So, langsam gehts dem Fuss besser. Aber kaum fuehle ich mich besser, versuche ich mal Richtung Airport zu kommen und dort mal wegen freier Stellen zu schauen. Haette schon Lust darauf, am Airport etwas zu machen. Wie Herbert Groenemeyer habe auch ich „Flugzeuge im Bauch“ 🙂 Finde diese Gigante der Luefte einfach klasse. Nur: Entweder man schaut vor Ort, sonst klappt es eh nicht mit einem Job hier. Das habe ich bisher oft erlebt hier. Ohne Kontakt geht nix.

Bloed nur, dass ich gerade dann ankomme, als die Air Berlin Maschine Richtung Duesseldorf kurz vom Abflug steht. Und ich bin nicht dabei 🙁 Na ja, ich habe hier noch nichts erreicht. Weder fuehle ich mich hier wohl, noch waere es der Zeitpunkt, um das Auswandern fuer gescheitert zu erklaeren. Ich habe immer gesagt, dass, wuerde ich zurueck kommen, es an den Emotionen haengt. Jeder hat sein gewohntes Umfeld, das zu verlassen, heisst einiges. Vor allem, wenn man gut 7000 Kilometer entfernt ist. Aber an dem Punkt bin ich noch nicht. Und so bringt micht manch Erlebnis am Airport auf andere Gedanken. Mal abgesehen davon, dass ich vor der Anzeigetafel mit den Abfluegen stehe und dort neben Duesseldorf, Franktfurt vor allem auch New York, Caracas, Havana, Rio de Janeiro und auch etwa Kingston und die Cayman Inseln auftauchen. Duesseldorf bringt mich zwar nahe an die Heimat zurueck, aber von den lateinamerikanischen Staedten zu traeumen ist auch schoen 🙂 Fuer einen Moment zumindest…

Da steht gerade eine Auswahl an USA-Fussballern und ich denke nur, hoffentlich ist Schalkes Jermaine Jones nicht dabei. Als er das letzte Mal jemanden mit verletztem Fuss gesehen hat, ist er bekanntermassen darauf getrampelt. Beim DFB-Pokal. Dumm auch, dass ich (zumindest im Herzen) Gladbacher bin, wie Jones‘ damaliges Opfer Marco Reus. Aber nein, Jones ist nicht dabei. Scheint eine Junioren-Auswahl zu sein, die sich gerade auf den Flug macht. Glueck fuer mich 😉 Es bringt mich aber auf andere Gedanken, als an Duesseldorf zu denken 😉

 

Der Weg zum Airport durch Little Havana, der Name verraet es bereits, ist gepraegt durch die spanische Sprache. Kaum ein Schild mal auf Englisch. Und schwupps, schnappe ich die Woerter auf. Im Hotel erzaehle ich einem Halb-Kubaner, Halb-Amerikaner, der jedoch gut Deutsch spricht, weil seine Tochter in Luedenscheid wohnt, von der Tour. Ich erzaehle ihm, dass ich in der Oberstufe an der Schule Spanisch als LK hatte. Kein einziges Wort, das ich dieser Tage hier lese, erinnert mich daran. Das erzaehle ich ihm auch. Im Spanisch LK haben wir beispielsweise ueber die Latifundistas geredet, also die so genannten Grossgrundbesitzer. Der Latino-Amerikaner  sagte mir, er wuerde das Wort nicht mal im Englischen kennen, und ich fange an zu lachen. Ich dachte, man soll im Fremdsprachenunterricht an der Schule auf das Ausland vorbereitet werden? Und dann bleiben bei mir nur die Latifundistas kleben ; ) Und keiner kennt sie. Klar, vor allem geht es darum, die Grammtik und die Satzstruktur einer fremden Sprache kennenzulernen, aber ehrlich, gehts nicht auch etwas naeher an der Praxis? Ich warte immer noch auf die Begegnung mit den Latifundistas… Na ja, dann werd ich denen aber einen erzaehlen koennen 🙂

Ueber das Wochenende erwarte ich, dass der Fuss soweit fit wird, dass ich wieder voll belastbar bin. Mit dem Sport werd ich zwar noch eine Woche warten, aber am Montag habe ich einen Termin bei meiner Firma. Wieder in einer anderen Stadt als beim letzten Mal. Mit dem Bus ganz klasse, habe ich beim letzten Mal doch gut 5 Stunden hin und 6 Stunden zurueck gebraucht. Wir werden sehen. Ansonsten heisst es nicht lange Fackeln und etwas Neues starten. Das ist der Plan und zugleich das Ziel. Wir werden sehen! Montag gibt es jedenfalls eine Entscheidung.

Ich bin uebrigens immernoch verwundert auf die Reaktionen auf meinen Marathon. Ploetzlich will keiner Erasure kennen. Also die Band meiner Kindertage, die ich beim Marathon zeitweilig im Ohr hatte. Erasure ist immernoch Klassiker der 80-er Jahre und die kennt keiner mehr? Ich sage ja, Erasure ist trashig, aber beim Laufen einfach klasse. Herrlich trashig sind die Songs „Sometimes“, „Ship of Fools“ oder auch die Schnulze „Always“. Hach, wie toll fand ich den Saenger Andy Bell doch als ich 10 Jahre alt war 🙂 Na ja, auf den stehe ich heute sicher nicht mehr, aber die Songs sind echte Ohrwuermer. Ausserdem: Wer jemals zu Erasure getanzt hat, weiss vermutlich, warum ich heute mit der Huefte zu kaempfen habe 😉 Nur Spass, aber so toll trottelig tanzt heute (gluecklicherweise) ausser Andy Bell echt keiner mehr. Auch egal, beim Marathon hat mich Erasure begleitet, und bekanntermassen habe ich den Marathon geschafft 🙂 So schlecht kann die Band dann auch nicht sein 😉 Zumindest fuer mich persoenlich. Nur die ganze Zeit koennte ich sie auch nicht hoeren 😉

Insgeheim traeume ich schon davon, in gut einer Woche nochmal auf die Strecke des Halbmarathons gehen zu koennen. Nicht aus sportlichem Anreiz, aber so viel wie hier bislang schief gelaufen ist, ist es immer gut, wenn man kleine Ziele hat. Das Laufen gibt mir Kraft, also wird es mir auch beruflich auf die Beine helfen 🙂

Ich arbeite daran! Euch wuensche ich etwas weniger Kaelte. Aber auch das ist immer eine Frsge des Empfindens: Ich habe hier mal eine Mutter vor einer Schule gesehen, die ihrer Tochter nach Unterrichtsschluss prompt Handschuhe und Schal angezogen hat.  Da waren es 15 Grad hier…

In dem Sinne 🙂 Alles Liebe, Rabea

PS Einige Bilder, ua vom Marathon liefere ich in den kommenden endlich mal nach


Über die Autorin/den Autor:  Rabea Wortmann beginnt in Florida (USA) ein neues Leben. Ueber die Fortschritte, am anderen Ende des Atlantiks Fuss zu fassen, berichtet die 27-jaehrige Auswanderin und langjaehrige WA-Mitarbeiterin in ihrem Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: