Heute schreiben wir den 23. Januar 2011. Heute endet meine 22 Woche in Kalifornien.
Heute ist der 154 Tag.
Warum ich euch das alles so genau erzähle? Weil ich insgesamt 44 Wochen, oder 308 Tage hier bleibe. So, die ganz schnellen Rechner unter euch wissen jetzt bestimmt schon, worauf ich hinauswill:
HEUTE. IST. HALBZEIT!!
In genau 154 Tagen werde ich wieder im Flieger sitzen, diesmal aber in die andere Richtung über den Atlantik düsen und nach 309 Tagen wieder auf deutschem Boden stehen.
Dann ist alles, worauf ich so lange hingearbeitet, worauf ich so lange gewartet habe, schon wieder vorbei. Als ich angekommen bin, kamen mir die 10 Monate wie eine Ewigkeit vor.
Jetzt sind 5 dieser 10 Monate schon rum und ich frage mich, wo die Zeit geblieben ist. Wenn ich mir meine ganzen Blogeinträge durchlese und mir meine ganzen Fotos angucke, dann sehe ich, wie viel ich in diesen 5 Monaten schon erlebt habe, und doch habe ich irgendwie das Gefühl, ich müsste so viel mehr machen, meine Zeit so viel besser nutzen, weil mir ja nur noch so wenig bleibt.
„Mein“ Jahr ist auf knappe 5 Monate zusammengeschrumpft und ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll, oder nicht.
Auf der einen Seite kann ich es schon jetzt kaum mehr erwarten, euch alle bald wiederzusehen, auf der anderen Seite habe ich mir hier ein Leben aufgebaut, dass so komplett anders ist, als das in Deutschland, dass es mir Angst macht, wieder in mein „altes“ Leben zurück zu kehren.
Am Anfang habe ich immer gedacht „Wenn doch schon wenigstens Halbzeit wäre.“
Jetzt denke ich „Wenn doch wieder das ganze Jahr vor mir liegen könnte.“
Diese Woche habe ich die E-Mail mit meinen Flugdaten bekommen, ich fange jetzt schon an zu planen, wie ich meinen ganzen Kram wieder zurück nach Deutschland kriegen soll; ich höre von anderen Austauschschülern, die jetzt schon wieder geflogen sind, wie es ist wieder zuhause zu sein, und mache mir automatisch auch Gedanken, wie es wohl bei mir wird. Gleichzeitig denke ich mir, hey, irgendwas läuft hier doch falsch. Warum musst du nach der Hälfte deines Jahres schon wieder anfangen, an Deutschland zu denken?
Momentan bin ich aber so froh, noch diese 5 Monate zu haben, und ich habe mir fest vorgenommen, sie auch zu nutzen!
Okay, dass hier artet immer mehr in einen Tagebuch- als in einen Blogeintrag aus, sorry dafür.
Aber dann hab ich euch jetzt auch mal ein bisschen an meiner Gefühlswelt teilhaben lassen 🙂

Soo…was ist denn in den letzen Wochen passiert? Erstmal bin ich nach meiner extra eingeschobenen San Francisco Urlaubswoche wieder zurück in die Schule gegangen und hatte ganz schön viel nachzuholen. Jeden, wirklich jeden noch so kleinen Arbeitszettel musste ich nachreichen.
Meine Güte, da ist Schule verpassen in Deutschland dann doch schöner. Da sagt man einfach, sorry, da war ich nicht da; hab ich leider nicht, Pech gehabt.
Naja. Mit Hannahs Hilfe hab ich auch dann auch letzten Freitag endlich mein selbstgeschriebenes Gedicht auf Englisch abgegeben. Ich und Gedichte; da treffen ja eh schon zwei Welten aufeinander.
Aber dann auch noch auf Englisch UND dabei aufs Reimschema, aufs Mantra, aufs was-weiß-ich-noch-alles achten? No chance! Ich hab ihm gesagt ich kann was auf Deutsch zusammen schreibseln, aber das fand er nicht so gut. Menno. Da hab ich es halt auf Englisch mit ein bisschen Hilfe gemacht.
In der Woche habe ich dann auch meinen Flue-shot bekommen. Bei Rite-Aid. Das ist eigentlich eine Drogeriekette (so ähnlich wie dm oder Rossmann), aber hinten drin war halt auch noch so eine kleine Mini- Arztpraxis, wo man sich halt seine Impfen abholen konnte. Der nette Arzt hat dann gerade sein Käsebrötchen beendet, als wir kamen und hat seine Finger dann am Kittel abgewischt. Aha. Ich hoffe nur, die hat er trotzdem nochmal richtig gewaschen.
Ich war dann schon etwas skeptisch; hab aber nichts gesagt. War ja laut Schild ein anerkannter und geprüfter Arzt, der gute Käsebrötchen Esser.
Fünf Minuten später waren wir dann auch schon wieder raus aus dem Laden. Ob er seine Hände vorher nochmal richtig gewaschen hat, weiß ich nicht, aber irgendwas ist ganz eindeutig falsch gelaufen. Mein Oberarm ist innerhalb der nächsten Stunde auf die doppelte Größe angeschwollen und hatte einen dicken, blauen Flecken an der Einstichstelle. Impfe+Käse scheint sich nicht gut zu vertragen.
Am nächsten Tag in der Schule kamen alle an „Oh my God, what happened to you?!“ Die sind immer sofort so besorgt hier. War schon fast  ein bisschen nervig. Aber bei 25° Celsius wollte ich dann auch nicht mit langen Ärmeln rumlaufen.
Bis Samstagmorgen war mein Arm aber zum Glück wieder mehr oder weniger abgeschwollen.
Da hat mich nämlich die Alyssa abgeholt und wir sind zusammen zu ihrem Pferdchen gefahren.
Das ist vielleicht ein Lieber. Buck heißt der. Und nicht Puck wie die Stubenfliege 😀 Das habe ich nämlich erst verstanden.
Da sind wir dann ein bisschen durch die Gegend geritten und wheey, ich bin nicht vom Pferd gefallen! War doch sehr stolz auf mich. Ist ja immerhin schon ein bisschen her, dass ich das letzte Mal auf einem Pferd saß.
Danach wollten wir eigentlich ins Kino aber dann war das Wetter so schön, und da haben wir uns überlegt, an den Strand zu fahren.
Also eben bei Alyssa gehalten und Sachen geholt, eben bei mir gehalten und Sachen geholt und dann nach Oceanside gedüst. Ich liebe es, dass hier alle schon alleine Auto fahren können.
Und dann…dann stand ich doch ernsthaft im Januar bis zu den Knien im Pazifik. Wuha! Was ein toller Moment 🙂 Weiter rein sind wir dann aber doch nicht gegangen. Das Wasser ist noch verdammt kalt.
Da haben wir uns lieber in die Sonne gelegt und ein bisschen bräunen lassen (weil ich ja eh schon so blass bin, haha). Aber die Sonne geht hier immer noch so früh unter. 5 Uhr und schwupp-di-wupp verschwindet die Sonne im Meer.
Den Sonnenuntergang haben wir uns dann vom  Pier aus angeguckt. Mit Eiscremé in der Hand und Gitarrenmusik im Hintergrund. Und dann kam das absolute Highlight! Auf einmal war da so eine Flosse im Meer und wir schon total aufgeregt und dachten erstmal, es wäre ein Hai.
Aber dann kam der ganz nah an den Pier und hat dann seinen Kopf aus dem Wasser gestreckt und da haben wir dann gesehen, dass es ein Delphin war. Sooooo süß
Hach. Das Meer werde ich mit am meisten vermissen, wenn ich wieder in Deutschland bin, glaube ich.

Am Sonntagmorgen bin ich dann mit Fieber wach geworden. Das ist so verdammt klar. Ich krieg ne Impfe, damit ich nicht krank werde, und zack bin ich krank. Aber ich bin mir ja eh nicht so sicher, was der mir da rein gespritzt hat. Konnte ich also Sonntag und Montag das Bett hüten. Und dabei hatte ich für meinen freien Montag schon so tolle Pläne. Man.
Diese Woche haben wir jetzt Finals, sowas wie Abschlussprüfungen, und damit ist auch gleichzeitig das erste Semester zu Ende. Ich hab aber Glück und hab nur in drei meiner sechs Fächer richtige Exams. In Fashion & Design müssen wir ein Fashionboard mit drei eigenen Designs machen und dazu dann nen kurzen Vortrag halten, in Swimming müssen wir 2 x 100 Meter auf Zeit schwimmen und in meinem Helferjob im Career Center machen wir, denk ich mal, gar nicht. Höchstens, wer am schnellsten Zettel austeilen kann oder so 😉
Also habe ich nur Mathe, History und English als richtige Fächer. Und selbst da sind die Exams dann alles Multiple Choice Aufgaben. Schule ist einfach zu einfach hier.

Mehr hab ich dieses Mal auch gar nicht zu erzählen. Nächstes Wochenende geht es Whale Watching!! Und dann ist schon Super Bowl und dann Valentin’s Day. Und dann ist schon fast März.
Zeit, wo rennst du nur hin?

Ich schicke euch eine ganz dicke Umarmung und ein bisschen Sonne rüber!
Küsschen  


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