Hier ein kleines Résumé der englischen Eigenarten, die mir im Laufe meines Austauschjahres aufgefallen sind. Viel Spaß 😉

 

Engländer sind nicht, wie so mancher wohl glaubt, vom Wetter besessen. Nein, die Inselbewohner halten schlicht und ergreifend gerne mal ein bisschen Small Talk. Am Anfang dieser kurzen Gespräch steht oft das berühmte „How are you?“ und unverfängliche Themen wie das Wetter sind immer willkommen.

 

Busfahrten in Großbritannien sind ein Erlebnis für sich: Auf der zweiten Etage ganz vorne hat man einen wahren Panoramablick mit Vogelperspektive auf den Straßenverkehr. Die zweistündige Fahr von Tunbridge Wells nach Brighton beispielsweise bietet eine geniale Aussicht auf Felder, Hügel und Wälder. Selbstredend bedankt man sich als gescheiter Engländer nach solch einem Erlebnis beim Busfahrer 😉

 

Das britische Schulsystem hat wenig mit dem deutschen gemein. Einige der schwerwiegendsten Unterschiede sind die schulspezifischen Uniformen, die unfassbar gute Ausstattung der Schulen und natürlich die Oberstufe. Die Sixth Former dürfen drei bis fünf Fächer wählen und müssen sich dabei mit keinem einzigen Pflichtfach plagen. Meist sehen die Stundenpläne der Schüler sehr unakademisch aus und bestehen nur auf Fächern wie Kunst, Musik, Theater, Musical, Fashion und Fotografie.

 

Auch zu Hause bei meiner Gastfamilie sind mir ein paar ungewöhnliche Details ins Auge gesprungen. Wir haben zum Beispiel keine Klingel- die Hunde bellen, wenn jemand den altmodischen Türklopfer benutzt- und keine Mikrowelle! Außerdem scheint das Duschwasser gechlort zu sein. Ich komme mir immer vor wie im Hallenbad 😀

 

Was mich als Matheschüler in England sehr genervt hat, war die Tatsache, dass es hierzulande kein kariertes Papier gibt. Selbst meine Matheprüfungen musste ich in einem linierten Heft niederschreiben.

 

Im englischen Fernsehen existieren jeweils zwei Kanäle, die eine Stunde versetzt das exakt gleiche Programm zeigen. Sehr praktisch, wenn man die Lieblingssendung verpasst oder sich das Kricketmatch, das man unbedingt schauen will, mit dem lang ersehnten Blockbuster überschneidet.

 

Für den gemeinen Briten scheinen Verkehrsregeln wohl nur Vorschläge zu sein. Wenn die Ampel von Rot auf Orange blinkend umspringt, was so viel heißt wie „Du darfst losfahren, wenn kein Fußgänger mehr in Sicht ist“, sollte man als Straßenüberquerer die Beine in die Hand nehmen. Auch auf den guten alten Zebrastreifen ist hier kein Verlass. Mir ist es schon passiert, dass ich in einer Zone 30 vor einem Fußgängerüberweg warten musste, bis drei Autos mit gefühlten 50 km/h an mir vorbei gerauscht waren. Geschwindigkeitsbegrenzungen scheint man hier auch nicht allzu ernst zu nehmen. Zwar blinken mancher der Straßenschilder, wenn man zu schnell fährt, manche bitten sogar „slow down“, doch Blitzanlangen wären effektiver, aber das ist wahrscheinlich meine deutsche Sicht der Dinge 😀

 

Als großer Musicalfan habe ich mir natürlich die ein oder andere Show in London angesehen. Über vierzig Produktionen hat das Westend zu bieten und neben der Qualität von Schauspiel, Gesang und Bühnenbild verblasst so manches Stück in Deutschland. Was mich jedoch stört ist der mangelnde Respekt des Publikums. Vielleicht hat es mit den teilweise recht erschwinglichen Preisen der Karten zu tun, doch immer wieder habe ich das Phänomen beobachtet, dass sich kaum ein Besucher chic anzieht. Gut, diese Tatsache stört mich selbstredend nicht, aber es zeigt, dass es für viele nichts Besonderes ist, ins Musical zu gehen. In Deutschland gilt die Regel: Wer zu spät kommt, muss bis zur Pause warten, um in den Saal gelassen zu werden. In England hingegen kann jeder kommen und gehen wie’s beliebt und ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass die grellen Taschenlampen der Platzanweiser, das hektische Getuschel der Neuankömmlinge und die eventuellen Streitigkeiten um einen bereits besetzten Platz ein gigantischer Störfaktor sein können. Besonders, wenn die komplette Reihe vor einem aufstehen und sich neu sortieren muss. Das Essen im Musicalhaus ist übrigens auch erlaubt, ja sogar erwünscht, denn vor der Vorstellung werden Popcorn und Eis verkauft. Wie im Kino 🙂

 

Apropos Kino: Wer in England einen 3D Film schauen möchte, muss sich die notwendigen Brillen selber kaufen. Dementsprechend sind sie auch von besserer Qualität als die in Deutschland. Für mich jedoch ist diese Regelung fatal, da ich es immer wieder schaffe, meine Brille zu Hause zu vergessen…

 

Das England angeblich alles teurer ist, war mir vor meinem Austauschjahr schon zu Ohren gekommen. Die englische Post hat es dann aber doch auf die Spitze getrieben: Um ein 50 Kilo schweres Paket nach Deutschland zu schicken, bezahlt man 50 Pfund (80 Euro)!

 

Ich weiß nicht, warum, aber Engländer sind felsenfest davon überzeugt, sie gehörten nicht zu Europa.

 

Was dem Deutschen der Fußball ist dem Engländer das Kricket. Die Regeln sind anscheinend recht kompliziert, doch mein kleiner Gastbruder, Ben, hat sich bemüht, mir die Grundregeln zu erläutern. So viel habe ich verstanden: Der Batsman (nicht Batman^^) schlägt, den vom Baller geworfenen Ball, welcher dann vom Catcher gefangen wird. An dieser Stelle werde ich euch nicht mit vagen Halbwahrheiten langweilen 😉

 

Englisches Wetter ist nicht schlecht, sondern wechselhaft. Sehr wechselhaft. Der Himmel mag noch so blau und wolkenlos sein, die Sonne mag noch so strahlen: Verlasse das Haus niemals ohne Regenschirm! Außerdem ist es äußerst windig auf der Insel.

 

Jeder zweite Laden in einer Englischen Fußgängerzone (High Street) ist entweder ein Charity Shop oder ein Frisör.

 

Man findet im Englischen auf Dauer das ein oder andere Wort, das einem aus dem Deutschen bekannt vorkommt. Beispiele sind Zeitgeist, Poltergeist, Weltanschauung, Bildungsroman, Handstand, to abseil (abseilen), Blitzkrieg, Bratwurst, Pretzel (Bretzel), Doppelgänger und natürlich Leberwurst, Lebkuchen und Lederhosen, nicht zu vergessen die berühmt berüchtigten Schnitzels und Sauerkraut 😀

 

Zwar bezeichnet das Wort Pudding nicht das, was wir unter Pudding verstehen, sondern Nachtisch an sich, bei „Blackpudding“ handelt es sich allerdings um keine Süßspeise- im Gegenteil! Blackpudding ist typisch englische Traditionskost, erinnert vom Aussehen her an einen Eishockeypuck und besteht aus Blutwurst. Und Engländer halten Leberwurst für abartig…?

 

Engländer schreiben die Zahl eins als simplen Strich. Die eins mit dem Häkchen, wie ich sie gerne zu schreiben pflege, wird gnadenlos als sieben gelesen.

 

In England darf Alkohol jeglicher Art erst ab dem achtzehnten Lebensjahr konsumiert werden. Ohne Frage habe ich mich in den vergangenen Monaten an diese Regel gehalten. Dass es mir dann jedoch auf Grund meiner Minderjährigkeit verwehrt wurde, eine Bastelschere zu kaufen, fand ich doch etwas übertrieben…

 

Zum Schluss noch ein bis heute ungelöstes Mysterium: Viele englische Waschbecken haben zwei Wasserhähne, die bis zu zwanzig Zentimeter voneinander entfernt sind. Aus dem einen kommt eiskaltes, aus dem anderen kochend heißes Wasser. Bis heute habe ich noch keine effektive Technik zum gescheiten Händewaschen entwickeln können, bin aber offen für konstruktive Vorschläge 😉

 

 

So, das war’s erstmal mit den Eigenarten der Engländer. Ich hoffe, ihr habt euch amüsiert 🙂


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