„Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam…“, „O Tannenbaum, o Tannenbaum“, „Habt ihr’s schon gewusst, habt ihr’s schon gehört? Weihnachten ist leise, alles Laute stört …“ all diese Melodien und Liedtexte schwirren Tag für Tag in meinem Kopf herum und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich sie leise vor mich hin summe. Die Zeit rund um Weihnachten ist jedes Jahr etwas ganz besonderes, aber noch nie hab ich sie so intensiv empfunden wie in den vergangenen vier Wochen. „In der Kinderheilstätte ist es gar unmöglich nicht in Weihnachtsstimmung zu kommen“, dieser Satz war immer wieder in Gesprächen von mir und meinen Mit-Bundesfreiwilligendienstlern (BFDlern) zu hören und er ist einfach nur wahr. Alles was man mit der Adventszeit verbindet war fester Bestandteil der Arbeit in der Maximilian-Kolbe-Schule (MKS) und dem Wohnheim. Den Anfang machte schon die Projektwoche Ende November. Die Berufspraxisstufe der MKS, also auch die 13c, meine Klasse, arbeitete an Verkaufsstücken für den Lüdinghausener Weihnachtsmarkt. Holzengel in groß und klein, dick und dünn, Kerzenständer aus Metall, Weihnachtskarten, Schals, Wichtel und noch vieles mehr wurden mit viel Liebe zum Detail gefertigt. Zusammen mit einem Teil meiner Klasse sorgte ich in dieser Zeit für den süßen Geruch auf den Schulfluren. Plätzchen backen war unsere Aufgabe, Dose für Dose füllte sich und zum Schluss zogen wir mit einem Wagen voller Plätzchentüten durch alle Gebäude der Kinderheilstätte und brachten unsere Leckereien an den Mann beziehungsweise eher an die Bewohner, Schüler, Lehrer, Betreuer und Verwaltungsangestellten. Ganz im Ernst, so viele Plätzchen hab ich noch nie zuvor in der Weihnachtszeit in den Ofen geschoben. Ich weiß gar nicht genau wie viele Dosen es nun waren, aber das Wichtigste war ja auch, dass die Kekse richtig lecker waren und ja, das waren sie! Naja, aber das ist bei weitem noch nicht das Einzige, was die Adventszeit in Nordkirchen ausmacht: Basteln und Malen für die passende Klassenraumdekoration, eine Schneelandschaft an unserer Fensterfront, einen Adventskalender vorbereiten, der an jedem Tag eine kleine Überraschung für jeden Schüler bereit hält und einen Adventskranz aus Einmachgläsern, Farbe, Kerzen und Tannenzweigen gestalten. Es macht unglaublich viel Spaß zusammen mit den Schülern und Bewohnern dem 24. Dezember entgegen zu fiebern und die Adventszeit zu genießen. Besonders das wöchentlich stattfindende Adventssingen mit der gesamten Berufspraxisstufe bereitete mir eine enorme Freude. Weihnachtslieder singen ging in den letzten Jahren für mich immer mehr verloren, doch in der MKS kam man am Singen aller bekannten Lieder gar nicht vorbei. Man merkte aber auch wie sehr die vorweihnachtliche Zeit die Kinder und Jugendlichen zunehmend nervös machte und alle etwas aufdrehten, aus meiner Perspektive nun oftmals sehr anstrengend, aber mir ging es vor einigen Jahren doch vermutlich genauso vor lauter Neugierde auf Heiligabend und den bevorstehenden Jahreswechsel. Die Höhepunkte der Vorweihnachtszeit in Nordkirchen liegen aber vor allem in der letzten Schulwoche: mit insgesamt sechs Schülern besuchten wir am Mittwoch, dem vorletzten Schultag, den Weihnachtsmarkt in Dortmund, zogen durch die Innenstadt, guckten uns die vielen Stände an und kauften noch das eine oder andere Weihnachtsgeschenk. Ich fand es toll mit den Schülern auch mal raus zu kommen, etwas außerhalb der Schule zu unternehmen. Den Nachmittag durfte ich schon einen vorgezogenen Heiligabend auf der Wohngruppe erleben. Mit allen Mitarbeitern und Bewohnern fand die Weihnachtsfeier der „WG Sandmännchen“ statt. Neben einem typischen Weihnachtsessen, bestehend aus Rouladen, Klößen und Rotkohl, veranstalteten wir auch eine Bescherung für die zehn Bewohner. Ganz aufgeregt saßen die kleineren und größeren Bewohner vor der verschlossenen Wohnzimmertür und warteten darauf sich an den Weihnachtsbaum begeben zu dürfen. Einer nach dem Anderen erhielt sein Geschenk, das ganz individuell für jeden Bewohner ausgesucht wurde und mit einem Strahlen in den Augen öffneten sie das Geschenkpapier. Es ist wunderbar zu sehen, wie sehr sie sich über ihre Geschenke freuen und mit welcher Faszination und Hingabe jedes Kind das Geschenk direkt ausprobiert, beispielsweise schoss die Eine direkt Fotos mit der neuen Digitalkamera und den Nächsten zog es sofort raus an die frische Luft, um das neue Fahrrad auszuprobieren. Am letzten Schultag genossen wir dann noch einmal alle zusammen die Weihnachtszeit mit einem ausgiebigen Brunch, der keine Wünsche offen ließ. Der perfekte Abschluss vor Ferienbeginn! Jeder Schule bekam eine Plätzchentüte mit lieben Weihnachtswünschen mit nach Hause und auch unter den Kollegen wurden ein paar Kleinigkeiten ausgetauscht. Beim Verlassen von Haus 3 der MKS hörte man überall nur die Rufe „Frohe Weihnachten“, „Hab tolle Ferien“, „Bis in zwei Wochen“; ich freue mich nun so sehr auf das Weihnachtsfest zu Hause. Doch genauso freue ich mich auch schon wieder auf den Schulbeginn am 7. Januar, denn wenn ich so darüber nachdenke, wie schön die Adventszeit in der Kinderheilstätte war, wird mir auch klar, wie sehr mir meine Schüler, Bewohner und Kollegen ans Herz gewachsen sind und wie viel Freude mir die Arbeit bereitet. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr 2013.


Über die Autorin/den Autor:  WA-Mitarbeiterin Kathi Schachler verbringt ein Soziales Jahr in der Kinderheilstätte in Nordkirchen. Sie berichtet über ihre Erfahrungen im WA-Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: