Harte und weiche Kampfkunststile –

Die Kampfkünste unterscheiden sich in einigen Punkten, so dass man sie in verschiedene Stilrichtungen unterscheiden kann. Es gibt die harte Kampfkunst, z.B. das Kung Fu. Kung Fu zeichnet sich durch harte und kraftvolle Stoß- und Tritttechniken aus. Kraft und Schnelligkeit bestimmen unter anderem das Können des Kämpfers. Nachteil der harten Schule ist die hohe Belastung der Extremitäten, insbesondere der Knie- und Ellbogengelenke. Die damit verbundenen Gefahren von Verschleißerscheinungen machen das Erlernen und das Ausüben der Techniken im hohen Alter sehr schwierig.

Der weiche Stil legt Wert auf den gesundheitlichen Aspekt der Kampfkunst. Vertreter dieser Schule sollen die Kampfkunst bis ins hohe Alter ausüben können. Die Bewegungen sind daher weich und fließend. Stärke soll durch Kräftigung der inneren Organe, ähnlich wie bei der gymnastischen Heilbehandlung der alten Chinesen, und durch die Entwicklung der inneren Kraft Chi (Qi) erreicht werden.

Die Grundlagen der weichen Stile gehen wahrscheinlich auf den Taoismus zurück. Die harten und kraftvollen Bewegungen des Kung Fu sollen mit weichen, fließenden und nachgebenden Bewegungen begegnet werden. Eine chinesische Weisheit sagt: „Was hart ist bricht“. Das Tao te King erzählt viel von den Vorzügen der Weichheit und den Nachteilen der Härte „Ein Balkenstarker nimm kein gutes Ende“ und Bruce Lee (die Kampfkunstlegende) spricht: „Be water my friend“.

Im weichen Kampfkunststil, zu denen auch Wing Tshun zählt,  lernen wir unseren Körper, über die Fremdwahrnehmung, im Partnertraining, besser zu verstehen. Partnerübungen stellen weitaus mehr dar, wie das Üben von verschiedenen Hand- und Fußtechniken. Wir sind Sender und Empfänger zugleich. Ein Grund, warum Wing Tshun Kampfkünstlern der Ruf vorauseilt: „verhältnismäßig“ sprich angemessen zu reagieren.

Weitere Übungen zeigen uns Wege, die richtige Mitte, den richtigen Stand und die rechte Körperspannung zu finden (Eigenwahrnehmung).

.Auf der Welt gibt es nichts,
was weicher und dünner ist als Wasser.
Doch um Hartes und Starres zu bezwingen,
kommt nichts diesem gleich.

Dass das Schwache das Starke besiegt,
das Harte dem Weichen unterliegt,
jeder weiss es, doch keiner handelt danach.››


Laotse  

Bei Wing Tshun wird viel Wert darauf gelegt, wie man sich und seine Umgebung in die Krafterzeugung einbezieht, z.B. den Boden als Kraftquelle nutzt oder die Energie durch den Körper leitet (Energiekreis). Dabei lernen die Schüler, wie sich die Energie wie ein Peitschenhieb entladen lässt. Jede Bewegung des Körpers wird im Kontext gesehen. Alle Wirbel und Gelenke des menschlichen Körpers wirken zusammen und multiplizieren die Kraft. Wir sprechen i.d.Z. von Körperstatik, in dem Arme und Beine in einem bestimmten (optimalen) Winkel zur Körperachse stehen. Das hat Auswirkungen auf die Belastbarkeit der Gelenke und für den optimalen Schutz.  

Neben den verschiedenen Kraft – und Kampfprinzipien, auf die ich in meinem nächsten Blogbeitrag eingehe, wirken im Wing Tshun „Wu wei“ (nicht handeln). Das ist insofern interessant, dass die Wing Tshun Kampfkünstler, um aktiv werden zu können, einen Impuls (einen Angriff) brauchen. Sie sind daher nicht nur brillante Meister ihres Körpers, sondern sehr friedfertige Menschen. 

Mit meinen Kurzbeiträgen kann ich die Komplexität der Kampfkunst Wing Tshun nur annähernd beschreiben. Vielleicht mache ich neugierig, mehr darüber zu erfahren, es selbst einmal zu versuchen. Dabei bestimmt jeder selbst, durch seinen Fleiß, wie weit er kommt.


Über die Autorin/den Autor:  To change this standard text, you have to enter some information about your self in the Dashboard -> Users -> Your Profile box. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: