Morgen habe ich wieder ein Vorstellungsgespräch. Bereits bei meinem letzten Miami-Aufenthalt habe ich mich mal probeweise beworben, und genau die Firma, zu der ich morgen fahre, wollte mich damals haben. Da war ich aber gerade wieder in Deutschland, sodass das nicht geklappt hat. Genau diese Firma sitzt in demselben Office, in der auch meine ehemalige Firma saß. Lustig, oder? Na ja, die machen die Werbung für viele große Sport-Teams aus Florida, klingt ja interessant. Aber: Mein Eindruck ist, dass sie ähnlich wie meine ehemalige Firma aufgestellt sind. Erst Training, dann auf Provision arbeiten. Wissen tue ich es nicht, aber alles deutet darauf hin. Eigentlich, so müsste man denken, bin ich blöd, wenn ich morgen dort hinfahre. Aber: Was habe ich noch zu verlieren? Meine Sicherheit besteht darin, jeden Tag kündigen zu können. Ich stehe noch mit einigen Firmen in Kontakt, solange sollte ich aber diese Tür nicht verschließen. Die Rahmenbedingungen, nicht nur finanziell, haben sich verändert für mich, sodass ich nun jede Chance nutzen muss. Auch wenn ich erahnen kann, dass ich mit dieser Firma böse hinfallen kann. Der Unterschied zu sonst ist nur, dass ich weiss worauf ich mich einlasse. Da ich es aber nicht zu 100% weiss, muss ich es morgen ausprobieren. Wir werden es morgen sehen!

In dem Apartment wo ich gerade bin, fühle ich mich recht wohl. Gut, mir fehlt ein eigenes Zimmer zum Zurückziehen, aber es gibt schlimmeres. Gestern habe ich dann auch endlich ‚Die Schrillen vier auf Achse‘ leihen können und mir einen ruhigen Abend gemacht. Seit drei Tagen habe ich grosse Probleme mit Magen-Darm, sodass derzeit eh nicht viel anderes möglich ist. Chevy Chase hat mich zumindest zum Lachen gebracht 🙂 Sehr sogar.   

Von den Mädels, die hier sind, sind einige am arbeiten. Eine Deutsche ist auch dabei und eine Holländerin arbeitet als Model. Über die Amerikaner denken wir alle sehr ähnlich: Man kann hier prima Leute kennenlernen, aber wirkliche Freundschaften bilden sich hier fast nie. Zu oberflächig ist es hier. Ich kann nur für Miami Beach sprechen, in anderen Teilen Floridas ist das anders. Das weiss ich aus Erfahrung, pauschalisieren darf man daher nicht. Die Holländerin hatte mich aber schon gefragt, ob sie beim nächsten Mal mit mir laufen kann. Klar, warum nicht. Auch hier gilt: Pauschalisieren darf man nicht. Das Klischee des doofen Models gilt nicht. Ausserdem habe ich schon so viele Mädels hier gesehen, die aussehen wie Pamela Anderson aber laufen wie ein Kenianer. Überrascht bin ich immer, aber man sollte einfach keine Vorurteile haben. Diese Erfahrung habe ich hier aber schon oft gemacht – dafür bin ich auch dankbar. Ich erinnere mich daran, als ich mal im Bus saß und ein ziemlich Ghetto-mäßig dreinschauender und entsprechend gestylter Typ neben mir saß. Typ Rapper, der erstmal einen auf dicke Hose machte. Als dann eine Frau in den Bus einstieg, aber nicht das passende Geld für den Bus hatte, war dieser Gangster-Rapper der erste, der aufsprang und seine Hilfe anbot. Nicht nur, dass er der Frau das Geld wechselte, er hat ihr die 2 Dollar einfach geschenkt. Solche Dinge sehe ich hier öfter, aber eben nicht in Miami Beach, sondern nur da, wo die ‚wirklichen‘ Menschen leben.

Jedenfalls arbeitet das deutsche Mädel in einem Restaurant. In jenem Bereich, wo ich es bereits probiert habe, Arbeit zu bekommen. Mein Status als Resident unterscheidet mich von ihr, sie hat mir von ihrem schweren Kampf um die Stelle erzählt. Für mich, als Resident ist es noch schwieriger Arbeit zu bekommen. Morgen werd ich es nach meinem Vorstellungsgespräch in Hollywood daher nördlich von Miami in Hollywood erneut probieren. Das deutsche Mädel hat mir aber weitere Tipps geben können. In den Fitness-Studios hier habe ich mich bereits mehrfach für den organisationellen Bereich beworben. Antworten: Null. Ich werde in den kommenden Tagen die Studios mal abklappern und nachfragen, ob die Trainer suchen. Für die Trainingsfläche wäre das kein Problem, einen Kurs geben schon eher. Ich meine, Kurse mitmachen find ich blöd, selbst geben find ich aber klasse. Eine Lizenz habe ich nicht, sodass ich es in diesem Bereich schwer haben würde. Ich will mal sehen, wie weit ich ohne Lizenz komme. Die meisten Trainer(innen), die ich hier gesehen habe, sehen so aus, als wären sie gerade bei ‚Baywatch‘ entschwommen. Ich werde anfragen, ob ich nicht mal probeweise arbeiten darf und versuchen die Leute vom Hocker zu reissen. Dann werde ich nur auf meine Gladbach-Shorts verzichten müssen. Ich glaube, ich wäre die Einzige, die die Shorts scharf findet 😉 Als Trainer musst du hier schlagfertige Argumente liefern und die auch gut verpacken. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Für diese Woche habe ich entsprechend noch einige Pläne. Auch mit der deutschsprachigen Zeitung hier werde ich mich nochmal in Verbindung setzen. Habe bereits eine Idee. Heute Abend gehe ich das in Ruhe an.

Trotz Magen-Darm werd ich jetzt mal versuchen zu Laufen, vielleicht hilft es ja. Ausserdem werd ich vom vorm-Notebook sitzen sicherlich auch kein guter Trainer 😉

In dem Sinne, bis die Tage!

 Rabea


Über die Autorin/den Autor:  Rabea Wortmann beginnt in Florida (USA) ein neues Leben. Ueber die Fortschritte, am anderen Ende des Atlantiks Fuss zu fassen, berichtet die 27-jaehrige Auswanderin und langjaehrige WA-Mitarbeiterin in ihrem Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: