Die Tasmanier sind ein freundliches und gleichzeitig sehr eigenes Völkchen. Vor ein paar Stunden bin ich aus der Hauptstadt Hobart zurückgekehrt wo die Australian Open stattfanden – das Highlight des australischen Turnierkalenders. Der tasmanische TT-Verband ist klein und zählt lediglich ein paar Hundert Mitglieder, aber mit viel Mühe und Engagement haben sie eine hervorragende Veranstaltung auf die Beine gestellt. Der viertägige Trip war sozusagen mein Einstand. Ich bin dort den wichtigen Leuten der australischen TT-Szene vorgestellt worden. Diejenigen, die sich selbst für wichtig halten haben sich wiederum mir vorgestellt, so konnte ich auch sie kennen lernen. Von den Nationalspielern kannte ich die meisten bereits vorher, nun kenne ich auch die restlichen.

 

Leider ist es derzeit auch in Tasmanien Winter. Und das noch deutlich mehr als hier in Brisbane, denn Tasmanien ist eine Insel südöstlich des australischen Festlandes. Weiter südlich bin ich in meinem Leben bislang noch nie gewesen. Setzt man sich in Hobart in ein Boot und rudert Richtung Süden, dann kommt nach einigen Kilometern Ozean nur noch die Antarktis. Dementsprechend frisch ist derzeit auch das Wetter in Hobart. Das Thermometer klettert in diesen Tagen nicht mehr über die zehn Grad Grenze. Kommt der kalte Wind vom Meer aus Richtung Antarktis hinzu, dann fühlt sich das trotz viel Sonnenschein sehr schnell nicht mehr wie +10°, sondern eher wie -10° C an. Die Tasmanier schreckt das allerdings wenig ab, sie laufen bei diesem Wetter trotzdem mit ganz wenigen Ausnahmen ohne Jacke, und oft sogar kurzärmelig durch die Gegend. Da kam ich mir mit meiner Mütze, dicken Jacke und Handschuhen wie ein bescheuertes Weichei vor.

Eine freundliche Mitarbeiterin des lokalen Organisationskomitees antwortet lächelnd auf meine Frage, weshalb die „locals“ hier alle so sommerlich angezogen wären „dass sie das kalte Wetter gewöhnt seien.“ „Ahso, natürlich,“ lächle ich freundlich nickend zurück. So richtig verstanden habe ich es trotzdem nicht, denn auch ich bin z.B. den europäischen Winter gewöhnt, er kommt jedes Jahr für ein paar Monate zu Besuch. Aber deswegen trage ich dann eben keine T-Shirts, sondern Winterjacke, Schal und Handschuhe. Wie auch immer, die Tasmanier sehr entspannt, freundlich und lebensbejahend. Und die Probleme der Tasmanier sind andere, als die der Deutschen oder der Europäer. Eines der zentralen öffentlichen Themen ist momentan die Rettung des „tasmanischen Teufels.“ Die Population des äußerst frechen Beuteltieres ist offenbar durch irgendeine spezielle Krankheit geschrumpft. Und deswegen wird in TV, Tageszeitung und sogar in Werbespots im Flugzeug zu Spenden und der Beteiligung an Rettungsprojekten aufgerufen. Da musste ich schon einige Male schmunzeln… – in Europa kann man bald mit einem Pfund Kaffee in den Supermarkt gehen und mit 2 Litern Milch wieder raus, weil der Euro als Tauschmittel nicht mehr taugt.

Dort retten sie den Euro, hier den tasmanischen Teufel. Bei soviel Unverbrauchtheit muss man sich einfach wohl fühlen. Vielleicht ergibt sich während des australischen Sommers ja die Gelegenheit für einen Kurzurlaub, denn die Natur ist wirklich atemberaubend. Leider blieb während der wenigen Tage keine Zeit für einen Ausflug.

 

Meinen ersten Arbeitstag im Büro hatte ich am Dienstag. Der TT-Verband hat sein Büro zusammen mit zahllosen anderen Sportverbänden (Badminton, Motorsport, Volleyball, Wakeboarding, Hochschulsport, Squash, Tennis, usw., usw.) im sogenannten „Sports House“, neben dem Suncorp Stadium. Ich bin dort superfreundlich empfangen worden. Einem das Gefühl zu geben wirklich willkommen zu sein, beherrschen die Australier ganz ausgezeichnet. Die Mitarbeiter und sonstigen Angestellten im Sports House haben allesamt eines gemeinsam: Ihre direkte Verbindung und Affinität zum Sport. Manche sind oder waren mal sehr erfolgreiche Athleten. Unter Sportlern habe ich mich immer sehr wohl gefühlt, man hat gleich eine gemeinsame „Antenne“.

Arbeitstechnisch herrscht bei mir aktuell ein „Information overload“, aber das ist ja am Anfang eines jeden neuen Jobs so. Es ist sehr viel Neues dabei, in viele Arbeitsprozesse und Problemstellungen muss ich mich erst einfinden. Aber das macht gleichzeitig auch viel Spass.

 

Überhaupt keinen Spass macht hingegen die Korrespondenz mit der Immobilienagentur, die mein Appartment „managt“. Die haben sich „Service first“ auf ihre Fahnen geschrieben. Leider stand nicht dabei, dass als Maßstab das Servicelevel der Bronzezeit genommen wurde. Mein Appartment hat immer noch kein warmes Wasser! Zum Glück war ich jetzt vier Tage nicht da. Letzten Mittwoch habe ich meine Dusche schon auf dem Pooldeck genommen. Wenn ich morgen Abend den Hahn auf Rot drehe und immer noch kein warmes Wasser am Start ist, gehe ich mit einem Eimer kaltem Wasser aus meinem Hahn ins Agenturbüro, und kippe es der zuständigen Mitarbeiterin über den Scheitel. Vielleicht bekommt mein Anliegen dann ja eine höhergestellte Priorität…

 

Allerbeste Grüße nach Deutschland


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