Der Mann einer Freundin ging in Rente. Jetzt haben wir viel Zeit, dachten sie, und jetzt möchten wir wieder einen Hund. Hier ist seine Geschichte.

Von O. aus E. ( Name der Redaktion bekannt)

 

Seit ein paar Wochen habe ich eine neue Familie, zwei Frauen und einen Mann. Ich liebe sie und sie mich erst! Sie sind soo nett, immer wollen sie mit mir spielen. Am liebsten fangen. Als das eine Frauchen mich von meiner ersten Familie abgeholt hat, hat sie gesagt, ihre Eltern hätten so viel Zeit, stimmt aber gar nicht. Sie sind immer sooo beschäftigt. Mit Spielen. Mein Frauchen spielt immer so gern mit so lustigen Zetteln, die liegen oft auf dem Tisch. Sie ist richtig froh, dass ich da bin, da muss sie nicht mehr alleine spielen. Ich schnapp die Zettel vom Tisch und dann geht’s los. Rund um den Tisch und mein Frauchen immer hinterher. Sie ruft auch immer was, es klingt so wie – gibst du das her und pfui oder so, aber ich versteh das nicht. Aber ich glaube, sie jucht immer so, weil sie sich so doll freut. Aber manchmal übertreibt sie es. Ich kann nicht so lange fangen spielen. Ich bin ja noch so jung und werde schnell müde. Kaum lege ich mich gemütlich hin mit meinen erbeuteten Zetteln, kommt sie schon wieder an. Na gut, ihr zu Liebe spiel ich dann noch ein bisschen Zerren und dann kann sie es von mir aus haben. Ich bin ja nicht so. Die Zettel sind dann sowieso kaputt. Seit einiger Zeit gibt sie mir dann auch immer ein Leckerchen. Dann tausch ich gerne. Sie lernt ja so schnell! Ich spiele gern mit Papier, auch  mit Luftschlangen und Toilettenpapier, aber  Schuhbänder sind auch toll. Noch  schöner ist es ja, wenn sie nicht sofort merken, dass ich mich auch alleine beschäftigen kann. Manche Spiele sind sonst sofort beendet. Manchmal haben sie eben doch nicht so viel Ausdauer. Und der viele Besuch, der für mich kommt, alle  quieken immer so schön, wenn ich an ihnen hoch springe und mal hier und da zwicke. Letztens brachte einer sogar einen Kuchen  für mich mit. Mein Frauchen hat zwar vergessen, mir einen Teller hinzustellen, aber ich war ihr nicht böse. Ich habe dann von einem am Tisch gegessen. Da hat sie sich ein bisschen geschämt, weil sie mich vergessen hatte und hat mir den Teller dann woanders hin gestellt. Das war blöd, weil ich da dann gar nicht mehr ran kam. Und sie hat es noch nicht einmal gemerkt. Aber ich verzeih ihr.

 Mein Herrchen spielt auch gern mit mir. Oft Fussball, was Männer eben so gerne machen. Dann macht er auch so oft Krach im Haus. Ich würde da ja auch gerne mitmachen, aber er ist manchmal so gedankenlos und macht die Tür hinter sich zu. Er merkt gar nicht, dass ich dann nicht mitkann. Aber  in ein paar Wochen bin ich groß, dann kann ich die Tür selbst aufmachen. Dann freut er sich bestimmt, wenn ich ihm auch helfe.

Sie reden auch viel mit mir, finde ich eigentlich auch klasse. Aber ich versteh nichts. Nein, pfui, lass das und so viele Sachen. Sie sollten mal englisch mit mir reden. Das würde ich verstehen, ich komme doch aus London. Aber ich bin so froh, dass sie mich gefunden haben und ich weiß, sie sind glücklich mit mir. Und das mit den Verständigungsschwierigkeiten schaffen wir auch noch. Wenn sie kein englisch können, dann lerne ich eben deutsch.

Herzlichst euer O.

 

von Lydia Münstermann


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