Inzwischen wundert mich hier nichts mehr. Weder, dass Hundebesitzer ihren Vierbeiner im Kinderwagen durch die Gegend schieben, noch manch komische Beobachtung bei der Arbeitssuche. Gestern hatte ich eine Einladung von einer der großen Autovermietungen bekommen, mich bei denen für das Management-Trainee-Programm zu bewerben. Über ein Internet-Karriereportal hätten sie meinen Lebenslauf gesehen und Interesse an mir, hieß es. Also habe ich ne gute Stunde daran gesessen, das Formular auszufüllen. Es fragt eins zu eins die Informationen aus dem Lebenslauf ab. Also aus jenem Lebenslauf, der vermeintlich das Interesse der Firma an mir geweckt hat. Heute kam schon die Antwort: Kein Interesse, aber alles Gute! Dafür, dass sie auf mich zugekommen sind, fand ich das schon komisch. Aber mich zu wundern, wäre verschwendete Zeit.

Gleich rufe ich bei einer anderer Firma zum Vorstellungsgespräch an. Ist wieder mal weiter weg von hier, sodass ich dann zumindest die Gelegenheit nutzen könnte, dort auch noch mal in den Läden wegen kurzfristiger Arbeit nachzufragen. Man sagte mir schon mehrfach, dass es außerhalb von Miami und Miami Beach etwas leichter sein könnte. Miami hat eine furchtbar hohe Arbeitslosigkeit, zudem sind hier viele Menschen ‚ohne Papiere‘, die darauf hoffen, durch einen netten Arbeitgeber an diese Papiere zu kommen. Und natürlich gibt es hier immernoch sehr viele illegale. Das macht die Suche nach kurzfristiger Arbeit, sprich im Niedriglohnsektor, sehr sehr schwer. Alle wollen diese Jobs, zumal hier ja das Prinzip ‚Hire and fire‘ gilt, sodass man quasi jeden Tag wieder seinen Job verlieren kann. 

Hoffe, dass mein Magen nun wieder fit ist und ich heute mehr als in den vergangenen zwei Tagen bewegen kann.

Liebe Grüße nach Hamm


Über die Autorin/den Autor:  Rabea Wortmann beginnt in Florida (USA) ein neues Leben. Ueber die Fortschritte, am anderen Ende des Atlantiks Fuss zu fassen, berichtet die 27-jaehrige Auswanderin und langjaehrige WA-Mitarbeiterin in ihrem Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: