Willkommen zu Amerikas Fiesta! Dieses Motto steht für den Sportsgeist der im Oktober durch Guadalajara weht. Die Millionenstadt ist Austragungsort der Panamerikanischen Spiele, eine Art Olympia in klein, und die ganze Stadt macht mit. Auch ich kann und will mich der Party nicht entziehen.

Sportler aus 42 Nationen aus Nord- und Südamerika kämpfen um Ehre und Medaillen in Sportarten wie Leichtathletik oder Fußball. Für beide Disziplinen konnte ich Karten ergattern. Mit Freunden ging ich zum Fußball-Halbfinale der Männer unter anderem mit mexikanischer Beteiligung. Die Stimmung war einfach nur prächtig und ich habe für zwei Spiele gut drei Euro bezahlt. Da sollte sich die FIFA mal Gedanken machen. Auch bei der Leichtathletik konnte ich internationale Wettkampfatmosphäre schnuppern. Als dann noch zwei Mexikaner die Laufstrecken über 5.000 und 10.000 Meter gewannen, stand das Stadion Kopf. Wie emotional die Einheimischen ihre Nationalhymne mitsingen, macht deutlich wie stolz sie auf ihr Land sind.

Nicht nur im Stadion, sondern auch auf die Straße wirken sich die Spiele aus. Die Fanmeile auf der Hauptstraße Chapultepec zieht täglich tausende Fans an. Echt super diese Atmosphäre mitzuerleben.

Es gibt daneben viel mehr über die letzten Wochen hier zu berichten. Ich habe meine ersten Examen in der Uni geschrieben. Es ist schon anstrengend seitenweise auf Spanisch zu schreiben, aber auch daran gewöhne ich mich langsam. Jede Woche muss ich Lesereporte einreichen, die zur Routine geworden sind. Im November wird für mich die heiße Phase des Semesters anbrechen, weil ich einige Hausarbeiten schreiben werde.

Im Oktober blieb mir aber noch Zeit, um Land und Leute zu erkunden. Das machte ich zum Beispiel am See von Chapala in der Nähe von Guadalajara. Dort erlebte ich das Dorffest mit. Eine Liveband und ein krachendes Feuerwerk heizten der Menschenmasse auf der Straße ein. Die Fröhlichkeit und Tanzbegabung sind einfach nur beeindruckend.

Ein weiterer Höhepunkt war der Wochenendtrip nach Mexiko-Stadt bei strahlendem Sonnenschein. Innerhalb von drei Tagen absolvierten wir ein echtes Mammutprogramm. An einem Tag besuchten wir die Pyramiden von Teotihuacán, der Stadt in der Götter gemacht werden. Diese Ruinenstadt wird überragt von der Sonnen- und der Mondpyramide, die die Jahrhunderte eindrucksvoll überdauert haben. Sie wurden vor gut 500 Jahren von den Azteken entdeckt. Außerdem besuchten wir das religiöse Zentrum Mexiko, die Basilika von Guadalupe. Wir sahen eine riesige Kirche mit tausenden von Gläubigen gefüllt, ein Bild mit Seltenheitswert für mich.

Unsere Herberge lag mitten im Machtzentrum des Landes am Platz „Zocalo“. So besuchten wir den Nationalpalast der Republik genauso wie die große Kathedrale direkt nebenan. In der Nacht fuhren wir auf den Lateinamerika-Turm hoch, ein Wolkenkratzer im Zentrum. Die unzähligen Lichter der Stadt machten mir deutlich, wie enorm diese Stadt eigentlich ist. Da war die autofreie Innenstadt am Sonntagmorgen eine richtige Wohltat. Ich konnte die Stille hören. Mit vielen neuen Eindrücken ging es per Flugzeug zurück in eine neue Uni-Woche.

Anfang November findet hier ein weiterer Höhepunkt der mexikanischen Kultur statt. Der Tag der Toten am 2. November wird groß gefeiert mit Straßenfesten und Umzügen. Ich bin schon sehr gespannt.

Saludos aus Mexiko!

Mexiko-Stadt Okt

 


Über die Autorin/den Autor:  Jan Dirk Wiewelhove (25) aus Walstedde studiert "Interamerikanische Studien“. Im Rahmen seines Studiums verbringt er ein Auslandssemester in Mexiko. Über seine Erlebnisse in Guadalajara schreibt er ein Online-Tagebuch. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: