10. Folge: Das erste Schuljahr ist geschafft / Fünf Kommilitonen nicht
mehr dabei

Von Thomas Köhler

Als mir vor einem Jahr gesagt wurde: „Die ersten beiden Semester
vergehen wie im Flug“ , habe ich das natürlich geglaubt. Aber so
schnell? Das mag jetzt kitschig klingen, aber es war, als sei es erst
gestern gewesen, als ich mit der Schule anfing. Und es kommt mir nicht
nur so vor, weil das Wetter genau so schlecht war wie heute. Ich glaube,
es ist auch so, weil ich wirklich kaum Zeit hatte, um es ganz zu
erfassen und zu betrachten, wie schnell man sich von Klausur zu Klausur,
von Thema zu Thema und von Semester zu Semester arbeitet. Das war etwas,
was ich sehr schnell merkte: Es ist wirklich sehr anstrengend.
Es mag immer alles sehr einfach geklungen haben hier in den Texten. Doch
war es das nicht immer. Auch wenn das Wetter nicht so gut war, war man
versucht, einen Abend pro Woche mal nicht hinzugehen, eine Stunde später
oder eher zu gehen. Der Zeitaufwand ist anstrengend, das kann man nicht
schönreden, doch ist es mir das definitiv wert.
Wir haben vor einem Jahr mit achtundzwanzig Leuten das Schuljahr
begonnen, und nun sind wir – nach den Sommerferien – noch
dreiundzwanzig. Die Gründe waren unterschiedlich. Der eine hatte keine
Zeit und keine Lust mehr; ein anderer realisierte nach einem halben
Jahr, dass er doch schon sein Fachabitur hatte und nun eigentlich
umsonst mit uns die Schulbank drückte. Andere kamen mit dem Druck nicht
klar und waren am Ende doch überfordert. Es ist schade, dass manche weg
sind, doch so ist es in der Schule leider. Die verbleibenden Schüler in
unserer Klasse sind aber motivierter denn je, denn im nächsten Schuljahr
fängt der ernste und entscheidende Teil an. Die Hauptphase, oder auch
H-Phase.
Das Ende des Schuljahrs wurde sehr nett mit einer kleinen Grillparty
mehr als gebührend gefeiert. Neben unserem Schulleiter, Herrn Küster,
waren auch noch Herr Rothländer und Herr Schwarz, der mir ein sehr
leckeres Kalbssteak spendierte, anwesend. So wie alle verbliebenen
Schüler des Lüdenscheider Abendgymnasiums.
Und da das Rahel-Varnhagen-Kolleg dieses Jahr 30 Jahre alt wird, wurde
auch noch ein großes Schulfest in Hagen veranstaltet, zu dem alle
Schüler eingeladen waren. Es gab Sportveranstaltungen und Turniere,
Fressbuden, Getränke und Preisverleihungen für den Kunstwettbewerb der
Schule. Ich konnte leider nicht hin, da mich die Arbeit zu viel einspannte.
Doch nun haben erst einmal die Sommerferien für mich angefangen, und ich
freue mich wie noch nie zuvor, mehr noch als in meiner ersten Schullaufbahn.
Denn jetzt habe ich erst mal wieder Zeit. Zeit, die ich auch brauche, um
endlich etwas auszuspannen und um mehr Zeit mit meiner Freundin zu
verbringen. Die Ferien kommen mir aber auch gelegen, da ich eine neue
Wohnung brauche und bis jetzt nicht wirklich dazu gekommen bin, mich
umzusehen. Und ich wette, die sechs Wochen gehen viel zu schnell vorbei,
um sie richtig zu genießen.
Hoffen wir auf gutes Wetter, auf viel Entspannung und dass das nächste
Schuljahr so lustig und lehrreich wird wie das Vergangene.

Über die Autorin/den Autor:  Der Lüdenscheider Thomas Köhler ist 25 Jahre alt und gelernter Krankenpfleger. Er arbeitet im Klinikum Lüdenscheid. Während der nächsten drei Jahre will er das Abendgymnasium Lüdenscheid, eine Außenstelle des Hagener Rahel-Varnhagen-Kollegs, besuchen – außer in den Schulferien an fünf Abenden pro Woche. Den Lesern unserer Zeitung wird Thomas Köhler in regelmäßigen Abständen – etwa einmal monatlich – erzählen, wie es ihm und seiner Klasse dabei ergeht. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: