Nun ist schon Donnerstag und uns bleiben nur noch ein paar Tage in Kasama bevor wir nächsten Mittwoch nach Kazembe fahren, um uns dem dortigen Projekt zu widmen.

Die letzten Tage waren wieder sehr ereignisreich und aufregend und in diesem Bericht möchten wir euch von einigen Dingen erzählen.

 

Am Montagmorgen ermöglichten wir der querschnittsgelähmten Frau, Juliet, eine weitere Taxifahrt zum Krankenhaus. Ihre Mutter und ihr Bruder begleiteten sie wieder, was uns nicht möglich war, da wir die Frauen und Kinder erwarteten und mit diesen auch einiges vor hatten. Gegen Mittag kam die kranke Frau, die vor allem an den sehr tiefen Wunden an ihren Beinen litt, nach dem Krankenhausbesuch dann am Haus der Schwestern vorbei. Wir erfuhren, dass sie vom Arzt zwar ganzheitlich untersuch wurde, jedoch lediglich ein paar Schmerztabletten von ihm bekam und zusätzlich Antibiotika nehmen sollte, die im Krankenhaus aber nicht vorrätig waren. Diese besorgten wir ihr dann am Nachmittag in der Apotheke. Allerdings waren wir mit der Behandlung insofern nicht ganz überzeugt, da die Wunden nicht direkt behandelt wurden. Deshalb kauften wir ihr darüber hinaus noch eine Wundsalbe, die auch für tiefe Wunden geeignet war und gaben diese der Mutter zusammen mit Einweghandschuhen mit ins Dorf. Am Freitag wollten wir dann wieder ins Dorf, um Juliet zu besuchen und die Wundheilung zu verfolgen. Schwester Florence besuchte sie bereits am Dienstag und erzählte uns, dass ihr Allgemeinzustand wohl etwas besser war.

 

Neben der Koordination des Krankenhausbesuchs gab es an diesem Morgen aber auch noch einiges anderes zu organisieren. Bevor überhaupt alle Frauen und Kinder aus Musenga Village am Haus der Schwestern der Güte angekommen waren, gaben wir einigen Kindern unsere mitgebrachten Bälle, die uns mit offenen Armen entgegengelaufen kamen. Auch die Luftballons wurden mit erwartenden und abwartenden Blicken freudestrahlend entgegengenommen. Zuerst gaben wir heute jedem Kind Milch mit mitgebrachtem Traubenzucker, der viele Vitamine enthielt. Wir hatten die Frauen am Freitag gebeten, für diese zusätzliche Stärkung mindestens für jede Familie einen Becher mitzubringen. Unserer Einschätzung nach, hatte jedes Kind einen Becher.

Nachdem alle Becher geleert waren, gingen wir mit einigen Frauen zum Nachbarhaus. Dort hatten wir nämlich einige Tage zuvor die deutschen Nachbarn kennengelernt und herausgefunden, dass diese jede Menge getrocknetes Gras loswerden wollten. Dieses Angebot kam uns mehr als gelegen, da die Frauen sich zum einen bei unseren Dorfbesuchen vermehrt über ihre beschädigten und löcherigen Hausdächer beschwert hatten und sie das Gras zur Ausbesserung dieser verwenden konnten. Zum anderen hatten wir bereits einige Tage zuvor die Idee, dass die Frauen das weiche, feinere getrocknete Gras als Schlafunterlage verwenden könnten. Aus diesem Grund trugen wir jede Menge Gras hinüber, von dem sich die Frauen dann später so viel wie vorhanden war, als Bündel mitnehmen konnten. Wir freuten uns sehr über diese einfache Möglichkeit, den Frauen auf diese Weise helfen zu können.

Am Samstag waren wir mit Schwester Florence auf einem großen Markt der Stadt, auf dem wir für die zusätzlichen Tage, die die Frauen auf unseren Wunsch kamen, Reis, Maismehl für Nshima, Erdnüsse, Kohl, Tomaten und Fisch kauften. Aus diesen Vorräten wurde heute Nshima mit Grünkohl und Fisch zubereitet.

Nachdem die Gruppe gegessen hatte und das Geschirr sauber eingepackt war, bekam jedes Kind heute von eurem Spendengeld eine Creme für den Körper. Da zurzeit Trockenzeit und Winter ist, wird die Haut der Kinder stark beansprucht. Die Freude über die Cremes war den Familien daher deutlich anzusehen. 

Dankbar gingen die Frauen an diesem Tag nach Hause und wir, die nun ein wenig geschafft waren, freuten uns auf ein Wiedersehen am Mittwoch.

 

Am Dienstag machten Natalie und ich einen Tagesausflug nach Chilubula, wo der ehemalige Erzbischof, nun im Ruhestand, James Spaita nun wohnte. Wir genossen das Wiedersehen mit ihm, der uns 2007 erst den Aufenthalt in Kasama ermöglicht hatte. Nach einer Tasse Tee begleitete er uns noch zum Krankenhaus in Chilubula, welches wir uns im Anschluss an den Besuch bei ihm mit einer der leitenden Schwestern anschauten. Resümierend stellten wir fest, dass dieses Krankenhaus im Vergleich zu dem in Kasama besser ausgestattet und organisierter wirkte.

 

Gegen Mittag machten wir uns vom Krankenhaus auf den Weg zu den Chishimba Falls, die ca. 10 Kilometer vom Krankenhaus entfernt waren. Diese Wasserfälle teilen sich in drei einzelne auf, die uns unser Fahrer nacheinander zeigte. Wir waren zwar auch 2007 hier gewesen, waren allerdings von der Schönheit dieser einmaligen Naturschau auf neue begeistert. Als wir die Fälle kennengelernt hatten, genossen wir es richtig, ein paar Stunden Zeit zum Entspannen zu haben.

 

Am Mittwoch begannen wir den Vormittag mit den Frauen und Kindern erneut mit einem Becher Milch und Traubenzucker. Dann setzten wir uns nochmal mit allen zusammen und schrieben erneut alle Namen der Mütter und ihrer Kinder auf, die an diesem Tag am Haus der Schwestern waren. Als alle aufgeschrieben waren, ließen wir Schwester Florence die gute Nachricht übersetzen, die wir heute für die Frauen und Kinder hatten:  Am kommenden Montag, unserem letzten Zusammentreffen mit ihnen, möchten wir ihnen ermöglichen, mit uns die Chishimba Wasserfälle zu besuchen. Diese Überlegung hatten wir nun schon seit unserem Aufenthalt in 2007 und wir waren uns mittlerweile sicher, dass dieser Ausflug für einige der Frauen etwas ganz besonderes werden würde. Es war fast unvorstellbar für uns, dass die Menschen noch keine Idee davon hatten, was für eine wunderschöne Natur 30 km entfernt von ihrem Dorf zu finden war. Wir waren wirklich sehr gespannt und freuten uns fast so sehr wie die Frauen auf diesen besonderen Tag. Um den Frauen zu verdeutlichen, dass auch sie ihren Teil für diesen Ausflug beitragen können, forderten wir sie auf, am Freitag jeder 1000 Kwacha (das sind umgerechnet ca. 20 Cent) mitzubringen. Wir waren uns fast sicher, dass dies niemand vergessen würde.

 

Nach dieser freudigen Nachricht verging die Zeit des Kochens umso schneller. Bevor das Essen, heute Reis, Erdnüsse und selbst zubereitete Sojamilch, begonnen wurde, wuschen wir heute nochmal mit allen gemeinsam die Hände. Dieses machten einige Mütter mit ihren Kindern zwar auch selbstständig, aber wir wollten die Wichtigkeit dieses nochmal in den Vordergrund rücken.

 

Nach dem Essen gab es heute eine weitere Sache, mit der wir dank eurer Spenden den Frauen und Kindern ihr tägliches Leben erleichtern konnten: Jede Familie erhielt eine Decke und jedes Kind eine Zahnbürste zusammen mit Zahnpasta. Die Freude war wirklich groß und wir leiten die Dankbarkeit der Frauen für diese Investition an euch weiter!!!

 

Morgen werden wir den letzten Vormittag mit den Frauen und Kindern vor dem Haus verbringen. Unglaublich, wie die Zeit vergeht, was jedoch vor allem daran liegt, dass wir wirklich viel zu tun haben. Als kleines i-Tüpfelchen werden wir den Frauen und Kindern morgen unsere mitgebrachte Kleidung übergeben. Für jede Frau haben wir aus Deutschland neue T-Shirts aus einem Drogeriemarkt geschenkt bekommen. Für die Kinder bekamen wir tolle Kleidungsstücke (ein riesen Dankeschön an Silke und Familie), die hier dringend benötigt wird.

   Durch Vorschulbesuche Kindern Bildung ermöglichen

                                                                und Hoffnung schenken

 

Neben den beschriebenen Investitionen und Überlegungen, verwirklichen wir zurzeit außerdem folgende Idee:

Seit etwa zwei Jahren besteht in Musenga Village im Gebäude der Kirche ein Klassenraum, der als Vorschule genutzt wird. Schwester Antoinette, eine Schwester des Ordens der Sisters of Mercy, die ebenfalls im Konvent lebt, leitet diese Vorschule und ist gleichzeitig als Lehrerin tätig. In der Vorschule bestehen zwei Klassen, zum einen die Baby Class, die Kinder im Alter ab 2 Jahren vormittags besuchen. Zum anderen gibt es eine Middle Class, die Kinder ab ca. 3 bis 7 Jahren am Nachmittag besuchen. Die Vorschule hat zum Ziel, diesen verarmten Kindern eine Möglichkeit zu bieten, einen Weg zu Bildung und damit unter anderem zum Lesen, Schreiben und Rechnen zu ermöglichen. Schwester Antoinette zeigte uns den Klassenraum der Vorschule und erzählte uns, dass zurzeit etwa 10 Kinder die Baby Class und die Middel Class ca. 39 Kinder besuchen.

Wie wir zu Beginn unseres Aufenthaltes berichteten, sind einige der Kinder, die zum Haus der Schwestern gekommen sind, bereits genesen und können mithilfe der Familie auf sich allein gestellt leben (siehe 20.08.11). Ihr dringlicher Wunsch ist nun, auch in die Vorschule von Musenga Village gehen zu können. Nachdem wir diesen Wunsch mehrmals gehört hatten, entwickelten wir die Idee von Patenschaften für diese Kinder. Bevor wir diese Idee jedoch an die Mütter und Kinder weitertrugen, forderten wir alle dieser möglichen „Kandidaten“ letzte Woche auf, bis Montag eine Art Motivationsschreiben zu formulieren, um uns zum einen Initiative zu zeigen und zum anderen zu zeigen, dass dieser Wunsch wirklich ernst gemeint ist.

Zu unserer großen Überraschung, kamen alle sieben Mütter am Montag mit einem Brief zu uns. Unsere Skepsis hatte sich nämlich darauf begründet, dass kaum eine der Frauen englisch sprechen konnte und viele keinerlei Bildung erfahren hatten, sodass wir vermutet hatten, dass allein das Schreiben und Lesen ein zu großes Hindernis sein würde. Aber die Briefe, die wir bekamen waren wirklich überzeugend und enthielten wirklich sinnvolle Gründe für den Schulbesuch ihrer Kinder.

Wir nahmen die Briefe vorerst entgegen und lasen sie nochmals in Ruhe durch. Am gestrigen Mittwoch gaben wir dann einer der sieben Mütter den Brief zurück, da er uns im Vergleich zu den anderen Briefen noch nicht ganz überzeugt hatte. Bereits am heutigen Tag bekamen wir eine verbesserte und überzeugende Version zurück. Man sieht, was doch alles möglich ist. Die Mütter haben nun erst mal ein Anmeldeformular von der Schule mitbekommen, aus dem sie außerdem die  Regeln der Schule kennenlernen. Dieses sollen sie uns am Freitag unterschrieben wieder mitbringen. 

Neben diesen Briefen haben wir bereits einen Vertrag ausgearbeitet, in welchem die Mütter mit ihrer Unterschrift erklären, dass sie über die Patenschaft aufgeklärt sind und welche Pflichten beide Seiten (Pate in Deutschland, Eltern des Vorschulkindes in Sambia) zu erfüllen haben.

Für die kommenden drei Monate, die nächsten Dienstag beginnen, haben wir entschieden, den sieben Kindern von eurem Spendengeld den Schulbesuch zu ermöglichen. Bis zum Ende des Jahres möchten wir für diese sieben Kinder Paten finden, die sie möglichst bis zum Ende der Vorschulzeit unterstützen. Eine genauere Beschreibung dieser Patenschaften findet ihr in den nächsten Tagen hier.

   


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