Mir faellt die Decke auf den Kopf. Nachdem ich gestern und heute nicht viel heraus kam wegen meines laedierten Fusses, komme ich ganz schwer ins Gruebeln. Knapp vier Wochen bin ich nun hier, ich wohne immernoch im 4-Bett-Zimmer des Hotels, arbeiten kann ich auch noch nicht und ich fuehle mich koerperlich angeschlagen. Erkaeltungsanzeichen kommen nun noch zu dem nun mehr nur noch leicht blutenden Fuss dazu. Und ich frage mich immer mehr, ob ich das hier alles gerade wirklich will. Wirklich wohl fuehle ich mich im Moment hier nicht. Die vielen Gedanken, die mir in meiner „Zwangspause“ kommen, tragen zum Wohlfuehlen nicht wirklich bei. Zumal es nicht einfach ist richtig abzuschalten, wenn man dank 4-Bett-Zimmer ohnehin kaum Privatsphaere hat.

Gut, mit dem Fuehrerschein in der Tasche muesste ich nun eigentlich anfangen koennen zu arbeiten. Montag fahre ich zu meiner Firma und werde alles weitere besprechen. Der einzige Grund der mich im Moment dort haelt, ist das Trainingsprogramm, das jeder dort durchlaeuft. Denn man soll moeglichst nach einem Jahr seine eigene Firma fuehren koennen. Unter anderem geht es um Marketing und Management, was einem dort vermittelt werden soll. Selbst  sollte ich nach Deutschland zurueck gehen, waere es wichtig, beruflich etwas mitzunehmen. Neben der Auslandserfahrung eben auch Arbeitserfahrungen. Also will ich es zumindest probieren, auch wenn mir die Zeit weglaeuft. Ich habe kaum noch Geld. Montag sehe ich aber weiter, hoffe dann auch, dass es schnell klappt. Ansonsten kommt Plan B zum Zuge. Ich muss aber erst warten, bis der Fuss wieder okay ist und die Wunde heilt. Meine Gesundheit ist mir im Moment das Wichtigste hier.

Ich habe vorhin mal geschaut in der Apotheke, was die Behandlung des Fusses durch eine Krankenschwester kosten wuerde. Jemand aus dem Hotel sagte, es waeren ca. 50 Dollar. Nein, leider nicht. Ich habe bereits neulich mal geschaut, was ein Rueckflug nach Deutschland kosten wuerde. Mich in Deutschland behandeln zu lassen, waere fast guenstiger, als hier auch nur zu so einer Krankenschwester zu gehen. Welcome to America! Die amerikanischen Aerzte haben zwar einen sehr guten Ruf, aber leisten kann es mir dennoch nicht. Man sieht aber am Fuss, dass die Heilung einsetzt. Ich bin guter Dinge! Nur, wenn man sich schon koerperlich nicht gut fuehlt, hilft es nicht gerade, dass ich mich insgesamt nicht wohl fuehle. Wenn ich wenigstens Laufen koennte und dabei den Kopf mal frei bekaeme… Na ja, erst will ich sehen, dass ich wieder fit bin und Montag greife ich dann wieder an. Ich denke, es wird besser werden, wenn ich erst arbeite. Davon bin ich sogar ueberzeugt.

Morgen frueh, wenn es der Fuss zulaesst, will ich ins deutsche Konsulat nach Miami Downtown. Endlich wieder heimischen Boden unter den Fuessen 🙂 Dort werde ich auch mal nachfragen, ob sie wegen einer Krankenversicherung einen Tipp fuer mich haben. Bei meiner Firma wuerde ich nur auf Provision bezahlt, sodass ich eh zunaechst Umsatz machen muesste, um in den Genuss einer Krankenversicherung kommen zu koennen. Bisher hat alles, beispielsweise auch die Sache mit dem Fuehrerschein, nur durch Kontakte geklappt. Darauf muss ich jetzt bauen! Ich habe vorhin einen Artikel gelesen ueber deutsche Auswanderer in den USA. Ich bin nicht die Einzige, die am Anfang Lehrgeld zahlt. Montag wird sich das aendern! Werde versuchen ueber das Wochenend Energie zu tanken und dann mit 120 Prozent in die Arbeitswelt stuermen 🙂 Wenn Montag alles klappt, kuemmere ich mich auch sofort wieder um eine Wohnung. Die habe ich ja bisher aufgrund des fehlenden Fuehrerscheins nicht bekommen. Ich muss sagen, vier Wochen im 4-Bett-Zimmer sind echt anstrengend. Es kann zwar nett sein, wenn die richtigen Leute da sind, wie die Amerikanerin aus Minnesota vor ein paar Tagen, mit der ich mich nett unterhalten habe und die mir auch viele Tipps fuer den Start in den USA gegeben hat. Derzeit sind aber zwei Latino-Maedels auf dem Zimmer, die ich insgeheim nur „Dumm und Duemmer“ nenne. Neulich bin ich nachts auf das Notebook von einer der beiden getrampelt. Selbst schuld, man laesst es ja auch nicht mitten im Weg liegen. Dem Alkohol sei Dank 😉  Den Vogel abgeschossen hat aber der Ratschlag von einer der beiden: Sie fragte, wie es meinem Fuss gehe und meinte, ich solle ihn vielleicht mal den Pool halten. Ihre Idee: Das Chlor wuerde die Wunde ja prima reinigen. Gott, ich hoffe die arbeitet nicht im Gesunheitswesen 😉

Sonntag ist Superbowl, also Football, angesagt. Ich glaube, ich werde aber lieber verfolgen, was in der Bundesliga passiert. Und verfolgen, wie Gladbach den naechsten Sieg einfaehrt 🙂 In Gedanken bin eben doch mehr in Deutschland, als gerade in Miami. Aber wir werden sehen, wie es weitergeht. Montag dann mit neuer Energie 🙂 Muss jetzt erst einmal wieder auf die Beine kommen und fit werden.

Liebe Gruesse, Rabea

 

 

 


Über die Autorin/den Autor:  Rabea Wortmann beginnt in Florida (USA) ein neues Leben. Ueber die Fortschritte, am anderen Ende des Atlantiks Fuss zu fassen, berichtet die 27-jaehrige Auswanderin und langjaehrige WA-Mitarbeiterin in ihrem Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: