Manche Leute schaffen es nach einer mehrstündigen Reise noch wie aus dem Ei gepellt auszusehen. Ich gehöre nicht dazu! Der Shuttle zum Airport, die Fahrt mit dem Bus Downtown und die Subway bis Dufferin haben ausgereicht, dass ich verschwitzt und mit letzter Kraft vor meinem neuen Zuhause stehe. Meine zwei Koffer mit insgesamt knapp 40 Kilo haben mich noch mal richtig geschafft – vorläufiger Höhepunkt waren die Treppenstufen der Subway Station. Dabei hätte ich doch einfach nur den Aufgang „escalator“ nehmen müssen. Da mir dieser „Straßenname“ jedoch nichts sagte, habe ich mich für den anderen Aufgang entschieden und die Koffer hoch gewuchtet. Nie wieder werde ich vergessen, dass „escalator“ das englische Wort für „Rolltreppe“ ist!!

Entsprechend abgekämpft stand ich also auf der Veranda und bevor ich überhaupt meine Gastmutter kennenlernen konnte, wurde ich schon von der Nachbarin zur Linken begrüßt und gefragt, ob ich etwa die „German Lady“ sei. Die ältere Dame fand es mindestens so spannend wie ich, dass ich nun mehrere Wochen hier wohnen würde und so sprachen wir direkt ein paar Minuten. Meine erste Konversation in Kanada und ich stellte fest: Es funktioniert! Ich kann mich tatsächlich unterhalten und mich nicht nur mitteilen, wenn ich etwas brauche!

Und dann öffnete Sara die Tür und begrüßte mich so herzlich! Verschwitzt wie ich war, nahm sie mich in den Arm, freute sich, dass ich da war und setzte mich erstmal auf die Couch mit einem kalten Cranberry-Juice-Sparkling-Water-Mixgetränk – das war so göttlich! In dem Moment war ich mir sicher: Hier bin ich richtig!

Heute Morgen beim Frühstück ist mir dann erneut bewusst geworden, dass es genau richtig war, eine private Unterkunft zu suchen. Ich hätte kein Appartement haben mögen. Was ich in diesen paar Stunden schon alles von Sara gehört und erfahren habe. Das kann ich mir nicht anlesen, kann kein Reiseführer mir erzählen und das kann ich auch nicht selbst erkunden. Als wir dann auf die „Floriade“ in Venlo zu sprechen kamen (sie bietet hier in Toronto eine Reise dorthin an) und darauf, dass sie gerne den Landschaftspark in Duisburg sehen würde, war es eine gute Gelegenheit für mein Gastgeschenk: Der neuen Bildband der Stadt Hamm – The Green City. Wie gut, dass ich diesen Tipp bekommen habe! Es hat mir viel Freude gemacht jemand gänzlich Fremden meine Stadt zu beschreiben und von ihr zu erzählen. Sara’s Fazit: Dafür, dass Hamm nur 180.000 Einwohner habe, sei es ja doch ziemlich groß und hätte viel zu bieten. Bei einer Metropole mit 2,5 Mio Einwohner, sind 180.000 eben einfach wenig 😉

 

 


Über die Autorin/den Autor:  Saskia Wolf (33) lässt sich beurlauben, um Kanada zu erleben. Sie möchte das Land nicht nur als Touristin für wenige Tage besuchen, sondern nimmt sich fast vier Monate Zeit, um das Land, die Menschen und ihren Alltag kennenzulernen - und mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Darum hat sie sich entschieden, privat bei einer Gastfamilie zu wohnen. Die überwiegende Zeit wird sie in Toronto leben, wo sie unter anderem ein Praktikum für eine deutsche Zeitung absolvieren wird. Zum Abschluss fliegt sie nach Vancouver. Über Eindrücke und Erlebnisse in Toronto wird sie im Blog berichten, denn schließlich ist der Aufenthalt dort immer noch ein kleines persönliches Abenteuer. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: