An meiner Schule sind noch zwei weitere Austauschschülerinnen, eine aus
Spanien und die andere kommt aus Finnland. Es ist total spannend für
mich die amerikanische, die spanische und die finnische Kultur kennen
zu lernen. Hier prallt alles aufeinander und irgendwie beginne ich,
über unsere eigene deutsche Kultur nachzudenken, was eigentlich Jahre
lang total normal für mich war.

Es fängt schon mit den gewöhnlichten Sachen an. In Deutschland zum
Bespiel habe ich fast immer meine Zimmertür geschlossen. Oder wenn
Gäste gekommen sind, war immer die Badezimmertür immer zu. Hier in
Amerika haben sie grundsätzlich alle Türen auf und schließen sie nur,
wenn sie sich umziehen oder absolut ihre Ruhe haben wollen. Hier wird
es als unfreundlich empfunden, wenn man die Tür schließt. Meine
Gasteltern haben mich nach meiner ersten Woche hier gefragt, warum ich
denn andauernd die Badezimmertür schließen würde… Ich musste erstmal
überlegen warum ich das gemacht habe, weil es für mich das normalste
der Welt war, aber dann erklärte ich, dass es in Deutschland ganz
normal ist, dass man die Badezimmertür schließt und alle anderen Türen,
und dass das nichts zu bedeuten hat. Von diesem Zeitpunkt an habe ich
immer meine Türen aufgelassen um keine falschen oder missverständlichen
Signale zu senden!

Ein weiterer kultureller Unterschied ist, dass viele hier auch sehr
kurze Wege mit dem Auto fahren. Das Benzin ist hier viel günstiger als
bei uns. Ich war es aus Deutschland gewohnt, dass ich jeden Tag mit dem
Fahrrad zur Schule gefahren bin oder kleinere Sachen immer mit dem
Fahrrad erledigt habe. Hier fahren alle ausschließlich Auto und ich
habe das Gefühl, dass die das hier lieben! Wenn mich mein Gastvater von
der Schule abholt und wir noch einkaufen müssen, wäre es total
praktisch und ein Weg, wenn wir direkt danach zum Supermarkt fahren
würden. Aber wir fahren lieber noch einmal nach Hause, essen und
trinken vielleicht noch etwas und fahren dann wieder los.

Und das Fahrrad wird hier nicht als Fortbewegungsmittel, sondern nur
als Sportgerät genutzt. Ich bin schon seit vier Wochen nicht mehr mit
dem Fahrrad gefahren und fange echt an, es zu vermissen!


Über die Autorin/den Autor:  Ein Jahr besucht Hannah Keyen aus dem Werler Stadtteil Büderich im US-Bundesstaat Connecticut die Highschool, lebt eine Autostunde von New York entfernt bei Gasteltern. Von ihren Erlebnissen in Amerika berichtet die 15-jährige Schülerin im Anzeiger-Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: