Hallihallo 🙂 ich weiß, der Frühling naht bereits, aber es war mir wichtig, der Vollständigkeit und Chronologie halber, diesen (zugegeben sehr verspäteten) Artikel, nachträglich noch hochzuladen. Und für manche, die ihn nicht in der Zeitung gelesen haben, könnte er ja doch noch interessant sein…

Liebe späte Weihnachtsgrüße!

 

Auch in England ist eingekehrt, worauf sich die Bewohner der Insel schon seit Wochen vorbereitet haben: die Weihnachtszeit. Straßen, Bäume und Einkaufspassagen wurden dekoriert, langsam aber sicher schlichen sich die Weihnachtslieder ins Radioprogramm und an allen Ecken wurden englische Weihnachtsspezialitäten angepriesen. Typisch für die englische Festtafel sind zum Beispiel die allseits beliebten „Mincepies“. Zwar werden diese kleinen Teigtaschen zu Deutsch Hackfleischpasteten genannt, auf der Verpackung im Supermarkt prangt allerdings groß das Schild „Vegetarisch“. Später wurde ich von einer Schulkollegin darüber aufgeklärt, dass es sich bei der Füllung lediglich um Rosinen handelt. Diese durften auf unserer „Mentorchristmasparty“, einer kleinen Weihnachtsfeier in unserer Mentorgruppe in der Schule, verspeist werden. Außerdem gab es die für ein englisches Weihnachten unersätzlichen „Cracker“, farbenfrohe Knallbonbons, die bunte Papierkronen enthielten. Diese sehen nicht sehr weihnachtlich aus, werden aber zumindest von den Engländern in den Weihnachtswerbungen brav getragen.

Während sich meine Mitschüler noch im „Pantomime“, einer von den Lehrern für den letzten Schultag organisierten Show vergnügten, machte ich mich schon voller Vorfreude und mit gepacktem Koffer auf den Weg Richtung Heimat.

Zunächst lief alles wie geplant: Der Zug kam aufgrund des Frostes etwas zu spät und brauchte über eine Stunde nach London, doch da ich den öffentlichen Verkehr in England kenne, hatte ich genug Zeit eingeplant. In Charing Cross angekommen, tauchte ich ab in den Londoner Untergrund. Wenn man den U-Bahn Plan erst einmal durchblickt hat, kann man sich ohne Probleme frei durch ganz London bewegen- allerdings sollte man nicht nur darauf achten, dass man in die Richtige Linie einsteigt, sondern auch dass man in die gewünschte Richtung fährt. Auch ich musste das an diesem Tag lernen, doch nachdem ich ein paar Umwege durch London gemacht hatte, erblickte ich an der „Victoria Underground Station“ wieder das Licht der Welt. Unglücklicherweise musste ich dort auch erkennen, dass es angefangen hatte, zu schneien und wie viele wissen sind die Inselbewohner zwar an Regen gewöhnt, vertragen sich allerdings nicht mit Schnee.

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch machte ich mich auf die Suche nach meinem Bus und kam zu meiner Erleichterung ohne Probleme- nur etwas verspätet, in Luton an. Auch mein Hotel fand ich auf Anhieb und am nächsten Tag kam ich problemlos bis durch die Sicherheitskontrolle des Flughafens. Im Wartebereich angelangt kam der erste Dämpfer meiner Vorfreude: Vier Stunden Verspätung. Später wurde die Wartezeit noch auf 4,5 Stunden korrigiert und kurz nachdem ich aus dem Fenster gesehen und mit Schrecken den Schnee entdeckt hatte, der wieder fiel, wurde ich nach guten fünf Stunden Wartezeit davon in Kenntnis gesetzt, dass mein Flug abgesagt worden war.

Die Enttäuschung war groß, doch es galt keine Zeit zu verlieren. Vom ersten Infopoint wurde ich zu Gate 9 weitergeleitet, dort lotste man mich nach endloser Wartezeit aus dem Gebäude. Am Informationsstand meiner Fluggesellschaft angekommen durfte ich mir weitere drei Stunden die Beine in den Bauch stehen, immer noch mit der Hoffnung, einen späteren Flieger zu erwischen. Umso niederschmetternder war die Nachricht, der nächstmögliche Flieger ginge am Mittwoch, also vier Tage später. Mittlerweile war es duster draußen und ich musste mir wohl oder übel Gedanken über meine nächtliche Bleibe machen. Die Unterhaltung mit der hilfsbereiten Airlineangestellten sah in etwa so aus:

 

         „Dann muss ich also die Nacht in Luton verbringen?“

         – „Ja.“

         „Wo soll ich denn übernachten?“

         „Wir haben im Hotel in Hemstead Zimmer für unsere Fluggäste reserviert.“

         „Und wie komme ich dahin?“

         „Also da musst du schon alleine hinfinden.“

         „Haben sie denn eine Karte oder können sie mir den Weg erklären?“

         „Woher soll ich denn wissen, wo dieses Hotel liegt?“

 

Dies sollte der Beginn meiner ganz eigenen englischen Herbergssuche in London Luton werden.

Die nächste Person, die ich um Hilfe bat, war ein Busfahrer, doch er konnte mich nur davon in Kenntnis setzten, dass bei diesem Wetter keine Busse führen und der Weg nach Hemstead zu lang zum Laufen wäre. Der einzige Taxifahrer weit und breit, den ich als nächstes ansprach, servierte mich mit einem „Sorry, love. I’m having my break now.“ ab und verschwand im Flughafengebäude. Nach einer Stunde Taxisuche war ich sowohl nass als auch durchgefroren und machte mich frustriert mit meinem Koffer auf den Weg zurück zu meinem Hotel. Dort hieß es leider nur „Wir sind ausgebucht.“ und auch ein Taxi wollte man mir nicht rufen. Bei der Witterung würde sowieso kein Taxi kommen und selbst wenn führe man mich nicht bis nach Hemstead.

Leicht panisch verließ ich das Hotel. Es war inzwischen Nacht und sowohl mit begrenztem Bargeld als auch begrenzter Hoffnung machte ich mich auf die Weitersuche. Als ich das nächste Hotel gefunden hatte, rechnete ich schon gar nicht mehr mit einer positiven Antwort- und wurde nicht enttäuscht. Auch hier waren alle Zimmer belegt.

Anstatt mir einen Schlafplatz im Stall anzubieten, beschloss der freundliche Spanier an der Rezeption allerdings, mir zu helfen und nachdem er für eine gute halbe Stunde herumtelefoniert hatte, hatte er sowohl ein Hotelzimmer in einem weiteren Hotel als auch ein Taxi für mich organisiert.

So kam es, dass ich letztendlich in dieser kalten Vorweihnachtszeit doch noch ein Dach über dem Kopf hatte.

Und am nächsten Morgen sah die Welt schon ganz anders aus: Noch bevor ich angezogen war, bekam ich einen Anruf von der Hotelrezeption und sprach plötzlich mit meiner Patentante, die zusammen mit ihrem Freund und meiner besten Freundin unten im Hotel auf mich wartete! Dreizehn Stunden Autofahrt hatten die drei zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich. Am Abend zuvor hatten sie alles stehen und liegen gelassen; ohne zu zögern und ohne überhaupt zu wissen, ob die Fähre führe, hatten sie sich ins Auto gesetzt und waren in Richtung England aufgebrochen, um mich nach Hause zu holen. Solch ein Einsatz beeindruckte nicht nur mich: „Your aunt is a very tough lady!“, bemerkte auch mein Gastvater am Telefon.

Nach einer sechzehnstundenlangen Rückfahrt, auf der wir eine Menge Spaß hatten, konnte ich endlich meine Familie in die Arme schließen.

Ein riesiges Dankeschön an meine Weihnachtsengel, Ulla, Michael und Johanna!


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