Als ich zu Beginn der Schulzeit hörte, dass unsere Abdeckung der zweiten Fremdsprache Latein sein wird, hatte ich fast Albträume. Eine tote Sprache, von niemanden mehr gesprochen. Eine Katastrophe für mich, da ich Sprachen am besten lerne, wenn ich mich mit jemandem unterhalten kann oder sie in Liedern und Filmen höre.
Latein hat keine Sprachdynamik oder Ästhetik. Auch ein Schrecken für mich, da es so keine einprägsame Literatur oder Lyrik gibt. Ein Buch, verfasst in der lateinischen Sprache, liest sich wie ein Beipackzettel.
Die ersten Stunden waren, wie erwartet, sehr frustrierend und ermüdend. Was vielleicht auch daran gelegen haben mag, dass es zu der Zeit um 19 Uhr dunkel wurde und man sowieso immer müde war. Von Vorfreude konnte ich da nicht reden.
Das Jahr geht zu Ende, und somit auch der Lateinunterricht. Die Abdeckung der zweiten Fremdsprache läuft über die ersten drei Semester und ist dann vorbei. Sofern man eine gute Note hat und das Fach somit besteht. Und entgegen unserer Erwartungen hat es der gesamte Kurs geschafft, und das mit Noten, die uns mehr als zufriedenstellen. War Latein also doch nicht so schlimm?
Doch, das war es. Aber wir hatten Frau Pauli, unsere Lateinlehrerin. Für mich eine der besten Lehrerinnen, die man in einem solch drögen Fach bekommen kann. Sie schaffte die Balance zwischen der Strenge, die so ein Fach wie Latein benötigt, und Spaß, welchen man auch braucht, um nicht das Handtuch zu schmeißen.
Im Nachhinein war es gar nicht so schlimm, wie ich zwischendurch immer dachte. Trotzdem werde ich nun nicht den „goldenen Esel“ von Apuleius im Original lesen können, aber wenigstens die lateinischen Schriften an antiken Denkmälern und Bauwerken kann ich nun entziffern, was mir doch Freude bereitet.
Ungewöhnlich ist übrigens, dass wir zwei neue Mitschüler begrüßen können: Jan und Woyciek. Die beiden kommen von der Hauptstelle in Hagen zu uns an das Abendgymnasium nach Lüdenscheid. Ungewöhnlich aber auch nur, da wir die Hälfte des ersten Semesters haben und man für gewöhnlich zu Semsterbeginn neue Mitschüler begrüßt. Was mich aber nicht stört. Die beiden sind lustig und umgänglich, also passen sie gut in unsere Klasse.
Und dank Milo (ihn werde ich beim nächstes Mal im Interview vorstellen) können wir uns vor den Ferien noch auf eine Weihnachtsfeier des gesamten Abendgymnasiums freuen. Er hat es geschafft, fast das gesamte Abendgymnasium zu überreden, Schüler wie Lehrer. Was um einiges besser ist als letztes Jahr, wo wir uns frierend über den Dortmunder Weihnachtsmarkt drängten.


Über die Autorin/den Autor:  Der Lüdenscheider Thomas Köhler ist 25 Jahre alt und gelernter Krankenpfleger. Er arbeitet im Klinikum Lüdenscheid. Während der nächsten drei Jahre will er das Abendgymnasium Lüdenscheid, eine Außenstelle des Hagener Rahel-Varnhagen-Kollegs, besuchen – außer in den Schulferien an fünf Abenden pro Woche. Den Lesern unserer Zeitung wird Thomas Köhler in regelmäßigen Abständen – etwa einmal monatlich – erzählen, wie es ihm und seiner Klasse dabei ergeht. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: