Nicht nur in Kampfkunstschulen erfolgt die gegenseitige Begrüßung mit einer Verneigung oder mit einem Handzeichen.  Alle Kampfkünstler, viele Sportler dieser Welt haben ihre ganz eigene Art zu Grüßen, wenn sie einander zum Training begegnen. 

Begrüßungen, in welcher Form auch immer, bedingt durch die Vielzahl der Stile, sind Sitte und fester Bestandteil, nicht nur im traditionellen Chinesischen Wing Tshun. Damit soll gegenüber dem Trainingspartner, dem Lehrer, dem Schüler, dem Trainingsort und der Kampfkunst, Respekt  zum Ausdruck gebracht werden. Respekt vor den Mühen der Ahnen, die jeweilige Kampfkunst zu erhalten und weiterzugeben. Respekt gegenüber den Fähigkeiten und der Persönlichkeit seines Gegenübers. Der Gruß wird deutlich wahrgenommen.

Die Begrüßung hat viele Bedeutungen. Das in unserer Kultur verbreitete „Händeschütteln“ war in China lange Zeit undenkbar. Es gilt heute noch als „unfein“, jemand die Hand zu geben. Viele Chinesen fühlen sich dabei bedroht oder vermuten einen Angriff. Zu Recht mieden Kampfkünstler einen solchen Gruß, weil bereits aus einem Händedruck verschiedene Hebeltechniken abgeleitet werden können. Heute wird das Händeschütteln, besonders in Erkältungszeiten (Ärzte raten dazu), aus praktischen Erwägungen gemieden.

Der Gruß konnte in China ebenso ein „Erkennungszeichen“, politischer Geheimbünde und Sekten sein. So stand z.B. die Faust als Zeichen für die Sonne (für die Ming Dynastie), die man nach der Machtübernahme durch die Qing (Manchuregierung), in den alten Zustand zurückversetzen wollte und die es zu schützen galt (gestreckte Hand).

1986 wurde durch das Zentralkomitee für Volkssport der kommunistischen Partei in Peking die Begrüßung für das moderne Wu Shu standardisiert. Als Begrüßung wurde die Faust neben der gestreckten flachen Hand der nördlichen Shaolin Klöster übernommen.

Heute sprechen wir in Deutschland oftmals von einem Mangel an Grußkultur. Es wird in den Städten immer weniger gegrüßt. Die Menschen gehen stumm aneinander vorbei. Dabei bringt ein freundlicher Gruß, ob nun das Händeschütteln oder ein freundlich gewünschtes „Guten Tag“, die Menschen näher. Im aufeinander zugehen, gehört der Gruß bereits zur Aufnahme der Kommunikation, für den einige Regeln gelten (in die Augen schauen). Die Offenheit, die Freundlichkeit, die dadurch zum Ausdruck gebracht wird, prägt den Umgang des Gesprächs, des Miteinanders. Die Begrüßung in den Kampfkünsten ist durchaus nicht losgelöst zu betrachten und stellt somit keine Besonderheit dar.


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