Nur noch 99 Tage, dann treten wir (endlich) in Halle/Westfalen zum 
ersten Match ,unserer' EM an -- ab jetzt läuft der Countdown also ganz 
konkret. Nun gut, "nur noch" ist relativ und noch etwas entfernt, aber 
wir merken jetzt schon deutlich, wie die Vorfreude auf dieses Highlight 
bei uns steigt. Nach Monaten der Planungen und Vorbereitungen hat nun am 
Samstag die Vorbereitungsphase begonnen. Jetzt geht es Schritt für 
Schritt dem Ziel entgegen, im eigenen Land (hoffentlich) eine Medaille 
zu holen!

Im Olympiastützpunkt in Heidelberg haben wir uns zum Saisonstart 
getroffen. Doch anders als sonst ist hierzu nur ein Teil des aktuellen 
24er-Kaders angereist. Unser Bundestrainer, Giovanni Guidetti, will die 
ersten Wochen nutzen, um mit jungen Spielerinnen zu arbeiten und ihnen 
die Möglichkeit zu geben, auf hohem Niveau Spielpraxis zu sammeln. So 
sind wir am Montag mit dem gefühlt jüngsten Kader nach Montreux/Schweiz
gereist, mit dem wir hier bei den "Volley Masters" je angetreten sind. 
Das Durchschnittsalter liegt gerade mal bei 23 Jahren, vier der zwöf 
Spielerinnen haben noch kein einziges Länderspiel für die 
A-Nationalmannschaft absolviert. Wenn man dann bedenkt, dass wir in der 
Vorrunde des Turniers auf Gegner wie den Olympia-Dritten Japan und den 
Weltranglisten-Vierten Italien treffen, ist das eine echte 
Herausforderung für unser junges Team. Ich bin gespannt, wie das Turnier
für uns verlaufen wird. Wobei die Resultate hier für uns nicht oberste 
Priorität haben. Niemand erwartet vom jungen Team in Montreux, wo zum 
Beispiel noch Teams wie Olympiasieger Brasilien und Weltmeister Russland 
mitspielen, sensationelle Ergebnisse oder ein Platz auf dem 
Siegertreppchen. Wichtig ist allein zu sehen, wer von den jungen 
Spielerinnen den Sprung in den 14er-Kader für die EM schaffen und damit 
helfen kann, unser EM-Ziel -- Edelmetall -- zu erreichen.

Für dieses Ziel hat der Deutsche Volleyball-Verband zusammen mit uns als
Betreuerstab der Nationalmannschaft in den letzten Monaten alles 
Erdenkliche durchdacht, geplant und organisiert. Herausgekommen ist eine 
Saison, die wir so noch nie hatten. Angefangen mit dem Turnier in 
Montreux folgen die Teilnahme an der European League (im Juni + Juli) 
und am Grand Prix (im August), bevor wir dann am 6. September zum ersten 
EM-Spiel gegen Spanien antreten. Somit stehen für uns bis dahin neben 
unzähligen Trainingseinheiten noch mehr als 20 Spiele in mindestens 
sechs Ländern bevor. Für mich persönlich bedeutet das, seit letztem 
Samstag bis -- hoffentlich -- zum 14. September (denn dann wäre das 
EM-Finale in Berlin) mit dem Team nahezu jeden Tag unterwegs zu sein.
Bei diesem umfangreichen Programm, bei dem wir innerhalb und außerhalb 
von Deutschland fast jeden vierten Tag das Quartier wechseln, habe ich 
mich jetzt schon auf die möglichen ,Nebenwirkungen' eingestellt. Diese 
habe ich bereits in der letzten Saison erlebt, in diesem Jahr dürfte die
,Dosis' aber noch stärker werden: Eines Morgens in einem Hotel 
aufzuwachen und im ersten Moment nicht zu wissen, wo man gerade ist!? 
Serbien? Israel? Polen? Thailand? Oder doch Berlin!? Wie gut, dass 
solche verwirrenden Momente nur von kurzer Dauer sind. Sollte ich dann 
eines Morgens realisieren, dass es Berlin ist, dann sind wir unserem 
großen Saisonziel schon sehr nahe. Bekommen wir am 14. September 
wirklich eine Medaille überreicht, wäre dieser Zustand für mich 
sicherlich auch etwas verwirrend, ich bräuchte Zeit, um das alles 
einzuordnen. Aber gegen diese etwas andere Art der ,Nebenwirkungen' 
dieser speziellen Saison, hätte ich dann sicherlich nichts
einzuwenden...

Über die Autorin/den Autor:  Der Halveraner Matthias Willnat betreut die Deutsche Volleyball-Frauen-Nationalmannschaft als Teammanager auf dem Weg zur Europameisterschaft, die im September im eigenen Land stattfindet. Für come-on.de führt Willnat ein Tagebuch der Ereignisse. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: