Leider bin ich in den letzten Wochen nicht dazu gekommen zu schreiben und hatte so wie so keinen guten Internetzugang. Jetzt bin ich allerdings wieder zu Hause. Meine achtwöchige Vorbereitungszeit auf meinen Freiwilligendienst, die aus Seminaren, einem Sprachkurs und dem Kennenlernen meiner zukünftigen Arbeit bestand, ist um.

 

Alles aus Salz

In unserer letzten Woche in Krakau haben wir uns noch einige Sehenswürdigkeiten angeschaut, die sich man angeblich nicht entgehen lassen sollte. Für mich bildet rückblickend unser Besuch der Salzmienen in Wieliczka  den Mittelpunkt der Woche. Zum Einen, da dies in der Zeit unser größter Ausflug war, zum anderen, weil wir tatsächlich am Mttwoch „hinagestiegen sind ins Reich der Finsternis“ (wie komme ich denn jetzt darauf?). Außerdem fand der Ausflug an Stelle unseres Sprachkurses statt, da Mariäfimmelfahrt war. Anlässlich dieses Festes haben wir also die Arbeit ruhen lassen. Unsere Lehrerin Pani Agata hat uns dafür begleitet.

In den Mienen wurde, wenn ich mich recht erinnere, seit dem 13. Jahrhundert Salz abgebaut. Die Stollen wirklich ausschließlich aus Salz: Decke, Boden und Wände. Es gibt Skulpturen, die aus eben diesem Mineral gehauen sind, und sogar eine unterirdische Kirche in 70 (?) Metern Tiefe. All dies wurde wohl nicht extra für die Touristen erschaffen, sondern von den Arbeitern gefertigt. Vielleicht hatten die Langeweile. Oder sie wollten einfach bloß ihren Heilien und Idolen huldigen. Ich weiß es nicht.

 

Pferde und Kühe und Schafe und so

Ziemlich schnell nahte danach schon der Tag unserer Abreise. Am Samstag verteilten sich die Mitglieder unserer WG auf verschiedenste polnische Städte, um eine Woche lang von unseren Vorgängern eingearbeitet zu werden. Ich habe in den Tagen, die ich im Freilichtmuseum war, zwar noch nicht besonders viel mithelfen müssen, aber ich wurde ausgiebig herumgeführt. Das von Feldern und Wald umgebene Gelände ist wirklich sehr schön. Es gibt eine Vielzahl volkstümlicher Gebäude aus dem ehemaligen Ostpreußen, in denen man einen Einblick in das ländliche Leben in den letzten paar hundert Jahren erhalten kann. Außerdem Züchtet das Museum alte, seltene polnische Rassen. So laufen einem schon mal Hühner mit federlosem Hals über den Weg. Neben mehreren Kaninchenarten, Kühen, Truthähnen, Ziegen und Schafen gibt es zwei Pferderassen: Schwere Kaltblüter (fragt mich jetzt nicht nach dem Namen) und polnische Koniks, die von Tarpanen, europäischen Wildpferden, abstammen.

Ich bin begeistert! Das meine ich ernst, auch wenn die Überschrift dieses Abschnitts vielleicht anderes vermuten lässt. Auf die Frage, in welchem Bereich ich besonders gerne arbeiten würde, habe ich geantwortet „mit Tieren“ (obwohl ich mich auch auf die anderen Aufgabenfelder freue). Das scheint kein Problem zu sein. Mein Vorgänger Kevin meinte sogar, immer wenn er gerade keine Lust auf Büroarbeit gehabt habe oder ihm langweilig gewesen sei, sei er einfach nach draußen gegangen und habe sich beispielsweise den Pferden gewidmet.

Übrigens: Das vor wenigen Wochen geborene Kalb heißt „Kotlet“, eins der Pferde „Patelnia“. Das heißt „Pfanne“. Tomek, der sich um die Tiere kümmert, scheint ein ziemlicher Pferdenarr zu sein, aber er hat einen leicht schrägen Humor. Sehr sympathisch auf jeden Fall, genau so wie seine Frau Monika, die ebenfalls im Museum arbeitet. Es freut mich, dass ich mit den beiden wohl am meisten zu tun haben werde, und dass im Büro eine entspannte, fast familiäre Atmosphäre herrscht.

Olsztyn, wo ich wohnen werde, gefällt mir genau so gut. Die Stadt ist zwar kleiner als Hamm, hat aber eine sehr hübsche Altstadt, viele individuelle Kneipen und offensichtlich ein großes Kulturangebot. Auf der Stadtfläche gibt es mehr als elf Seen und viel Wald, wo man bestimmt schön spazieren gehen kann.

Nach diesen ganzen positiven Eindrücken hatte ich, muss ich gestehen, kaum noch Lust auf eine weitere Seminarwoche und eine Hospitation in einem Freilichtmuseum in Kommern. Na ja, die Vorbereitungszeit ist verpflichtend, ich konnte mich nicht drücken. Also auf in ein Selbstversorgerhaus im belgischen Eupen. Letztendlich hatten wir dann doch unseren Spaß, vor allem da man all die anderen Freiwilligen, die nach Osteuropa entsandt werden, wiedersah.

Letztendlich war auch meine Hospitation interessant, wenn auch ermüdend. Schließlich musste ich ein paar Tage lang den Bus um halb sieben Uhr morgens nehmen, um von Bad Münstereifel, wo ich bei Lorenz‘ Familie wohnte, nach Kommern zu gelangen. Zum Glück hat mich ein Föj-ler (einer, der im Freilichtmuseum ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert 😉 ) einen Großteil der strecke mitgenommen, sonst hätte ich um sechs Uhr los gemusst. Bis vier Uhr nachmittags durfte ich dann beim Ausmisten, beim Füttern der Tiere, beim Zusammenkehren von Gras, kleineren Reparaturen und ähnlichem helfen.

 

Leerlauf

Das vergangene Wochenende bildete daraufhin den Abschluss unserer Vorbereitungsphase: Wir waren bei der Bistumsversammlung dabei, auf der wir im Rahmen eines kleinen Festes offiziell entsandt wurden.

Und nun? Der Countdown läuft, in wenigen Tagen beginnt mein Jahr in Polen richtig. Bis Freitagabend bin ich noch in Hamm, dann nehme ich den Bus nach Olsztyn. Nach den letzten Wochen plötzlich keinen genau festgelegten Tagesablauf mehr zu haben ist irgendwie ein seltsames Gefühl. Heute habe ich überwiegend halbherzig gefaulenzt. Das ist typisch für mich: Ich will den Tag genießen, aber auch irgendetwas erleben. Gleichzeitig weiß ich, dass ich noch ein paar Dinge zu erledigen habe, wozu ich mich überhaupt nicht aufraffen will. Die Gedanken daran verderben mir leicht die Laune, weshalb ich alles, was annähernd an Arbeit erinnern könnte, vor mir herschiebe. Was jedoch dazu führt, dass ich mich nicht vollkommen entspannen kann.

Tja, immerhin habe ich jetzt diesen Eintrag geschrieben, ich hoffe man merkt ihm die Halbherzigkeit, mit der ich mich ihm gewidmet habe, nicht allzu sehr an. Vielleicht wäre es eine gute Idee, noch eine weitere halbe Stunde produktiv zu sein und die Fahrtkosten der letzten beiden Monate abzurechen. Also schön, soll sich das phantastische Wetter, das zum Fenter hereinschaut, gefälligst noch ein wenig gedulden. Ich klebe eben noch ein paar Tickets auf und fülle Formulare aus, dann hat es mich wieder.


Über die Autorin/den Autor:  Nachdem ich dieses Jahr mein Abitur am Märkischen Gymnasium gemacht habe, beginne ich diesen Sommer einen Freiwilligendienst in einem Freilichtmuseum in Olsztynek, einem Ort im Nordosten Polens neben Olsztyn (dem ehemaligen Allenstein). Entsendeorganisation ist Pax Christi. Keine Sekte, sondern eine internationale Friedensbewegung. Aus Versöhnungsbestrebungen nach dem zweiten Weltkrieg entstanden, entsendet sie seit 1992 junge Menschen nach Osteuropa. http://pax-christi-aachen.kibac.de/seiten/index.html http://muzeumolsztynek.com.pl Alle Beiträge der Autorin/des Autors: