Das Thema Wing Tshun und Philosophie kann an dieser Stelle, wie im Übrigen alle meine Blogbeiträge, nur kurz angeschnitten werden.

Die Zusammenhänge, die sich zwischen Wing Tshun und Philosophie ergeben, sind im zeitlichen Kontext und in der persönlichen Entwicklung eines Menschen zu sehen. Damit meine ich, dass wir entsprechend Veranlagung, Bildung und Umwelteinflüsse,  philosophische Gedanken interpretieren und Jahre später wieder völlig anders bewerten können.

Gerne wird Wing Tshun im Zusammenhang mit dem Taoismus gebracht. Es gibt weitere Zusammenhänge, die sich aus der konfuzianischen und buddhistischen Lehre ergeben. Dabei liegt es am Standpunkt des Betrachters, wie sehr er der jeweiligen Philosophie geneigt ist.

Als Kampfkünstler sind mir die philosophischen Aspekte von Konfuzius, die Lehre des Buddha und das Werk des Laotse (der Tao-te-king) (insbesondere die Gedanken über Wu und Wei – intuitives Handeln) und das Buch: „Die Kunst des Krieges“ des Generals und Philosoph Sunzi vertraut. Gleichwohl möchte ich nicht den Eindruck erwecken, ich wüsste alles darüber. Das Gegenteil ist der Fall. Umso mehr man sich mit Philosophie beschäftigt, umso mehr wird einem bewusst, wie wenig man doch weiß.

Ich mag es nicht, wenn Kampfkunstlehrer ihre Schüler mit den Weisheiten alter Meister bombardieren. Für mich zählt, wie man sein Leben gestaltet, wie sehr man Vorbild sein kann. Jeder kann die Welt der Philosophie entdecken. Verpackt in kurzen Texten (Geschichten), manchmal humorvoll, manchmal spannend, lädt Philosophie ein, nachzudenken über den Sinn des Lebens und das Sein.

Grundlegende Wing Tshun Weisheiten, wie z.B. der Satz: „Was hart ist bricht“, braucht man wohl keinen Kampfkunstschüler näher zu erläutern. Andere Weisheiten, wie z.B.: „Weich sein, heißt nicht schwach zu sein“, "Nachgeben, heißt nicht aufzugeben", erfordern hingegen eine Erläuterung, sollten diskutiert werden. Dabei kommt es neben der Kampfkunst, die wir pflegen, zu manch interessanter Diskussion.

Für mich sind Wing Tshun und Philosophie nicht losgelöst voneinander zu betrachten, aber auch nicht über zu bewerten. Vielmehr ist es erstrebenswert die Erfahrungen, die sich aus dem Wing Tshun Training ergeben, in den Alltag zu transportieren. Manchmal bedarf es dazu eines kleinen Anstoßes, um die Dinge, die wir im Training mit Selbstverständlichkeit tun, philosophisch zu betrachten und mit nach Hause zu nehmen.


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