Ich spule einfach mal vor was in der letzten Zeit passiert ist, denn das wird alles von dem heutigen Zufall getoppt:
Nach dem Copland Track habe ich mich aufgemacht nach Greymouth, wo ich nach einer Nacht in einem grässlichen Hostel geflohen bin. Es ging weiter die Küste hoch nach Punakaiki, einem Dorf, das eigentlich nur bekannt ist, weil es dort Felsengibt, die wie Pancakes aufeinandergestapelt sind (sie heißen auch Pancake Rocks. Einfallsreichtum war noch nie eine Stärke von Kiwis). Danach bin ich wieder nach Greymouth, aber in ein anderes Hostel – ein fantasitisches Hostel. Dort habe ich dann ein Mädchen getroffen, das ich schon vorher kennengelernt habe und wir sind gemeinsam mit dem Zug über den Arthurs Pass nach Christchurch. Von dort bin ich dann wieder alleine losgezogen, zu meinem momentanen Wohnort, Nelson.

Nelson ist eine wunderschöne kleine Stadt am Meer und Eingang zur Golden Bay, dem Abel Tasman und einem anderen Nationalpark, dessen Name mir gerade entfallen ist. Und Nelson wird nun für einige Wochen meine neue Heimat werden, denn ich werde in einem Hostel arbeiten und dafür keine Kosten für Übernachtung, Internet und Waschmaschine haben. Am Montag ziehe ich von meinem derzeitigen Hostel in das andere um. Ich hoffe mein Team ist nett, aber davon bin ich überzeugt.

Zu dem heutigen Zufall, der alles bisherige übertrumpft:
Ich bin ein großer Herr der Ringe-Fan. Nicht nur die Filme, sondern vor allem die Bücher haben es mir schon seit Jahren angetan. Und morgen.. morgen hat Ian McKellen, der Gandalf in den Filmen spielt, zwei … Auftritte in Nelson. Er hat seine Show „Shakespeare, Tolkien and you“ genannt. Mit anderen Worten, er möchte von seiner Theatererfahrung und von den Dreharbeiten erzählen, sich aber genauso gerne vom Publikum ausfragen lassen. Das klingt absolut fantastisch, hätte das Ganze nicht einen Haken für mich: Ich habe keine Karte mehr bekommen (es ist übrigens eine Benefiz-Veranstaltung, das Geld geht komplett an das Theater in Christchurch, dass durch das Erdbeben im letzten Jahr starke Schäden ertragen musste).
Um an den oben genannten Job zu kommen, habe ich mir eins der Fahrräder vom Hostel ausgeliehen und bin dorthin. Auf dem Rückweg habe ich einen Umweg gemacht und wollte mir eine Kirche ansehen und den Juwellierladen, der den Einen Ring für die Herr der Ringe-Filme geschmiedet hat. Als ich dorthin kam musste ich einen Zettel sehen, dass der Laden für eine private Veranstaltung geschlossen war, so habe ich mir einfach nur den Text durchgelesen, der neben der Tür stand und etwas zu den Filmen besagte. Die zwei Personen auf der Mauer neben dem Laden beachtete ich zunächst nicht. Ich dreht mich um, wollte weggehen und stutze. Da saß er. Ian McKellen. Und plauderte mit der Frau vom Laden. Vollkommen perplex ging ich erstmal vorbei, überquerte die Straße und blieb dann stehen, sah mich um und realisierte erstmal, was passiert war. Ich hatte nichts zum Schreiben dabei, aber meine Kamera. Die Beiden waren noch im Gespräch vertieft und stören wollte ich nicht (zudem musste ich meinen Mut noch aus einer Ecke hervorziehen). Als sich das Gespräch zum Ende neigte näherte ich mich langsam. Und dann kam der Moment, wo ich den Mund aufmachen sollte und dafür, dass ich gezittert habe (Ich finde das vollkommen in Ordnung, immerhin steht vor mir eine Theater- und Filmlegende) habe ich doch noch irgendwie verständlich herausbringen können, ob ich nicht ein Foto mit ihm haben könnte. Und das besitze ich nun.
Grinsend wie ein Honigkuchenpferd.
Meine Mission für morgen: Das Theater belagern und hoffen, dass jemand seine Karte zu der Show loswerden möchte.


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