Mein Gott, war das ein schrecklicher Volunteer Einsatz! Auch wenn es dann doch irgendwie gut ging – es herrschte Chaos!

Aber von vorn: Die Registrierung als Volunteer im Hyatt Hotel (ja, das war schon nobel) klappte gestern gut und ich erhielt mein T-Shirt und meinen „Priority Pass“ für alle Veranstaltungen. Der kostet übrigens 250 CAD ( knapp 200 Euro) im Verkauf!

Heute war dann meine erste Schicht und wir sollten zu sechst sein. Von den anderen Volunteers erschien jedoch nur Valerie. Sie kannte ich bereits vom Infotreffen. Andere Volunteers tauchten bis zum Ende der Schicht nicht mehr auf! Vielleicht hätte sich Nikki, unsere Volunteer Managerin, nach der geringen Beteiligung beim Infotreffen, doch mal ein paar Gedanken darüber machen sollen. Sie war übrigens auch nicht vor Ort, als ich ankam. Von Valerie erfuhr ich, dass sie von Nikki für heute als „Venue-Managerin“ eingeteilt worden sei (quasi die Teamleitung vor Ort) und mein ungutes Gefühl wuchs. Ich mag Valerie, aber sie ist noch recht jung und ebenfalls zum ersten Mal bei diesem Festival im Einsatz – und ich glaube, auch überhaupt zum ersten Mal als Volunteer im Einsatz und es war ebenfalls ihre erste Schicht! Aber irgendwie hofft man ja, dass schon alles gut werden wird. Was bleibt einem auch anderes übrig. Manche Dinge hat man eben nicht in der Hand.

Die erste Filmreihe um 15 Uhr haben wir auch gut über die Bühne bekommen. Da das Kino in der ersten Etage war, habe ich dort den Einlass organisiert und mich bemüht Ansprechpartner zu sein – ohne irgendwelche Infos zu haben! Ich bin noch nie so schlecht vorbereitet worden. Zumindest am Veranstaltungstag gab es immer ein aktuelles Briefing und Infos, mit denen ich arbeiten konnte. Und einen Ansprechpartner mit dem man offene Fragen klären konnte! Heute war es anders! Aber dank einer guten Portion Glück hat es ohne größere Probleme geklappt. Es waren auch nur knapp 40 Zuschauer da. Nikki habe ich die gesamte Zeit nicht gesehen!

Dann rückte der Start der zweiten Filmreihe näher und ich ging wieder nach oben auf meine Position. Valerie blieb im Erdgeschoss. Dann reihten sich die unglücklichen Umstände aneinander: die neuen Besucher kamen bereits zu mir hoch, obwohl die erste Filmreihe bzw. das abschließende Gespräch mit dem Regisseur noch lief. Der Besucherstrom riss nicht ab und so wurde auf der ersten Etage richtig voll! Zu diesem Zeitpunkt fragte ich mich, ob denn wohl die Infoweitergabe an den Ticketverkauf funktionieren würde, aber eine Kommunikation mit Valerie war nicht mehr möglich. Ich versuchte auf dem schmalen Flur vergeblich die Leute in die verschiedenen Gruppen ( Passinhaber, Eintrittsbänder und Ticketinhaber) zu unterteilen, aber es war einfach nicht genug Raum. Als die erste Filmreihe zu Ende war, entstand ein Wahnsinnsgedränge! Ein Glück, dass die Kanadier so geordnet und ruhig sind!

Dann häuften sich die Probleme: einige Zuschauer mit Pass oder Eintrittsband wollten im Kinosaal sitzenbleiben, um auch die nächste Filmreihe zu sehen. Wenn es zu diesem Zeitpunkt irgendeine Zuschauerkalkulation gab, waren diese Personen definitiv nicht darin enthalten. Dann kamen während des Einlasses immer noch weitere Passinhaber oder „Eintrittsbänder“ die Treppe hoch und wollten kurzfristig den Film sehen. Da sie ja Priorität haben, durften sie an der wartenden Schlange von Ticketbesitzern vorbei. Und während ich mit fünf Jungs diskutierte, ob sie auf irgendeiner Gästeliste stehen, brach plötzlich der Tumult los, weil es hieß, dass nicht genug Plätze im Kino wären. Dass war dann der Punkt, wo ich dem Englischen nicht mehr folgen konnte und die darauffolgenden Minuten waren einfach chaotisch! In diesem Moment erklärte mir übrigens der Regisseur, dass diese Jungs die Band aus dem Film wären und damit die Hauptdarsteller und wohl kaum draußen bleiben könnten. Peinlich, aber ich frage mich bis jetzt, warum sie dann keinen Künstlerpass hatten?!

Und dann kam wie durch ein Wunder Nikki die Treppe hoch und übernahm das Ruder! Sie hatte nämlich unten mit dem Kinomitarbeiter diskutiert, dass der zweite Raum geöffnet werden müsste, was aber aus irgendwelchen Gründen so kurzfristig nicht ging. So kam es wohl auch zu der Meldung, dass zu wenige Plätze da sein würden. Nikki agierte ab dem Moment professionell, verschaffte sich einen Überblick und organisierte Stühle, die wir dann noch zusätzlich zu den Stuhlreihen aufstellten. Da ich das englische Wort für „Fluchtweg“ nicht kenne, verkniff ich mir diese Frage und war ebenso wie allen anderen einfach nur froh, als tatsächlich der letzte wartende Besucher in diesem Kinosaal war! Nikki übernahm die volle Verantwortung für das Chaos und entschuldigte sich bei uns. Dann gab es ein kurzes und knackiges Feedback und ich glaube tatsächlich, dass es morgen besser laufen wird. Nach diesem Einsatz hab ich mich auf jeden Fall so gefühlt, wie „dieses Etwas“ vorne auf meinem Festival Shirt aussieht!

Bei so viel Chaos gab es dann aber auch noch eine gute Nachricht heute Abend: Ich habe heute Mittag eher zufällig in der Sprachschule eine andere Studentin getroffen und sie hat mir erzählt, dass sie nächste Woche „French Canada“ besuchen möchte – so wie ich. Ich hab ihr kurz geschildert, wie ich gebucht habe und nun hat sie mir eine Nachricht geschrieben, dass sie nun auch ohne Reiseagentur fahren möchte und ob wir nicht zusammen fahren wollen. Alles Nähere besprechen wir morgen Mittag!


Über die Autorin/den Autor:  Saskia Wolf (33) lässt sich beurlauben, um Kanada zu erleben. Sie möchte das Land nicht nur als Touristin für wenige Tage besuchen, sondern nimmt sich fast vier Monate Zeit, um das Land, die Menschen und ihren Alltag kennenzulernen - und mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Darum hat sie sich entschieden, privat bei einer Gastfamilie zu wohnen. Die überwiegende Zeit wird sie in Toronto leben, wo sie unter anderem ein Praktikum für eine deutsche Zeitung absolvieren wird. Zum Abschluss fliegt sie nach Vancouver. Über Eindrücke und Erlebnisse in Toronto wird sie im Blog berichten, denn schließlich ist der Aufenthalt dort immer noch ein kleines persönliches Abenteuer. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: