielt und dabei je zweimal gewonnen und verloren. Und auch das Endspiel wurde zu einer engen Angelegenheit. Nach 1:2-Satzrückstand entschied unser Team mit viel Einsatz einen echten „Krimi“ noch für sich. 3:2 hieß es am Ende des Finales.

Auch wenn diese EL nicht der Saisonhöhepunkt ist, so war der Jubel über den Turniersieg dennoch groß. Schließlich war es der erste Titel für die Deutsche Frauen-Nationalmannschaft seit 1987. Als Lohn für diesen Erfolg bekamen wir die EL-Goldmedaille überreicht und den Siegerpokal. Und damit begann eine einmalige Rückreise nach Deutschland…
Da das Finale vor einigen Wochen um zwei Tage nach hinten verlegt worden war, musste die Rückreise kurzfristig umgeplant werden. Statt des eigentlich gebuchten Direktfluges nach Deutschland standen die Flugetappen Varna – Sofia – München – Frankfurt auf dem Programm. Also dreimal Check-In und noch mehr Sicherheitskontrollen. Zwar sind wir für unsere Reisen, was das Teamgepäck angeht, auf fast alle Situationen vorbereitet, bei dieser Rückreise stellte sich jedoch die Premieren-Frage: Wie den Pokal sicher nach Deutschland transportieren? Überlegungen, die knapp 50 Zentimeter hohe Trophäe in eine der Reisetaschen zu packen und dann als normales Gepäck aufzugeben, wurden schnell verworfen. Zu groß und zu schwer war der silberne „Pott“ und richtig geschützt auf diese Weise auch nicht. Am Ende aller Gedankenspiele entschied ich mich dafür, den Pokal als „Handgepäck“ mitzunehmen.

Eine Entscheidung mit Folgen für die gesamte Reise. Ab der Abreise vom Hotel in Varna bis zur Übergabe in der Geschäftsstelle des Deutschen Volleyball-Verbandes in Frankfurt nahm ich die Trophäe wortwörtlich „an die Hand“. Unterschiedlichste Reaktionen unterwegs inklusive. Vom interessierten Check-In-Mitarbeiter, der unser Endspiel im Fernsehen gesehen hatte, viel darüber wissen wollte und den Check-In in die Länge zog, über sehr irritierte Sicherheitsbeamten, denen ich den Silberpott zum „Durchleuchten“ übergab, über die erfreuten Piloten, die den Pokal – inklusive seines Trägers – zur Ansicht ins Cockpit baten, bis hin zu vielen Mitreisenden, die Gratulationen aussprachen und immer wieder um Fotos baten, war alles dabei. Es wurde eine ruhelose und herausfordernde Rückreise. Aber an diesen Umständen, die solch ein silberner Begleiter mit sich bringt, tragen wir ja selbst „Schuld“. Und das sehr gerne!

Alle Mühen und die viele Arbeit auf und neben dem Court in den vergangenen Wochen haben sich jedenfalls gelohnt. Ich bin um eine Erfahrung reicher und werde für die EM überlegen, wie sich der Transport einer größeren Siegestrophäe weiter optimieren lässt.


Über die Autorin/den Autor:  Der Halveraner Matthias Willnat betreut die Deutsche Volleyball-Frauen-Nationalmannschaft als Teammanager auf dem Weg zur Europameisterschaft, die im September im eigenen Land stattfindet. Für come-on.de führt Willnat ein Tagebuch der Ereignisse. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: