Waffen in den Kampfkünsten sind traditionelle Trainingsgeräte. Die verwendeten Trainingswaffen sind nicht „scharf“. Wer möchte schon im Training ernsthaft verletzt werden? Jedoch kann auch ein Schlag mit einer stumpfen Waffe (Rattan Stock) sehr schmerzhaft sein und zu ernsthaften Folgeschäden führen.

Die ersten Trainingsjahre habe ich somit im Wing Tshun Training keine Waffe in der Hand gehabt. Das war auch gut so. Wer nicht weiß wohin und wie fest er schlägt, sollte auf keinen Fall eine Waffe in die Hand nehmen. Später erst habe ich, zunächst ohne Partner, mit einem oder zwei Rattan Stöcke geübt. Im Wing Tshun sieht man das Training mit dem Rattan Stock als Vorbereitung auf das Waffentraining mit dem Langstock und dem Doppelmesser.  

Das Training mit dem Stock bringt dem Übenden sehr viele Vorteile.  Das Training macht fit und geschmeidig. Es verhilft zu guter Kondition, stärkt den Gleichgewichtssinn, macht schnell und beweglich. Der Stockkampf vermittelt ein Gefühl für Rhythmus, Timing und Distanzgefühl und fördert die natürlichen Reflexe. Fähigkeiten, die für den Kampf „ohne“ Waffe von Bedeutung sind.

Kampfsportler / Kampfkünstler laufen außerhalb des Trainingsraumes nicht mit einer Waffe herum. Wenn wir allerdings mit einer Waffe angegriffen werden, rechnen wir uns durch ein gutes Waffentraining, im Rahmen der Notwehr, gute Chancen aus.

Allein der Gedanke an Notwehr, wäre die Mühe nicht wert, sich über Jahre mit dem Waffentraining zu beschäftigen. Da gibt es adäquate Mittel, die effektiver sind. Das Waffentraining macht einfach Spaß und ich kann mein Potential (bezogen auf Wing Tshun) ausschöpfen. Dabei kann der Übende, unabhängig von körperlicher Konstitution eine außergewöhnliche Kampfkraft entwickeln.  

Leider gibt es in unserer Zeit vermehrt Übergriffe mit Waffen. Die Waffengeschäfte sprießen wie Pilze aus dem Boden und locken mit ihren Angeboten. Dabei möchte ich feststellen, dass Waffen nur in die Hände erfahrener und verantwortungsbewusster Kampfsportler / Kampfkünstler gehören, die damit üben. Wer Waffen in der Freizeit trägt, zur Schau stellt oder damit Menschen bedroht oder verletzt, verstößt gegen das Waffengesetz und erweist sich somit ungeeignet, daran ausgebildet zu werden. Hier können, m.E. die Gesetze nicht streng genug sein.

Selbst langjährige Kampfkunstexperten nehmen das Waffentraining sehr ernst und führen ihre Schüler behutsam an das Training heran. Besteht doch die Gefahr, dass Schüler das Wissen missbrauchen oder ihre Techniken nicht so gut beherrschen und Mitschüler verletzen.

Wing Tshun Selbstverteidigung steht in der Tradition alter Meister. Dabei geht es nicht um die Vielzahl der Techniken, die jeden Kampfsport, jede Kampfkunst attraktiv machen, sondern um die Beachtung der Kraft – und der Kampfprinzipien. Die Techniken, die Übungen, dienen allein den Zweck den Körper auf Flexibilität, Schnellkraft, Körperspannung zu konditionieren. Immer wieder muss die Frage gestellt werden, was soll die Technik lehren? Mit dieser Frage im Kopf übe ich mit dem Schüler, den ich nie als Dummy betrachte, sondern ebenfalls berücksichtige, was der Partner im Gegenzug mit dieser Übung lernen soll.

So ist es stets ein geben und nehmen, bei dem die Positionen ständig wechseln. Mal bin ich Angreifer, mal Verteidiger, mal greif ich links an und verteidige rechts ….


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