Ich hatte gehofft, dass die Bewerbung als Volunteer beim NXNE Festival die richtige Entscheidung gewesen ist und eigentlich hätte ich es wissen müssen – sie war es! Schon das Kennenlerntreffen am Wochenende hat mir gefallen und ich habe einen wirklich netten Nachmittag verbracht. Nachdem ich erst einmal da war! Es hat mich schon auch Überwindung gekostet, dort hinzugehen, obwohl ich bereits viele Male in Deutschland als Volunteer gearbeitet habe. Aber dieses Mal hatte ich wirklich keinerlei Infos und ich habe gemerkt, dass das dann schon anders ist und auch verunsichert: Ich wusste nicht, wer sich in Kanada so als Volunteer bewirbt, ich wusste nichts über die Organisatoren des Festivals, nichts von der Wohngegend, wo das Treffen stattfand, nichts über den Ablauf von solchen Treffen und dann noch alles in einer fremden Sprache… Aber nach wenigen Minuten habe ich mich schon wohlgefühlt und es war ein wenig so wie immer bei diesen Treffen! Auch wenn es dieses Mal wirklich sehr informell war.

Unsere Volunteer Managerin Nikki hatte von 15-18 Uhr auf die Terrasse vor ihrem Haus eingeladen, was dann so aussah, dass die Leute irgendwann in dieser Zeit eintrudelten, während sich die ersten schon wieder verabschiedeten. Viele erschienen auch gar nicht, obwohl sie zum ersten Mal beim Festival helfen werden. Das schien Nikki aber nicht weiter zu beunruhigen. Zwischendurch waren wir immerhin etwa zehn Leute, die kreuz und quer auf dieser kleinen Holzterrasse saßen – mit dem in die Jahre gekommenen, senfgelben XXL-Sofa und einem Bürostuhl als weitere Sitzmöglichkeit zum Terrassengeländer. Es gab keine vorbereitete Power Point Präsentation, keine „Volunteer Regeln“ und keine anderen schriftlichen Informationen, wie ich es beispielsweise aus Deutschland kenne. Ich habe die Treffen in Deutschland zwar auch nie als „formal“ empfunden, aber das hier war schon wirklich „sehr informell“, wie Nikki auch immer wieder betonte. Ich würde wohl eher das Wort „unorganisiert“ wählen. Denn da immer wieder neue Leute eintrafen, musste Nikki mehrmals die Informationen zum Event, den Spielstätten, unseren Aufgaben und unseren Schichten wiederholen. Dabei wurden ihre Ausführungen im Laufe des Nachmittages immer kürzer, sodass selbst die Volunteers die dort waren, alle einen unterschiedlichen Informationsstand haben. Ich bin daher echt gespannt, wie die Einsätze funktionieren werden. Aus der Vergangenheit weiß ich, dass es immer ein wenig chaotisch ist, aber es bleibt doch irgendwie ein geordnetes Chaos. Bei diesem Einsatz bin ich mir nicht sicher. Da meine Aufgaben allerdings überschaubar sind, mache ich mir um meinen Einsatz keine Sorgen.

Ich bin als Film-Volunteer eingeteilt und begrüße die Besucher vor dem Kino und sorge dafür, dass sie sich richtig einordnen. Denn die Besucher mit einem Veranstaltungspass dürfen als erstes in den Saal, dann kommen die Besucher mit dem Eintrittsband und dann die Leute, die sich ein Ticket für die einzelne Filmvorstellung gekauft haben. Zwischendurch müssen wir die Besucherschlangen zählen und diese Info an den Ticketverkauf weitergeben. Soweit die Theorie – wie es dann in der Praxis laufen wird, werde ich in den nächsten Tagen sehen. Ich freue mich auf meine Einsätze! Es ist eine tolle Möglichkeit in Kontakt mit anderen Leuten zu kommen, weiter mein Englisch zu verbessern und natürlich hinter die Kulissen eines großen nordamerikanischen Festivals zu schauen. Am Sonntag bin ich auch gleich noch mal einem Aufruf von Nikki gefolgt und habe ihr ein wenig bei der Orga geholfen.

Die Volunteers hier sind auch bunt gemischt: Vom Schüler über Studenten bis zur Schauspielerin, die berufliche Kontakte knüpfen möchte. International ist es ja sowieso immer, daher braucht es eigentlich keine besondere Erwähnung, dass auch unter den Volunteers nicht nur Kanadier, sondern auch Asiaten und Mexikaner sind. Und ich bin nicht die einzige Europäerin! Eine Frau kommt aus den Niederlanden. Mit zwei Mädels habe ich direkt meine Email-Adresse und Telefonnummer ausgetauscht. Wir wollen uns gemeinsam einige Konzerte und Filme ansehen. Denn jeder Volunteer erhält einen kostenlosen Pass – das heißt wir genießen Priorität beim Einlass! Das wiederum kenne ich so nicht von meinen Einsätzen in Deutschland. Selbstverständlich haben wir als Volunteer häufig die Möglichkeit, Veranstaltungen anzusehen, aber immer nur, wenn noch Plätze frei sind.


Über die Autorin/den Autor:  Saskia Wolf (33) lässt sich beurlauben, um Kanada zu erleben. Sie möchte das Land nicht nur als Touristin für wenige Tage besuchen, sondern nimmt sich fast vier Monate Zeit, um das Land, die Menschen und ihren Alltag kennenzulernen - und mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Darum hat sie sich entschieden, privat bei einer Gastfamilie zu wohnen. Die überwiegende Zeit wird sie in Toronto leben, wo sie unter anderem ein Praktikum für eine deutsche Zeitung absolvieren wird. Zum Abschluss fliegt sie nach Vancouver. Über Eindrücke und Erlebnisse in Toronto wird sie im Blog berichten, denn schließlich ist der Aufenthalt dort immer noch ein kleines persönliches Abenteuer. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: