Morgen beginnt schon meine zweite Woche in der Sprachschule. Die erste Woche war intensiv und ich habe jeden Tag viel gelernt. Natürlich in erster Linie englische Wörter oder besser gesagt „kanadische“ Wörter, denn es gibt doch schon überraschend viele Unterschiede zwischen dem britischen und dem amerikanischen bzw. kanadischen Englisch. Aber ich lerne auch jeden Tag viel von den anderen Nationen und ich vermag nicht zu sagen, welches Lernen für mich bedeutsamer ist.

Es sind nicht viele deutsche Studenten an der Schule und insgesamt auch nur wenige Europäer. Während sich Mexikaner, Brasilianer, Asiaten dann nach der Schule doch irgendwann innerhalb ihrer Nationen treffen, verbringe ich mal mit dieser und mal mit jener Gruppe meine Zeit und nehme so auch die Unterschiedlichkeiten bewusst war. Die Asiaten sind ruhiger und zurückhaltender und es braucht etwas mehr Zeit, aber man kann tolle und interessante Gespräche mit ihnen führen. Und ich kann von ihnen einiges bezüglich Wortwahl und Grammatik lernen! Die meisten Asiaten kommen übrigens für 6 – 12 Monate nach Toronto. Ich glaube die Visa Bestimmung sind dort auch nicht so streng. Die Südamerikaner machen häufig nur vier Wochen „Ferien“ hier. Während mich die Kanadier gut verstehen, haben die Südamerikaner manchmal Schwierigkeiten mich zu verstehen und ich umgekehrt sie! Sie fangen aber direkt an zu plappern und fehlendes Verständnis wird mit Lachen und viel Wärme und Herzlichkeit ausgeglichen.

Ich finde es spannend, mir diesen und vielen anderen Unterschiedlichkeiten bewusst zu werden.

Ich habe hier vor ein paar Tagen vor meinem Fenster einen riiiesigen Waschbären die Wand hochklettern sehen. Mitten in der Stadt! Am helllichten Tag! Ich habe ganz aufgeregt Fotos gemacht und sie anschließend Sara gezeigt. Sie hat ganz unaufgeregt festgestellt: „Oh, a racoon.“ Für sie gehören Waschbären – auch in dieser Größe – zum normalen Straßenbild. Sie werden in der Stadt so groß, weil sie den Hausmüll fressen.

 Als ich in der Klasse vom Waschbären erzählt habe, haben wir den Brasilianern im Internet Bilder von Waschbären gezeigt, denn sie kannten nicht nur das englische Wort, sondern einfach auch das Tier, nicht. Und so beschreiben wir uns immer wieder gegenseitig Wörter und Dinge, die für einen von uns so selbstverständlich sind: Wie zum Beispiel auch „Legosteine“ oder Rhabarber. Rhabarber haben wir bei einem Ausflug zum St. Lawrence Market (eine große Markthalle in Toronto Downtown mit Köstlichkeiten aus aller Welt) gesehen und ein Student aus Mexiko fragte danach. Wie lässt sich Rhabarber beschreiben? Und dann noch auf Englisch! Spannend!

 

 

 

 

 

 

 

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Über die Autorin/den Autor:  Saskia Wolf (33) lässt sich beurlauben, um Kanada zu erleben. Sie möchte das Land nicht nur als Touristin für wenige Tage besuchen, sondern nimmt sich fast vier Monate Zeit, um das Land, die Menschen und ihren Alltag kennenzulernen - und mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Darum hat sie sich entschieden, privat bei einer Gastfamilie zu wohnen. Die überwiegende Zeit wird sie in Toronto leben, wo sie unter anderem ein Praktikum für eine deutsche Zeitung absolvieren wird. Zum Abschluss fliegt sie nach Vancouver. Über Eindrücke und Erlebnisse in Toronto wird sie im Blog berichten, denn schließlich ist der Aufenthalt dort immer noch ein kleines persönliches Abenteuer. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: