,,Thanksgiving – DAS amerikanische Erntedankfest“, und ich durfte dabei
sein.Thanksgiving ist in den Vereinigten Staaten das wichtigste

Familienfest im Jahreskreis – viele Familienmitglieder von weit her
kommen zusammen, um dies gemeinsam mit uns zu feiern. Das Fest greift
tief auf eine Begebenheit in der Vergangenheit zurück. Die Hälfte der
Pilgerväter, die im Hebst des Jahres 1620 von England aus nach Amerika
segelten, starb nach einem ersten harten Winter und wandten sich danach
hilfesuchend den benachbarten Indianerstämmen zu, die ihnen zeigten,
wie man einheimische Pflanzen anbaut. Die reiche Ernte des folgenden
Jahres veranlasste die Pilgrims ein Erntedankfest zu feiern, was nun zu

einer großen amerikanischen Tradition geworden ist, die man hier hier
in den USA immer am vierten Donnerstag im November festlich begeht.
Nachdem ganzen theoretischen Kram, will ich euch jetzt von meinen
eigenen Erfahrungen erzählen!

Die ganze Familie von überall her ist zu uns gekommen und jeder hat
etwas zu Essen mitgebracht. Meine Gasteltern haben ganz traditionell
einen Truthahn (10 kg) zubereitet mit einer Füllung aus getrocknetem
Weißbrot und Fleisch. Dazu gab es allerlei Gemüse und natürlich ebenso
ganz traditionell mashed potatoes (Kartoffelbrei) und Gravy (Soße). Es
war köstlich, und diesmal galt nicht die altbekannte Regel „man hört
auf wenn man satt ist“, sondern man isst solange bis nichts mehr geht.
Nachdem wir uns also alle den Bauch buchstäblich vollgeschlagen hatten
und jeder bis zum Rand voll war haben wir Karten gespielt und uns über
alte Zeiten unterhalten. So ein richtiges Familienfest eben.

Um meiner Familie zu Hause wenigstens einen kleinen Einblick zu
gewähren, haben wir alle mit meinem Vater, meinem Bruder und meiner Oma
geskypt (meine Mutter war leider mit Freundinnen auf einem Konzert…).
Jeder hat sich riesig gefreut, auch wenn es mit der Kommunikation nicht
immer so ganz leicht war und ich dann hier und da als Übersetzerin
helfen musste. Sogar meine Oma hat meine Gastoma gesehen, was ich
klasse fand. Alle waren fasziniert von der Technologie und dass so
etwas heute möglich ist. Danach gab es den an Thanksgiving
obligatorischen Kürbiskuchen mit Vanilleeis. Hmmmh, das war so lecker!
Aber ich möchte nicht wissen, wie viele Kalorien ich an diesem Tag zu
mir genommen habe…

Direkt nachdem alle Gäste gegangen sind, haben meine Gastmutter und ich
angefangen das Haus weihnachtlich zu dekorieren. In Amerika ist nämlich
unmittelbar nach Thanksgiving der Startzeitpunkt für die
Weihnachtszeit. Im Radio laufen nur noch Weihnachtslieder und auf den
Straßen und in den Einkaufscentern dekorieren die Leute und alles sieht
so schön gemütlich aus. Für mich als großer Weihnachtsfan natürlich
genau das richtige – es ist meine Lieblingszeit im Jahr.

Am Tag nach Thanksgiving sind wir dann unseren Weihnachtsbaum holen
gefahren. Wir haben eine Säge und einen Plan in die Hand gedrückt
bekommen, auf dem wir ablesen konnten, wo wir welche Tannen finden
können. Für mich war alles so wie im Film. Wir haben unseren Baum
ausgesucht, ihn selber abgesägt, ihn bezahlt und oben auf das Dach
unseres Autos geklemmt. Jetzt am Wochenende beginnen wir, ihn zu
dekorieren. Ich kann gar nicht mehr abwarten, bis es dann wirklich
soweit ist, wenn ich das erste Türchen vom Adventskalender, den mir
meine Eltern aus Deutschland geschickt haben, öffnen kann…


Über die Autorin/den Autor:  Ein Jahr besucht Hannah Keyen aus dem Werler Stadtteil Büderich im US-Bundesstaat Connecticut die Highschool, lebt eine Autostunde von New York entfernt bei Gasteltern. Von ihren Erlebnissen in Amerika berichtet die 15-jährige Schülerin im Anzeiger-Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: