Schon einen Monat – 4 Wochen – über 20 Arbeitstage bin ich nun in der Kinderheilstätte Nordkirchen. Ich merke zwar jeden Tag wie anstrengend die Arbeit ist, aber trotzdem komme ich eigentlich immer mit einem Lächeln im Gesicht aus dem Schulgebäude. Mir ist bereits nach der kurzen Zeit klar, dass dieses Jahr eine einmalige Möglichkeit für mich ist, so viel zu lernen und es in keinem Fall eine Zeitverschwendung ist, weil ich nicht sofort studieren gehe und möglicherweise nächstes Jahr die Probleme des Doppeljahrganges zu spüren bekomme. Wenn nicht jetzt, wann dann? Nach einem Studium steigt man sofort ins Berufsleben ein, also ist jetzt doch wohl die beste Möglichkeit um sich sozial zu engagieren, freiwillig solch ein Jahr zu machen und einiges im Umgang mit Menschen zu lernen. Es macht mir so unglaublich viel Spaß zusammen im Team aus Sonderpädagogen, Integrationshelfern und Erziehern mit den behinderten Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Mittlerweile, nach knapp drei Schulwochen hat sich alles eingependelt und ich fühle mich wie ein Teil der Kinderheilstätte. Man geht über die Gänge, jeder kennt einen, zu welcher Klasse man gehört und überall grüßt man die Leute, wird gegrüßt und wird in Gespräche verwickelt. Was gibt es schöneres als dieses Zugehörigkeitsgefühl?! Selbst für die Kinder bin ich kein fremdes Gesicht mehr und viele werfen mir ein Lächeln zu und rufen ein lockeres „Hi!“. Eine Gruppe von elf Schülern mit drei Lehrern und zwei Integrationshelfern ist meine Klasse für dieses Jahr. Ich bin noch einmal in der 13, schon irgendwie witzig, genau der Jahrgang, den ich gerade hinter mir hab, mach ich nun noch einmal mit. Man könnte sich beinahe wie in einer Klasse einer Regelschule vorkommen und nicht wie in einer Förderschule, der Maximilian-Kolbe-Schule. Alle Schüler sind sehr fit und selbstständig, keine Rollstuhlfahrer, wie sie viele der anderen BFDler haben. Aber im Lern- und Sozialverhalten wird einem schnell der Unterschied zu meiner Schullaufbahn bewusst und auch praktische Hilfsmittel, wie der „Talker“ gehören zu meinem Alltag. Die Schüler lernen jeden Tag verschiedene Aufgaben des alltäglichen Lebens zu übernehmen – Tisch decken, Fegen usw und viele praktische Arbeiten prägen meine Tagesabläufe. In der sogenannten Berufspraxisstufe gehört für mich in diesem Jahr viel Backen, Nähen, Stricken und Werken mit Metall dazu – ich muss gestehen, viele Dinge, die mir vorher fremd waren und besonders für Nähen und Stricken konnte man mich nie begeistern, aber es kann doch auch sehr viel Spaß machen. Aktuell lern ich auch die andere Seite des Schullebens kennen, die mir vorher unbekannte Position der Lehrperson. Natürlich erfordert es auch so einiges an Geduld die Schüler bei ihren Aufgaben zu unterstützen, besonders wenn es um für mich selbstverständliche Dinge wie das Addieren und Subtrahieren oder Rechtschreibung geht, diese Schritt für Schritt durchzugehen und einzelne Fehler zu besprechen. Es bereitet mir ungemeine Freude, wenn man sieht, dass diese Dinge dann nach einigen Wiederholungen immer besser funktionieren und verstanden werden. Ich muss gestehen, dass ich mich aber auch noch an die eine oder andere für mich schwierige Situation gewöhnen muss: sich bei den „Kids“ den nötigen Respekt zu verschaffen und mit einem rauen Ton mal durchzusetzen, wenn es nötig ist. Um halb vier ist die Schule für uns alle geschafft, erleichtert und erschöpft geht man zum Auto und freut sich auf was Leckeres zu essen zu Hause und einfach mal eine kurze Pause einzulegen bevor meine privaten Aktivitäten starten. Jeden Donnerstag geht’s für mich direkt nach Schulschluss noch weiter auf die Wohngruppe – diese habe ich in der vergangenen Woche gewechselt. Ich bin nun nicht mehr der Intensivgruppe im Wohnheim zugeordnet, sondern arbeite ab sofort im Team der „Sandmännchen“ mit. Es war mein Wunsch, mehr mit Schwerstbehinderten und Rollifahrern zu arbeiten, um die Pflegetätigkeiten besser kennen zu lernen. Denn meine Ansicht ist es einfach: Wenn ich nun schon dieses Jahr nutze, um meine Berufswahl zu überprüfen, möchte ich auch die Arbeit mit Behinderten in jeder Hinsicht kennen lernen. Das Team ist super und auch die Kinder haben mich herzlich in der letzten Woche aufgenommen und den Nachmittag mit mir verbracht. Ich bin einfach mal gespannt wie sich das noch so entwickelt, denn bisher hab ich nur einen Nachmittag auf dieser Gruppe verbracht und eine Betreuerin bei ihrer Arbeit begleitet, mit einer Bewohnerin einen Apfelkuchen gebacken und beim Abendessen zusammen mit allen am Tisch gesessen. Ich glaube es ist nicht zu überhören, ich bin begeistert von meiner Entscheidung in Nordkirchen zu arbeiten! Ich kann jedem nur nahe legen: Wenn ihr die Chance bekommt solch ein Jahr zu machen und euch für die soziale Tätigkeit interessiert, solltet ihr es unbedingt tun. Leider hab ich nur noch sehr wenig Zeit und schaffe es deswegen auch nicht immer direkt in meinen Blog zu schreiben.


Über die Autorin/den Autor:  WA-Mitarbeiterin Kathi Schachler verbringt ein Soziales Jahr in der Kinderheilstätte in Nordkirchen. Sie berichtet über ihre Erfahrungen im WA-Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: