An Weihnachten und Silvester hat es gefälligst kalt zu sein, am besten noch mit Schnee. Für mich ist das dieses Jahr nicht der Fall, denn dazu bin ich auf der falschen Seite der Welt. Mein momentaner Aufenthaltsort ist Kaikoura, auf der Südinsel Neuseelands und ich sitze in der stechend warmen Morgensonne.

Mitte Oktober bin ich vom Frankfurter Flughafen aufgebrochen, um ein Jahr Auszeit zu nehmen nach 16 Jahren Lernen. Die ersten Wochen habe ich auf der Nordinsel verbracht und die Gegend in, um und über Auckland erkundet. Zu der Zeit war auch noch die Rugby Weltmeisterschaft in Neuseeland und das gesamte Land war im Rugby-Fieber. Was dann sein Finale hatte, als Neuseeland den Titel im eigenen Land gewonnen hat.

Doch jeder Backpacker und auch die meisten Kiwis (die Einwohner nennen sich selbst nach dem kleinen Vogel) sagen einem immer, dass die Südinsel weit schöner als die Nordinsel ist. Diesen Rat habe ich befolgt. Lediglich die Hauptstadt Neuseelands habe ich noch besucht. Wellington ist mir um einiges sympathischer als Auckland, weil es einfach eine kleinere Stadt mit viel Charme und zudem Persönlichkeit ist, was man in Auckland nicht wirklich findet. Von dort bin ich mit der Fähre auf die Südinsel gefahren und habe nach einer Weile in dem Hafenörtchen Picton einen Job in Blenheim gesucht. Der Ort wurde mein Zuhause für die nächsten sieben Wochen, da es das Zentrum für die Weingüter ist, also gibt es einiges an Arbeit für Backpacker. Zumindest ist das die Theorie, denn in der Praxis sah es etwas anders aus und ich saß eine ganze Weile arbeitslos im Hostel herum. Etwas anderes kann man in dem Ort nämlich nicht wirklich machen. Aber das Warten hat sich gelohnt, denn ich konnte in einer Weinflaschenfabrik arbeiten, die die Flaschen gefüllt, etikettiert und gelagert hat. Es war wohl die stupideste Arbeit, die ich jemals tun musste. Aber sie brachte Geld und das war alles was ich wollte.

Das Hostel war voller Langzeitbewohner, sodass man schnell zu einer großen Familie zusammengewachsen ist. Es wurde gekocht, gefeiert, beim Paintball aufeinander geschossen oder über Gott und die Welt diskutiert.

Kurz vor Weihnachten sind alle aufgebrochen, weil niemand in Blenheim bleiben wollte. Mit den restlichen Langzeitbewohnern gab es noch ein (deutsches) Weihnachtsessen: Rheinischer Sauerbraten mit Rotkohl und Salzkartoffeln. Ein kleines bisschen Heimat für die Deutschen und etwas Neues für die Asiaten und die Kiwis in der Runde.

Auch ich habe mich mit einer anderen Deutschen auf den Weg gemacht, um Weihnachten an einem schöneren Ort zu verbringen. Dies wurde Kaikoura, einem kleinen Küstenort, der zwischen dem Meer und den Bergen eingefangen ist. Hier gibt es Pelzrobben- und Möwenkolonien und man kann mit Delfinen schwimmen, Wale beobachten oder einfach nur so die atemberaubende Umgebung genießen. Dies sollte Weihnachten werden – und nach Wochen mit grauem Himmel kam endlich die Sonne hervor, sodass es ein typisch neuseeländisches Sommer-Weihnachten werden konnte.

So einfach es klingt, ist es aber doch nicht, denn es war das erste Weihnachten fern von der Familie. Auch wenn ich bereits ausgezogen war, zu Weihnachten bin ich immer bei meiner Familie gewesen. Zudem ist ist es wirklich seltsam, im Sommer Weihnachten zu feiern. Einen richtigen Weihnachtsbaum gibt es nicht, es steht eine Plastiktanne im Hostel und der eigentliche neuseeländische „Weihnachtsbaum“ ist Pohutukawa, ein immergrüner Baum, der um die Weihnachtszeit rot blüht. Eigentlich wollten wir den Tag am Strand verbringen (wie es die richtigen Kiwis tun, nur dass sie dabei noch grillen), doch es kam ganz anders:

Schon des öfteren konnte ich von der Gastfreundlichkeit der Kiwis profitieren. Ob es nun um eine Autofahrt quer durch die Stadt geht, weil ich sonst meinen Bus verpassen würde oder eine kurze Auskunft, die in einer halbstündigen Unterhaltung endet: Der Kiwi an sich ist immer hilfsbereit und versucht es einem so einfach wie möglich zu machen, sich heimisch zu fühlen. An Weihnachten war dies wieder der Fall, denn zunächst wurden wir von einer Familie zum Mittagessen eingeladen und den restlichen Tag haben wir mit einem älteren Ehepaar verbracht, das uns die Umgebung gezeigt hat und uns später zu sich nach Hause einlud, um eine Tasse Kaffee und ein paar Plätzchen zu essen. Es war ein einmaliges Weihnachten, was in Deutschland so sicher nie stattgefunden hätte.

Wie mein Silvester wird, weiß ich noch nicht wirklich. Wir werden es in Akaroa verbringen, einem kleinen, französisch angehauchtem, Ort auf einer Halbinsel bei Christchurch, und dort zelten. Richtige Pläne gibt es aber noch nicht. Es kommt ganz auf die Menschen an, die wir dort treffen werden. Es wird sicherlich gefeiert und bei gutem Wetter können wir vielleicht Teile der neuseeländischen Küste sehen und hoffentlich einige Feuerwerke. Kommendes Jahr will ich unbedingt einige der Drehorte von „Herr der Ringe“ sehen und vielleicht auch einen Blick auf die Dreharbeiten zu der Verfilmung von „Der Hobbit“ erhaschen.


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