Während der Sommer immer noch auf sich warten lässt und die Temperaturen hier in Deutschland meist unter 13 Grad liegen, möchte man am liebsten an einem wärmeren Ort sein. Da freut man sich doch, wenn man auf Klassenfahrt nach England fährt. Und dann auch noch in den warmen Westen, nach Bristol. Nichts gegen Bristol, welches bestimmt eine tolle Stadt ist – sei es für Kultur oder auch für Partys. Doch bin ich skeptisch, was das Wetter anbelangt, vor allem, wenn es hier schon so herbstlich anmutet.

In der vergangenen Woche ist es losgegangen, von Dienstagabend bis Sonntag. Alle drei Jahrgänge des Abendgymnasiums sind dabei, sogar der Abiturjahrgang, von dem fast alle mitfahren. Insgesamt sind wir knapp mehr als 30 Leute, inklusive drei Lehrer.

Nicht die zehn Stunden Fahrt haben mir Sorgen gemacht, und auch das Wetter ist mit ordentlichen Klamotten zu bewältigen. Aber das Programm, welches wir zusammengestellt hatten, führte zu ein paar Meckereien.

Im Laufe der Planung, wie man die Zeit am besten nutzt, bildeten sich zwei Gruppen. Die eine Gruppe wollte eher mehr Kultur und Museen, die andere eher Freizeit und Party. Ich kann beide Gruppen verstehen, vor allem, wenn man bedenkt, dass bei mehr als 30 Leuten, die alle im Schnitt Mitte Zwanzig sind, ein paar von ihnen den Fokus auf andere Dinge legen, als sich den ganzen Tag mit Städtetouren die Zeit zu vertreiben oder bei eventuell schlechtem Wetter 40 Kilometer auf dem Rad zurückzulegen. Am Ende wurde ein Kompromiss zwischen Freizeit und Kultur gefunden, und es versprach, lustig zu werden.

Das letzte Mal habe ich von Daniela erzählt und wie sie viele Dinge mit ihrer Schwester gemeinsam hat. Vor allem möchte ich von dem Ehrgeiz erzählen der beide Schwestern ausmacht.

Marina ist 21 Jahre alt und die kleinere Schwester. Da ich selbst der Kleine von zwei Brüdern bin, weiß ich, wie das so ist in einem Geschwisterpaar. Sie ist etwas sprunghafter und extrovertierter als Daniela, aber dennoch vernünftig. Sie teilt Danielas Begeisterung für Mathematik und war die unangefochtene Nummer eins in unserem Lateinkurs.

2009 begann Marina die Ausbildung zur Industriemechatronikerin, und im Sommer 2011 begann sie, zusammen mit mir, die Abendschule. Das heißt, sie beendete die Ausbildung erst am Anfang diesen Jahres. Das Erstaunliche ist, dass sie die Abendschule neben der Ausbildung durchzog. Wobei sich die Ergebnisse der Ausbildung und der Abendschule sehen lassen können. Das alles ging zu Lasten ihrer Freizeit und teilweise auch ihres Privatlebens.

Als im Herbst vergangenen Jahres die Prüfungsphase ihrer Ausbildung begann, merkte man es Marina schon an – auch an den Noten, welche im Schnitt um eine Note nach unten gingen. Sie erzählte mir, dass der Stress, den sie zu der Zeit hatte, um das Dreifache intensiver war als gewohnt. Da konnte man schon mal für zwei Wochen nicht einkaufen gehen.

Die Ausbildung ist beendet, sie arbeitet wieder normal und kann sich nun auf die letzten Züge ihres Fachabiturs vorbereiten. Doch auch der normale Alltag von Arbeit und Abendschule ist nicht leicht. Viel Freizeit bleibt da kaum, der Haushalt wird am Wochenende erledigt. Auch ist sie sehr dankbar dafür, dass ihr Chef viel Verständnis zeigt und sie des öfteren unterstützt. Wenn sie die letzten Monate an der Abendschule so durchzieht wie bisher, dann wird das mit dem Techniker, welchen sie nach dem Fachabi machen möchte, kein Problem werden.

Viel Motivation erhält sie durch Daniela, ihrer große Schwester, da die beiden sich gegenseitig anstacheln und motivieren. Beide erzählten mir, dass es viel ausmacht und man dabei auch weniger blau macht, weil sie zusammen zur Schule fahren. Und jeder, der Geschwister hat, weiß, wie es immer einen kleinen Kampf gibt, wer schneller ist, höher springen kann oder vielleicht auch nur wegen einer besseren Note in einer Matheklausur.

Es war sehr interessant, die Beiden zu erleben und kennenzulernen – mit all ihren Unterschieden und ihren Gemeinsamkeiten.


Über die Autorin/den Autor:  Der Lüdenscheider Thomas Köhler ist 25 Jahre alt und gelernter Krankenpfleger. Er arbeitet im Klinikum Lüdenscheid. Während der nächsten drei Jahre will er das Abendgymnasium Lüdenscheid, eine Außenstelle des Hagener Rahel-Varnhagen-Kollegs, besuchen – außer in den Schulferien an fünf Abenden pro Woche. Den Lesern unserer Zeitung wird Thomas Köhler in regelmäßigen Abständen – etwa einmal monatlich – erzählen, wie es ihm und seiner Klasse dabei ergeht. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: