Und wieder ist eine Woche um. Kaum zu glauben, dabei wollte ich eigentlich gleich am Montag etwas über das Erntefest am vergangenen Sonntag schreiben. Habe getrödelt wie immer, also wird das jetzt nachgeholt.

Während des Festes hatte ich nicht die ganze Zeit über zu tun, schön war es aber trotzdem. Nachdem ich dem Kaltblut Olka Zöpfe geflochten hatte, konnte ich mich anderthalb Stunden lang auf dem Gelände des Freilichtmuseums umsehen, da meine Chefin Monika erst um zwölf mit dem Brotbacken anfangen wollte. Ich glaube, um zwölf wurde die Veranstaltung offiziell eröffnet, denn um diese Zeit fand auch der festliche Umzug mit Olka statt, an dem einige Politiker teilnahmen.

Doch Teile des Programms begannen bereits früher, sodass ich mich nicht neunzig Minuten lang langweilen musste. Wie zu erwarten gewesen war, gab es einen Markt, auf dem Produkte aus der Region angeboten wurden. Außerdem waren Gruppen von Bauernhöfen, aus anderen Museen oder Vereinen da, die kunstvoll aus Heu geformte Figuren präsentierten und dazu Volksmusik zu Besten gaben. In jede Skulptur war ein Brot eingearbeitet, auf dem etwas wie „Erntedank 2012“ stand. Anscheinend wurden abschließend die besten Skulpturen ausgezeichnet.

Leider habe ich von diesem ganzen Spektakel keine Fotos gemacht, ebenso wenig von Olka. Den Umzug habe ich noch nicht mal mitbekommen, da Monika und ich inzwischen mit dem Backen angefangen hatten. Und zwar auf die mittelalterliche Methode in der Rekonstruktion eines Lehmofens. Dazu haben wir Schüsselchen mit Kohl ausgelegt, bevor der Teig hinein gegeben wurde. Die primitive Form des Backpapiers. Finde ich eigentlich ziemlich genial.

Was dann mit den Schüsseln geschah, kann sich wohl jeder denken: Abgedeckt kamen sie in den Ofen direkt ans Holzfeuer. Danach hieß es erst mal warten, so ungefähr vierzig Minuten. Manchmal mussten lediglich die Kohlblätter ausgetauscht werden, wenn diese drohten zu verkohlen. Zwischendurch kamen Besucher vorbei, ließen sich von Monika erklären, was wir da taten, und gingen weiter, um Korn zu dreschen oder Mehl zu mahlen.

Das Wetter war übrigens recht stürmisch und kalt, aber mit einer Strumpfhose, einer Leggings, einem langen Trachtenrock  , drei Pullis, meiner Regenjacke (die immer noch nach Rauch riecht) und einem um den Kopf geschlungenen Schal war es nicht so schlimm.

Die vergangenen Tage wurden wieder wärmer. Glücklicherweise auch überwiegend trocken, denn wir haben vier Tage lang Kartoffeln geerntet. Jetzt sind wir fertig (hier sollte ein Ausruf stehen, der gleichermaßen Zufriedenheit, Freude, Stolz und ein bisschen Erleichterung ausdrückt, aber „Juchuh“ wirkt ausgeschrieben irgendwie leicht albern)! Ich habe leichten Muskelkater, vor allem in den Oberschenkeln, obwohl wir jeden Tag bloß etwa zwei bis drei Stunden bei der Ernte verbracht haben. Es ist schon anstrengend, sich die ganze Zeit zu bücken und volle Eimer zu tragen. Jedenfalls bedaure ich die Kinder, die diese Arbeit früher zwei Wochen lang den ganzen Tag verrichten mussten.

Egal, gerade haben Helena und ich welche von den Kartoffeln aus dem Skansen (dem Museum) gegessen. Selbst gesammelt und bloß mit Pferdemist gedüngt gleich doppelt so lecker wie Knollen aus dem Supermarkt.

 


Über die Autorin/den Autor:  Nachdem ich dieses Jahr mein Abitur am Märkischen Gymnasium gemacht habe, beginne ich diesen Sommer einen Freiwilligendienst in einem Freilichtmuseum in Olsztynek, einem Ort im Nordosten Polens neben Olsztyn (dem ehemaligen Allenstein). Entsendeorganisation ist Pax Christi. Keine Sekte, sondern eine internationale Friedensbewegung. Aus Versöhnungsbestrebungen nach dem zweiten Weltkrieg entstanden, entsendet sie seit 1992 junge Menschen nach Osteuropa. http://pax-christi-aachen.kibac.de/seiten/index.html http://muzeumolsztynek.com.pl Alle Beiträge der Autorin/des Autors: