Unglaublich! Statt Arbeit zu bekommen, werde ich ueber den Tisch gezogen. Ich, und vermutlich viele weitere der 517 Bewerber, die sich laut Jobportal auf diese Stelle beworben haben. Kaum komme ich dort in das Office hinein, soll ich 5 Dollar zahlen. Ah ja. Warum, wollte ich wissen. Das Maedel am Empfang meinte, dass es die Gebuehren fuer die Registrierung, einen Hintergrundcheck usw seien. Da hier leider Gottes selbst bei Wohnungsbesichtigungen so genannte Bewerbungsgebuehren von meist um die 150 Dollar „normal“ sind, habe ich es erst einmal so akzeptiert.

Das Gespraech sollte eigentlich mit einem ranghohen Mitarbeiter sein. War es nicht, wieder war es es die Empfangsfrau, anscheinend in immer anderen Positionen dort taetig. Ja prima. Das Interview war eine reine Abfrage dessen, was ich bereits im Lebenslauf stehen habe, und denselben Kram musste ich nochmals auf einem gesonderten Zettel ausfuellen. Na ja, das war beim ersten Vorstellungsgespraech auch so. Irgendwann kann mir das Ganze etwas komisch vor, weil sie irgendwas meinte, dass man gucken wuerde, welche Firma passen koennte. Okay, das ist eine Firma, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammenbringen soll und Stellen vermittelt, aber laut Stellenbeschreibung sollte ich fuer die arbeiten. Und dann kommen mir Zweifel: 517 Bewerber, das scheint hier eine Masche zu sein. Garantiert, denn als ich meine Zweifel geaeusstert habe, hiess es ploetzlich, dass sie mich in Arbeit vermittelt wollen. Ich muesste nur unterschreiben und wenn ich vermittelt werde – angeblich wuerde die Stelle, auf die ich mich beworben habe, von vielen derer Kunden angeboten – muesste ich natuerlich zahlen. Fuers erste Jahr, je nach Einkommen bis zu 25 Prozent (!) des Gehalts, im zweiten Jahr wuerden sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Kosten teilen. Ich mein, die Geschaeftsidee von denen ist gut, Abzocke bringt immer Geld. Vor allem bei 517 Bewerbern.

Wieder Lehrgeld bezahlt, aber ich bin richtig angefressen gerade und stinksauer. Weil so ein Mist hier staendig passiert. Ich bin nicht gutglaeubig, aber es ist nicht Deutschland. Man lernt mit der Zeit, die Unterschiede und Gewohnheiten eines fremden Systems kennen, dumm nur, wenn man dafuer immer und immer wieder Lehrgeld zahlt. Mir reichts jetzt, echt!

Das Schlimme ist nur, was soll ich dagegen tun? Soll ich mich jetzt nicht mehr bewerben, um nicht wieder so abgezockt zu werden? Nein, sicher nicht. Aber ich muss meine Lehren daraus ziehen. Wie, weiss ich noch nicht. Vielleicht muss ich mich beim naechsten Mal vorher telefonisch rueckversichern. Aber wer abzocken will, wird eh nix am Telefon Preis geben. Klar, warum auch. Das ist ja das Bloede! Ich werde nachher weitere Bewerbungen abschicken. Ich werde mich aber auch noch mal umorientieren. Orlando schwebte mir ja schon vor. Ich habe kaum noch Geld, also wenn, dann muss schnell etwas passieren. Heute will ich aber ueber nichts mehr nachdenken.

Obwohl: An Geschaeftisideen mangelt es hier sicherlich nicht. Auf der Rueckreise von Coral Gables – schoene Stadt neben Miami und Touristen von Tagesausfluegen sicherlich nicht unbekannt – habe ich etwas gesehen, das mich hat Schmunzeln lassen. Neben einem grossen Friedhof, auf denen man hier uebrigens nur Blumen mit Stil und Vase ans Grab stellen darf, hat ein findiger Mann seinen Pavilion aufgebaut und Blumen (nur die mit Stil) verkauft. Ich weiss zwar nicht, ob der viel Geld verdient, aber die Idee ist gut. Zumindest aus unternehmerischer Sicht 😉

In dem Sinne,

liebe Gruesse


Über die Autorin/den Autor:  Rabea Wortmann beginnt in Florida (USA) ein neues Leben. Ueber die Fortschritte, am anderen Ende des Atlantiks Fuss zu fassen, berichtet die 27-jaehrige Auswanderin und langjaehrige WA-Mitarbeiterin in ihrem Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: