Hallo zusammen,

4.30Uhr, wieder beendet dieser quälende, nervige Schmerz im linken Arm meine Nachtruhe. Das schon zur Routine gewordene Prozedere setzt ein, nur dieses mal ist es etwas anders. Irgendwo im noch nicht ganz klaren, noch vom wohligen, aber wieder einmal zu kurzen, nächtlichen Ruhezustand beseelten Hinterstübchen, steigt etwas in mir hoch. Noch kann ich es nicht klar definieren, aber eine Ahnung macht sich breit. Wie automatisch bewegt sich die halbwegs ausgeschlafene rechte Hand zum Radio, und bringt es zum erwachen. Plötzlich durchfährt es mich, wie ein Sommergewitter auf hoher See! Radio, das war das Stichwort für meine nun auf vollen Empfang ausgefahrenen Gehirnantennen. Im Radio war doch in den letzten Tagen immer wieder von Daisy zu hören, ja genau, Daisy, die unser Land mit Schnee und Chaos überziehen wird.  
Ich stehe in der Küche, noch ist das Licht aus. Zwei Schritte trennen mich vom Fenster. Draußen nächtliche Schwärze, unterbrochen von weißen Flecken, Schnee auf den Dächern der Nachbarschaft. Der existiert ja schon seit geraumer Zeit.  
Wie sieht es auf dem Boden aus? Sind wir schon eingeschneit? Ich wage einen Schritt Richtung Fenster, denn da steht die Kaffemaschine. Ich will sich einschalten, der nächste Schritt. Ich stehe am Fenster. Der Drang, die Welt da draussen jetzt sehen zu wollen, ist stärker als der, das Wasser in der Maschine zum sprudeln zu bringen. Das Licht bleibt aus. Ich muß es sehen. Mein Blick durchbohrt Scheibe und die nun fast schon frühmorgendliche Dunkelheit. Das ist sie! Die schwarze, wie eine endlos lange Schlange wirkende, einen Meter breite Schneise, durch den weißen Winterniederschlag, die die Wohnstätten mit den Garagen verbindet. Klar und deutlich ist sie zu sehen, ruhig und jungfreulich unberührt, rekelt sie sich keck im Schnee. Aufatmen, ja pure Erleichterung lässt alle Zweifel und Unangenehmes der Nacht weit in den Hintergrund gleiten. Promt klickt sogar der linke Daumen, kräfig und bestimmend den Kaffeespender in Gang. Die ersten Tropfen finden ihren Weg in die Kanne. Im Radio erzählt man mir, das Daisy wohl Einzug in das Land gehalten hätte, aber nicht mit so einem Pomp wie zunächst angekündigt. Mit der abgespeckten Version könnte ich durchaus leben, nicht nur ich.
Übrigens Daisy, Du hast es verstanden, es soll ja überall gespart werden.

Tschüß, bis die Tage, und immer eine handbreit Streugut im Eimer

R.A.


Über die Autorin/den Autor:  Rainer Aschmoneit schreibt unseren Schalke-Fan-Blog. Der leidenschaftliche Schalke-Fan aus Hamm kommentiert die großen und kleinen Geschichten rund um den S04 mit viel Witz und Selbstironie. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: