In zwei Wochen ist es soweit, unsere erste Klassenfahrt steht an. Wohin es geht? Skifahren, in das schöne Zillertal nach Tirol.

Ein Ereignis, welches unser Soziologielehrer, Herr Glogowski, jedes Jahr für alle Schüler des gesamten Rahel-Varnhagen-Kollegs organisiert und begleitet. Eine Möglichkeit, auch Studentinnen und Studenten aus Hagen kennenzulernen, die wir ja sonst nie sehen.

Ich muss gestehen, dass das meine erste Klassenfahrt nach mehr als zehn Jahren ist und ich das Ganze also gar nicht als „Klassenfahrt“ sehe, sondern eher als einen Kurzurlaub mit Gleichaltrigen. Gleichaltrig heißt über 20 Jahre alt und als solche auch meistens berufstätig oder mit eigenem Haushalt. Deswegen verwundert es kaum, dass aus unserem Kurs nur fünf Leute mit auf die Reise kommen, da einige keinen Urlaub bekommen haben oder es sich schlichtweg nicht leisten können. Was doch schade ist, denn auf so einem Ausflug lernt man Kommilitonen besser kennen, geht etwas trinken oder feiert einfach zusammen.

Und je besser man seine Mitstudenten kennt, umso mehr macht es Spaß, sich im Klassenverband zu bewegen, zu lernen und gemeinsam die Jahre zu verbringen.

Als wir in Soziologie die Themen Soziometrie und Gruppendynamik behandelten, fiel uns auf, dass es bei uns in der Klasse noch keine Cliquen oder feste Gruppen gibt.

Etwas, was wir alle von der Schule kennen. Damals waren die Cliquen sehr viel wichtiger, haben unseren Freundeskreis bestimmt und die gesamte Klassenstruktur beeinflusst. Doch bei uns gibt es das so nicht. Ist es nach einem Semester noch zu früh für so etwas? Heute haben wir alle Freunde, Familie und Cliquen außerhalb der Schule. Diese sind uns natürlich wichtiger und deswegen scheint sich das bei uns langsamer zu entwickeln.

Das klingt jetzt so, als würde sich keiner mit dem Anderen unterhalten. Natürlich treffen wir uns nach der Schule zum Lernen, Weggehen oder Feiern. Aber es gibt keine Klassenstrukturen wie damals. Keine „Stars“, keine Mitschüler, die sich über andere lustig machen, keine unangenehmen Halbstarken, die etwas beweisen müssen.

Auch gibt es keine Außenseiter oder Leute, die von jedem gemieden werden.

Das schafft eine ganz entspannte Atmosphäre. Es fühlt sich erwachsener an.

Bald fängt auch wieder die Klausurenphase an. Was mir fast zu schnell ging. Und erneut heißt das lernen, lernen und viel übers Lernen reden.

Mal schauen, wie viele Lerngruppen sich bei uns zusammenfinden und wer sich, wie Ich, eingesteht, nicht auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Mal schauen, welche Vorsätze vom letzten Semester bei mir noch vorhanden sind. Wenn dieses Semester so anfängt wie das letzte aufgehört hat, bin ich aber guter Dinge und freue mich auf alles, was da noch kommt.


Über die Autorin/den Autor:  Der Lüdenscheider Thomas Köhler ist 25 Jahre alt und gelernter Krankenpfleger. Er arbeitet im Klinikum Lüdenscheid. Während der nächsten drei Jahre will er das Abendgymnasium Lüdenscheid, eine Außenstelle des Hagener Rahel-Varnhagen-Kollegs, besuchen – außer in den Schulferien an fünf Abenden pro Woche. Den Lesern unserer Zeitung wird Thomas Köhler in regelmäßigen Abständen – etwa einmal monatlich – erzählen, wie es ihm und seiner Klasse dabei ergeht. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: