Wer kennt nicht den Brauch, am St. Barbara-Tag, dem 4. Dezember, einige Zweige vom Kirschbaum oder vom Forsythienstrauch ins warme Haus zu holen, sie in Wasser zu stellen und dann zu hoffen, dass sie an Weihnachten aufgeblüht sind?

In diesen Tagen hat uns der Winter mit Frost, Schnee und grimmiger Kälte überrascht. Die Stürme während der letzten Wochen haben alles Laub von den Bäumen gefegt, die jetzt wie tot ihre kahlen Zweige in den Himmel strecken.

Gerade jetzt können Barbara-Zweige zu Zeichen werden, dass selbst in strengem Winter, in allem scheinbar Leblosen dennoch tief ein neues Leben schlummert, das neues Wachsen, Blühen und Reifen verheißt.

In einem kleinen Gedicht von Helmut Grunow heißt es:

Ich brach drei dürre Reiselein vom harten Haselstrauch

und tat sie in ein Tonkrüglein, warm war das Wasser auch.

Es weht so kalt der Winterwind, da ich die Reislein brach,

und als es nah an Weihnacht ging, da war das Wunder wach.

Da blühten bald zwei Zweigelein, und in der heiligen Nacht

brach auf das dritte Reiselein und hat das Herz entfacht.

Ich brach drei dürre Reiselein vom harten Haselstrauch,

Gott lässt sie grünen und gedeihn wie unser Leben auch.

(Grunow, Helmut; Georg Kallmeyer Verlag, Wolfenbüttel u. Berlin)

 


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